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Land & Leute
Traditionen aus persönlichem Blickwinkel
Oldtimer-Experte Frieder Bach schreibt an einem Buch über alle Fahrzeugbau-Betriebe in Chemnitz und Karl-Marx-Stadt
In seiner Garage restauriert Frieder Bach gerade eine DKW Supersport 600, die 1929 in Zschopau gebaut wurde. In der bevorstehenden Motorrad-Saison will er damit an Oldtimer-Rallyes teilnehmen.
Chemnitz. Alno, Moll, Oruk, Presto, Marklin - was klingt wie Küchen- oder Spielzeug-Marken, sind in Wirklichkeit ehemalige Chemnitzer Firmen, die Autos, Motorräder oder Teile dafür hergestellt haben. Frieder Bach, einer der größten Experten für sächsische Oldtimer in Deutschland, will diese Traditionen möglichst lückenlos in einem Buch niederschreiben, an dem er bereits arbeitet. Mit den Recherchen dafür hat der Rabensteiner vor etwa fünf Jahren begonnen.
"Mit den bekannten Namen wie Wanderer, DKW, Auto-Union und Ifa-Kombinat bin ich fertig. Jetzt fehlen mir noch Fotos und andere Zeitdokumente zu einigen der zahlreichen kleinen Betriebe", sagt der 66-Jährige. Er hofft, sich dieses Material in nächster Zeit mithilfe von Nachkommen einstiger Firmen- inhaber, Mitarbeiter oder Kunden beschaffen zu können. Möglichst noch in diesem Jahr will er das fertige Werk einem Verlag anbieten.
Schreiben will er zu jeder Firma ein längeres oder kürzeres Kapitel möglichst aus persönlichem Blickwinkel, denn es gibt kaum eine Chemnitzer Fahrzeugbau-Marke, mit der Bach oder seine Vorfahren nicht schon zu tun gehabt hätten. "Mein Großvater, der später Motorrad- und Autorennen gefahren ist, hat ab 1911 bei Daimler in Berlin gelernt", erzählt er. 1930 sei die Familie über Limbach nach Rabenstein gekommen.
Auch der Vater hatte Zeit seines Lebens mit Fahrzeugen zu tun. Frieder Bach, der zunächst Sport studiert und aus gesundheitlichen Gründen später Kraftfahrzeugschlosser gelernt und Schwermaschinenbau studiert hat, begann in den 1950er Jahren mit dem Sammeln alter Motorräder. "Meine erste richtige Maschine war eine 250er NSU von 1927", erzählt er. Vorkriegs-Motorräder seien damals für ein paar DDR-Mark verkauft worden, weil ihre Vorbesitzer Platz für etwas Neues brauchten. "Als sich herumsprach, dass ich etwas davon verstehe, habe ich einige Motorräder auch geschenkt bekommen", berichtet Bach. Mühsam restaurieren musste er die meist lieblos behandelten Oldtimer freilich selbst, doch es machte Spaß.
Als die Sammlung immer größer wurde, spezialisierte er sich durch Tausch auf DKW-Modelle. 1990 hängte er die Ingenieur-Stelle bei Elite Diamant an den Nagel und machte sich mit einem Oldtimer-Service in Mittelbach selbstständig. 1993 gehörte er zu den Gründern des Museums für Sächsische Fahrzeuge im Wasserschloss Klaffenbach, das 2009 in die Hochgarage an der Zwickauer Straße umgezogen ist.
Mehr als 25 Motorräder, Autos und Fahrräder aus seinem Besitz sind dort zurzeit ausgestellt. Nochmal so viele hat er auf seinem Grundstück untergebracht. Mit einigen davon startet er regelmäßig bei Oldtimer-Rallyes oder verleiht sie an große deutsche Autokonzerne. Auch als Fachbuchautor und -Korrektor hat sich Frieder Bach längst einen Namen gemacht. Seit den 1980er Jahren schreibt er Bücher und Broschüren, bisher meist zum Thema DKW.
Von Michael Brandenburg
Erschienen am 18.02.2010
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