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Land & Leute

Viel Handarbeit in Elefantenkleidung gesteckt

Sattler Uwe Dietrich aus Lunzenau arbeitet europaweit mit 250 Zirkusunternehmen zusammen - Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut


Elefantenkopfschmuck

Uwe Dietrich zeigt den in seiner Werkstatt in Lunzenau hergestellten Elefantenkopfschmuck. Das Teil ist für den Berliner Zirkus Bernhard Renz bestimmt.

Lunzenau. Uwe Dietrich aus dem Lunzenauer Ortsteil Schlaisdorf hat erst gestern zwei Elefantenkopfstücke auf Reisen geschickt. Vor sechs Jahren machte sich der 42-Jährige selbstständig und kleidet seither Kamele, Elefanten, Giraffen & Co. ein. Europaweit arbeitet er inzwischen mit fast 250 Zirkusunternehmen zusammen.

Eigenen Recherchen zufolge soll er der einzige Sattlermeister mit diesem Leistungsangebot in ganz Europa sein. Zwar gäbe es noch Werkstätten in Frankreich und der Türkei, doch die würden nicht diesen "individuellen Service" bieten. Genau den wissen offenbar die Zirkuschefs, von denen Dietrich einen großen Teil persönlich kennt, zu schätzen. "Viele rufen einfach an und erzählen mir ihre Wünsche", so Dietrich. Dabei flattern die meisten Aufträge kurz vor der Zeltsaison, die im Frühjahr beginnt, ins Haus. Dann hat der Muldestädter alle Hände voll zu tun. Wie derzeit.

Dass Zirkusdirektoren ungeduldig sind und keine Zeit haben, da sie zumeist auf Tour sind, auch daran hat sich Dietrich gewöhnt. "Alles muss rasch gehen", erzählt der Sattler. So hat er allein für die Elefantenkopfstücke nur wenige Tage gebraucht, obwohl in den beiden für den Berliner Zirkus Renz gefertigten Unikaten viel Handarbeit steckt. Das lässt sich der Ein-Mann-Betrieb gut bezahlen. Pro Auftrag kassiert er mindestens einen dreistelligen Betrag. Mehr will der Schlaisdorfer jedoch nicht verraten. "Man wird mit diesem Job nicht gleich Millionär, aber es reicht zum Leben", unterstreicht Dietrich.

Doch der umtriebige Lunzenauer kleidet nicht nur Elefanten, Büffel und Nashörner ein. Auch maßgeschneidertes Sattelzeug für Pferde fertigt er in seiner Werkstatt. Zunehmend gefragt sind auch Kameldecken, Akrobatikgurte sowie die riesigen Manege-Vorhänge. Nicht zuletzt stammt die eine oder andere passgerechte Eckcouch in einem der Zirkuswohnwagen von ihm.

"Den Erfolg habe ich mir hart erarbeitet", ist Dietrich stolz. Dabei hatte auch er wie viele andere, die sich in die Selbstständigkeit wagten, in der Anfangszeit zu kämpfen. Sein erster Auftrag war ein Geschirr für ein Friesenpferd. "Das habe ich noch nach Muster angefertigt. Mein Kunde war zufrieden", blickt er zurück. Inzwischen bringt er eigene Ideen ein, obwohl er die bei den Zirkusleuten aus Traditionsgründen beliebten Motive Mond und Sterne nicht sonderlich mag.

Vielmehr versucht er, seine eigene Handschrift zu hinterlassen. Das käme den Zirkussen entgegen, die sich ohnehin mit ihrer Tierkleidung von Konkurrenzunternehmen abheben wollen. So gibt es häufiger Kronen, Palmen und andere kunstvolle Verzierungen zu sehen. Für das Maßnehmen an Elefanten oder Pferden hat sich Dietrich eine Art Statistik einfallen lassen, wonach die Tiere in die Kategorien "Groß", "Mittelgroß" und "Klein" eingeteilt werden. Außerdem bietet er den Zirkusleuten verschiedene Figuren für den Wohnwagen an, quasi als Accessoire. "Wer mit Elefanten arbeitet, will sich gern einen Dickhäuter ins Wohnzimmer stellen", weiß er.

Von Jochen Walther


Erschienen am 25.02.2010




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