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Land & Leute
Internetbäcker fertigt Brot aus Inka-Getreide
Glauchauer Thomas Kaufmann deutschlandweit im Bio-Brote-Geschäft - Produkte völlig frei von Gluten, Hefe, Laktose, Soja und Chemie
Geselle Tom Ungethüm am Rührwerk in der Bäckerei im Niederlungwitzer Gewerbegebiet.
Glauchau. Der Auftritt der Firma MGB Food Company bei der Nürnberger Messe Biofach hat sich gelohnt. Schon nach zwei Tagen klingelte das Telefon von Geschäftsführer Thomas Kaufmann. Ein Händler aus Italien ist interessiert. MGB, ausgesprochen "Mein gesundes Brot", ist im fünften Jahr seines Bestehens gut im Geschäft. "Seit Jahren haben wir Umsatzzuwächse, im Vorjahr waren es 20 Prozent", erklärt Kaufmanns Frau Nora, die die Bücher führt.
Das Besondere: Kaufmanns haben keinen Laden. Das Geschäft läuft nahezu ausschließlich über Bestellungen per Telefon, Fax und Internet. Und dass es so gut läuft und heute fünf Menschen satt macht, verdankt der Glauchauer seinem immensen Fleiß und einer Geschäftsidee, die aus eigener Betroffenheit herrührt. Der Internetbäcker backt Brote ohne Gluten, ohne Hefe, ohne Laktose, ohne Soja und gänzlich ohne Chemie.
Glutenfreie Nahrung - schwer beschaffbar und teuer, so des Bäckermeisters eigene Erfahrungen. Kaufmann war damals Fachberater beim Großhändler Bäko und beschloss, sich zunächst selbst zu helfen. Als das gelang, machte er sich selbstständig. Einen Laden zu eröffnen, hatte er nie erwogen. "Es war mir klar, dass selbst München dafür zu klein ist."
Er suchte nach Vertriebswegen. Anfangs warf er den Ofen nur einmal die Woche an. "Sechs Tage war ich unterwegs auf der Suche nach Kunden." Zwischendurch etwas anderes zu backen, funktioniert nicht, meint Kaufmann überzeugt. "Die Glutenspuren liegen in der Luft. Man müsste wegen 25 Broten einen halben Tag sauber machen." Kaufmann hielt seinen Backofen rein und klapperte lieber Krankenkassen, Ernährungsberater, Ärzte ab.
Doch es ging schleppend - bis er seine Internetpräsenz erhöhte. Er erneuerte seine Homepage, schaltete sich bei Foren als "Bakerman Tom" ein und machte sich einen Namen. Der 41-Jährige hat heute tausende Kunden in der Datei, überwiegend Privatleute. Deutschlandweit liefert er sieben Sorten Frischbrote, vier Sorten haltbares Brot, zudem Teegebäck.
Die alte Backstube in Remse verließen anfangs 30 Brote die Woche. Im Vorjahr kaufte er eine 200-Quadratmeter-Halle im Niederlungwitzer Gewerbegebiet, investierte 120.000 Euro. Seit November verlassen wöchentlich 1,5 Tonnen Brot die Backstube am Lungwitzbach 1. Seit 2009 tragen seine Waren das Bio-Zertifikat. In einem Leipziger Institut lässt er regelmäßig die Glutenfreiheit prüfen.
Zu kaufen gibt es die Kastenbrote mit dem Logo MGB in der Region nur in Michas Naturbackstube in Stenn und im Werksverkauf nach Vorbestellung. "Den Kontakt mit Naturkostläden und Reformhäusern wollen wir jetzt erst angehen", sagt der Chef.
Kaufmann backt nach alter Technologie, die sehr zeitaufwändig ist. Seine Zutaten: Salz, Wasser, Mehl, statt Hefe Backferment (Nektarhefen, die auch Bestandteile des Honigs sind).
Um Abwechslung auf den Tisch zu bringen, nutzt er verschiedene Mehlsorten: Quinoamehl, Amaranthmehl, beides alte Inkagetreidesorten) sowie Mais-, Buchweizen-, Kastanien- und Reismehl. Das Buchweizenbrot geht am besten. Das Sortiment hat er kürzlich um glutenfreie Wurst erweitert, die der Werdauer Fleischer Andreas Heyer liefert.
Von Uta Pasler
Erschienen am 04.03.2010





