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Geschichten

Weihnachtlicher Einbrecher


Ein Scheppern im Erdgeschoss ließ mich wach werden. Ich lauschte in die Dunkelheit hinein. Erneut rumpelte es eine Etage tiefer. "Schatz, im Haus sind Einbrecher!", versuchte ich die schlafende Gestalt neben mir wachzurütteln. "Hmm…blubber...brummel…" - Schatz schlief weiter.

Wieder das Scheppern. Tiefe Atemzüge neben mir setzten zum Schnarchen an. Na gut, wenn mein Schatz unbedingt schlafen wollte, musste ich eben allein nach dem Rechten sehen. Leise stieg ich aus dem Bett und schlich aus dem Zimmer. Draußen an der Treppe angekommen, sah ich durch die geöffnete Wohnzimmertür bereits den Lichtkegel einer Taschenlampe suchend umherschwirren. Also doch Einbrecher!

Was sollte ich tun? Schatz zu wecken war aussichtslos. Der schlief den Schlaf der Gerechten. Die Polizei anrufen? Bis die eintraf, war der Einbrecher garantiert über alle Berge. Letzte Möglichkeit: Selbst ist die Frau!

Mutig stieg ich zwei Stufen hinunter, als mir plötzlich einfiel, dass ich unbewaffnet war. Na toll! Ich sah an mir herunter. Wie würde das aussehen, wenn ich unbewaffnet und im Nachthemd vor einem Einbrecher stünde, um ihn zu veranlassen, das Haus ohne Beute zu verlassen? Der würde wahrscheinlich vor Schreck mit einem Herzkoller umfallen und dann müsste ich noch die Dringende Medizinische Hilfe holen!

Ein Schatten erschien. Der Mond, der durch das Wohnzimmerfenster fiel, tauchte den Einbrecher in sein Licht und ließ den Schatten immer größer werden. O Gott, war das ein Monstrum! Der musste an die drei Zentner wiegen! Welche Waffe nahm man für einen solchen Koloss? Bratpfanne? -  Zu klein. Küchenmesser? - Alle stumpf. Feuerhaken? - Der hing neben dem Einbrecher.

Es schien aussichtslos. Wie machten die das im Fernsehen immer? Pfefferspray! Das war in der Küche und die war neben dem Wohnzimmer. Dann hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. Nun konnte sich mir gegenüberstellen, wer wollte, ich war jetzt schwer bewaffnet. Ich schlich die Tür komplett hinunter, lugte um die Ecke der Wohnzimmertür. Der Einbrecher stand mit dem Rücken zu mir und leuchtete mit der Taschenlampe den Boden ab. Ich tastete mit der Hand um die Ecke nach dem Lichtschalter. Mein Vorteil war, dass ich das Überraschungsmoment auf meiner Seite hatte.

Im selben Moment, als das Licht anging und ich: "Was suchen Sie hier?" schrie, fuhr der als Weihnachtsmann verkleidete Einbrecher erschrocken herum und ich warf ihm die Mottenkugeln ins Gesicht. Mit dem Staubwedel sorgte ich für perfekte Verteilung.

"Was… haptschi… hören Sie… haptschi… doch endlich… haptschi… mit dem Gewedel auf! Haptsch! Ich suche doch nur meine… haptsch… Kontaktlinse. So, nun ist mir die zweite auch noch rausgefallen." Er riss sich den Bart vom Gesicht, um dem ständigen Niesreiz durch die Mottenkugeln zu entkommen.

"Bruno? Du? Aber wie bist du hereingekommen?" "Durch die Tür. Haptschi." "Aber du musst dich doch nicht extra als Weihnachtsmann verkleiden, um hier deine Kontaktlinsen zu suchen. Was wolltest du wirklich hier?"

"Dein Freund… hap… hat mich gebeten, dieses unter den Weihnachtsbaum zu legen und dabei ist mir eben die Kontaktlinse herausgefallen." Bruno zeigte auf ein Päckchen, das, wie ich erkannte, am Vorabend wirklich noch nicht dort gelegen hatte. Ich nahm und öffnete es.

Ein Ring und ein Kärtchen fanden sich darin mit der Aufschrift: Willst du meine Frau werden? Ich schluckte, aber fragte Bruno: "Warum solltest du es hier platzieren?" "Es sollte eine Überraschung werden. Was tut man nicht alles für seinen besten Freund." "Bruno, es tut mir leid." Ich ging auf ihn zu, um ihn zu umarmen. Im selben Moment knirschte es unter meinem Fuß. "Oh, ich glaube, das war deine Kontaktlinse." "Irgendwas musste ja schiefgehen."

Als Bruno das Haus verlassen hatte, ging ich wieder nach oben und kuschelte mich in mein Bett. "Alles in Ordnung?", murmelte mein Schatz. "Ja. Der Weihnachtsmann hat eben um meine Hand angehalten und ich habe ‚ja‘ gesagt." Ruckzuck saß mein Schatz im Bett und war hellwach. "Wirklich?" "Ja." Mit einem innigen Kuss drückte er mich ins Kissen zurück. Weihnachten konnte voller Überraschungen sein!

 

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Von Katrin Lischka vom Förderstudio Literatur e.V. Zwickau
Erschienen am 19.12.2011




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