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Land & Leute
Sensationsfunde sind gar nicht so selten
Botaniker Peter Meese kennt den Werdauer Wald und seine Pflanzen wie eigene Westentasche - Knackerdbeeren-Fund muss noch belegt werden
Peter Meese hat die Pflanzen des Werdauer Waldes, auch den Goldklee, für einen Atlas erfasst.
Werdau. Für Peter Meese ist der Werdauer Wald ein großer Garten. Seit mehr als 30 Jahren geht der gebürtige Langenbernsdorfer darin ein und aus, kennt ihn wie seine Westentasche. "Eigentlich ist der Werdauer Wald artenarm, aber er wartet immer mal wieder mit Überraschungen auf", sagt der Botaniker, der sich von Kindesbeinen an für die Natur interessiert. Peter Meese nennt als Beispiel das Schöne Hartheu.
"Das blüht in zirka 14 Tagen. Es kommt im Gebiet des alten Landkreises nur hier im Werdauer Wald vor. Ich habe es als Erster gefunden, im angrenzenden Greizer Wald war es schon ,entdeckt'", erzählt der Pflanzenfreund, der sich sein Wissen selbst angeeignet hat, dem aber auch der ständige Austausch mit Gleichgesinnten sehr wichtig ist. Sein neuester Fund ist die Knackerdbeere, eine Verwandte der Walderdbeere. "Aber ich bin noch nicht so euphorisch. Es muss erst schlüssig belegt werden, dass sie es auch wirklich ist", dämpft der gelernte Feinmechaniker seine Freude. Wenn dem so sei, wäre auch das wieder ein seltener Fund.
Als jahrelanger, ehrenamtlicher Naturschutzhelfer im Landkreis, aber vor allem als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Sächsische Botaniker im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, hat sich der heute 61-Jährige schon an einigen Projekten des Landesamtes für Umwelt und Geologie beteiligt. So wurde in der Vergangenheit die Wildflora des Bundeslandes kartiert. Im Jahre 2000 konnte der Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens erscheinen, an dem letztendlich rund 250 Botaniker beteiligt waren. Peter Meese hat den Werdauer Wald genau unter die Lupe genommen. Das ist aber nur ein kleiner Teil seines gesamten Kartierungsgebietes. Auch derzeit ist er in der Region wieder auf der Suche nach ausgewählten, seltenen Arten, wie dem Berghartheu, Fichtenspargel, Natternzungenfarn und anderen. Die größte Sensation war 1989 der Fund der Grünlichen Waldhyazinthe, einer Orchidee, im nördlichen Landkreisgebiet. "Leider wurde sie nie wieder gefunden."
Langeweile kennt der Familienvater, der zwei Kinder und zwei Enkel hat, nicht. Gerade das Frühjahr und der Sommer sind für Botaniker eine spannende Zeit, wenn alles wächst und sich entwickelt. Seinem Hobby geht der Werdauer ohne Computer und Internet, ja sogar ohne ein Handy nach. "Die anderen Experten lachen schon und meinen, dass ich in der Beziehung ein richtiger Dinosaurier bin", nimmt es Peter Meese gelassen. Ehefrau Ingrid toleriert das zeitaufwändige Hobby ihres Mannes. Auch wenn sie ihn vielleicht noch öfter als bisher im Garten der Familie am Stiefelknecht sehen würde.
Bedenklich findet der Pflanzenkenner die oft massenhafte Ausbreitung verwilderter Zierpflanzen hinter Gärten oder Siedlungen. "So ist zum Beispiel die Silberblättrige Goldnessel in der Lage, die Wildflora zu verdrängen. Ein Himmelschlüsselchen oder Buschwindröschen in einem angrenzenden Bachgrund hätten keine Chance mehr. Wir nennen das Floren-Verfälschung."
Von Annegret Riedel
Erschienen am 01.07.2010
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