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"Ich male mir das von der Seele ab"

Malerin und Grafikerin Mechthild Pöhler in Burkhardtsdorf - Tierschutz liegt der Künstlerin besonders am Herzen


Mechthild Pöhler in ihrem Atelier in Burkhardtsdorf

Mechthild Pöhler in ihrem Atelier in Burkhardtsdorf. Vor ihr die Clownsbilder aus einer neuen Schaffensperiode. Das Porträt zeigt einen Burkhardtsdorfer Fabrikanten.

Burkhardtsdorf. Süß, einfach niedlich, so richtig zum Kuscheln sehen sie aus, die drei Seehundjungen, hingehaucht in hellen blauen Pastellfarben auf Zeichenkarton. Doch die Aaahs und Ooohs bleiben beim Blick auf das nächste Bild im Halse stecken. Auch das zeigt ein Seehundbaby. Gehäutet, anklagend mit seinen schreckensgroß geweiteten Augen, gemalt in roten Farbtönen aus Ölpastell.

Die zwei Bilder stehen exemplarisch für Mechthild Pöhler aus Burkhardtsdorf. Hinter der Kunst der Malerin und Grafikerin, ihren Bildern und anderen Werken steckt bei der gebürtigen Chemnitzerin mehr als die Sinne des Betrachters zu wecken. Als engagierte Tierschützerin will sie mit ihren Gemälden, vor allem den Bildern von Tieren, aufrütteln, aufklären, aufwühlen. Dabei ist ihr die Aufklärung am wichtigsten.

Und so erläutert sie bei ihren Ausstellungen mithilfe von Textfahnen Hintergründe, beispielsweise zum Stierkampf. Diese spanische Tradition lässt sie nicht mehr los, seitdem sie vor Jahrzehnten den Film "Goya" sah, die Literaturverfilmung über den gleichnamigen spanischen Maler, in dem auch Stierkämpfe in dramatischen Bildern zu sehen sind. "Ich male mir das von der Seele ab", sagt sie.

Doch zuerst war da für Mechthild Pöhler die Kunst, die sie nicht losgelassen hat. Später kam dann der Tierschutz hinzu, das Wissen um die Möglichkeit, mit Bildern Themen zu setzen. Kämpfen musste und muss die Burkhardtsdorferin für und um beides. Radierungen und Zeichnungen, Porträts von Menschen, auch Stillleben, häufig mit Kugelschreiber und Bleistift, bestimmen die ersten Schaffensjahre von Mechthild Pöhler.

Im Karl-Marx-Städter Zentrum-Warenhaus lernte sie Verkäuferin mit Abitur, doch das Kunststudium wurde ihr verwehrt. Grund: Ihre Nichtangepasstheit. Die Leipziger Hochschule teilte ihr das verbotenerweise mit. Dort hatte sie sich beworben. "Es war zwar gut, Bescheid zu wissen, aber die Ablehnung tat trotzdem weh", blickte sie zurück, während sie in einem Raum unterhalb ihres Ateliers in einer großen Truhe mit älteren Werken kramt.

Ein Bild mit gelbem Huflattich, der inmitten eines Schuttberges trotzdem blüht, leuchtet heraus. "Der Huflattich setzt sich trotzdem durch", meint sie. Und: "Auch wenn er es schwer hat." Ein bisschen meint sie damit auch sich selbst. Doch aufgeben kam trotz aller Hindernisse nicht infrage.

Autodidaktisch brachte sich Mechthild Pöhler das Handwerk Kunst bei, lernte bei Malern. Noch heute zeugen kleine Zeichnungen im Raum unterhalb ihres Ateliers von unzähligen Übungen. Auch später traf sie wieder auf Unverständnis. 1990, nach der Wende, nahm sie der Künstlerbund Chemnitz als Mitglied auf, doch viele verstanden nicht, weshalb sie hauptsächlich Tiere zu Papier brachte.

Bei der Wahl ihrer Mittel wagt Mechthild Pöhler gern den "Ritt auf der Rasierklinge", wie sie selbst sagt, sucht das Risiko, das schnelle Malen. Schon Ölpastell, das häufigste Mittel ihrer Wahl, ist ein Abenteuer, verdünnt entstehen viele neue Farben. Doch der Nervenkitzel ist auch groß, wenn sie mit dem Kugelschreiber ans Werk geht. "Ich arbeite gern damit. Das macht Spaß, das muss sitzen."

Ähnlich sieht es bei der Aquarellmalerei aus. "Auch hier muss es schnell gehen", meint sie und schaut auf eine frühe Aquarellmalerei, die Flüchtlinge zeigt.

Bescheiden reagiert die Burkhardtsdorferin auf die Frage, mit ihren vielen Bildern eine ständige Ausstellung oder gar ein Museum einzurichten. "Da sind andere erst mal dran", kommt es zurück und kurz darauf: "Aber Spaß würde es mir schon machen, so etwas zu gestalten."

Eine solche Exposition würde dann in der Abteilung Neuere Werke viele lachende Clownsgesichter zeigen. Seit Anfang des Jahres hat Mechthild Pöhler schon mehr als 40 Bilder voller Clowns, die meisten musizierend, gemalt. Mit ihren roten Knollnasen und Zahnlücken fordern sie zum Lachen regelrecht heraus. Das sollen sie auch bewirken. Die Künstlerin hat die Clownerie zum Selbsterhaltungsprinzip erhoben: "Für mich ist das Malen der Clowns eine Schmunzeltherapie."

Von Sandra Häfner


Erschienen am 19.08.2010




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