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Volkskunst
Ein Haus des Holzes und der Kreativität
In den Lehmannschen Werkstätten in Hausdorf erblicken Engel das Licht der Welt und entstehen Tabakspfeifen
Martina Abicht-Lehmann und Karl-Peter Lehmann umgeben von Engeln und Tabakspfeifen in ihrem Ausstellungsraum.
Hausdorf. Das ganze Haus wird von unzähligen Engeln bewacht: Wand- oder Standengel, geflügelte Wesen auf Eisenständern oder auch Hausbeschützer, die von der Decke herabblicken. Jedes der Figuren ist ein Unikat und stammt aus den Lehmannschen Werkstätten in Hausdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Zschadraß.
Ein antiker hölzerner Engel hatte den Ausschlag für den Schritt in die Selbstständigkeit gegeben. Das war 1989. Der sollte im Auftrag einer Heimatforscherin im Original restauriert und nachgebaut werden. Als das erste, recht aufwändige Modell fertig gestellt war, gefiel es den Machern so gut, dass die Idee einer ganzen Kreation geboren wurde: angelehnt an das Vorbild alter Lichterengel aus dem Erzgebirge.
"Wir fertigen die Kunstwerke aus Pappelholz nicht en masse, sondern jedes Stück ist ein Unikat, entsprechend der Wünsche der Kunden und der Gelegenheit", erzählt Martina Abicht-Lehmann. Sie habe in den Jahren zunehmend mehr festgestellt, dass die Leute etwas Bleibendes suchen - eben einen Engel mit Persönlichkeit, passend zum Anlass: zur Geburt, zur Taufe, zum Einzug.
Lediglich das Fertigen der Rohlinge erfolgt auswärts. Zuhause bekommen sie Beine, Arme, Flügel und die "Kleidung". Damit hat die Textilgestalterin ihre eigene Serie aus Holz kreiert. Es folgten weitere Stücke: Spieldosen, Schaukelpferde, Kerzenständer, Wandbilder. Sie treten die Reise nach ganz Europa und auch über den großen Teich an. Für das kreative Paar gibt es keinen Stillstand, sondern diverse Spielplatzvariationen, Wochenendhäuser, Lauben kommen aus der Werkstatt von Karl-Peter Lehmann.
Durch Zufall entdeckte er für sich den Pfeifenbau. Weil der Pensionär es bevorzugt, nach getaner Arbeit unterm Rosenbusch bei einem Glas Rotwein gemütlich ein Pfeifchen zu schmauchen. "Ich wollte meinen Mann ein neue kaufen und war von den recht hohen Preisen überrascht. So fassten wir den Entschluss, die selbst herzustellen", so Martina Abicht-Lehmann.
Nach umfangreichen Recherchen und Versuchen tüftelte der Handwerker an Form und Herstellung. Und das mit Erfolg, denn heute sind die Pfeifen mit dem Signum PL bekannt und werden nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch nach Kundenwunsch gefertigt. Das sprach sich unter Pfeiferrauchern herum: in Sachsen-Anhalt, Hamburg und im sächsischen Land.
Sie orderten nicht nur die Ware, sondern wollten auch wissen wie sie entsteht. Daraus hat sich ein Stammtisch gefunden, der sich jeden zweiten Freitag im Monat trifft. "Dann wird nicht nur geraucht, bis sich die Balken biegen, sondern auch ,Männergespräche' geführt", berichtet der Senior. Auch davon, dass sie ihre Unikate in diesem Jahr unter anderem auf dem Kunsthandwerker-markt Wasserschloss Klaffenbach und beim Weihnachtsmarkt auf Schloss Proschwitz bei Meißen präsentieren werden.
Von Christine Hirschfelder
Erschienen am 11.03.2010
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