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Volkskunst

Objekte frommer Andacht ins Haus geholt

"Freie Presse" lädt vor Eröffnung der "Manufaktur der Träume" zum Museumsrundgang ein


Krippenfiguren

Der Kurator der "Manufaktur der Träume", Jörg Bräuer, zeigt die geschnitzten Krippenfiguren aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die im neuen Museum in der Kreisstadt ihren Platz finden werden.

Annaberg-Buchholz. Wer kennt sie nicht, die zur Rarität gewordenen erzgebirgischen Weihnachtsberge. Ihr Ursprung liegt in den figurenreichen böhmischen Krippenbergen. Einige Akteure, die einst solche Berge belebten, finden sich auch in der Ströherschen Sammlung. Die heute vorgestellte Figurengruppe stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die geschnitzten Objekte sind etwa 16 bis 17 Zentimeter hoch, handbemalt und weisen kleinere Gebrauchsspuren, Farbabplatzungen, Fehlstellen und Lackverdunkelungen auf. Die Gruppe besteht aus fünf Hirten - vier davon sind mit einer Trompete sowie weiterem Werkzeug wie einer Saufeder oder einer Schaufel ausgestattet. Der fünfte hält eine Geige, und die sechste Figur zeigt einen Mann, der eine Kiepe trägt.

Krippenberge entstammen der Tradition der Hauskrippen. Diese entstand, nachdem der Habsburger Kaiser und Anhänger der Aufklärung Joseph II. im 18. Jahrhundert die Aufstellung von Krippen in öffentlichen Gebäuden und damit auch in Kirchen verbot. Das Volk jedoch ließ sich seine Gegenstände der frommen Andacht nicht nehmen und holte sich die Krippen nach Hause. Das Verbot selbst wurde bereits 1823 wieder aufgehoben, dennoch blieben die Menschen bei ihren Hauskrippen. Der Bedarf an Figuren wuchs, sodass es im 19. und 20. Jahrhundert teilweise zu einer wahren Massenproduktion kam. Für die Herstellung verwendete man verschiedenste Materialien, unter anderem Ton, Teig, Wachs, Pappmaché, Metalle, Stein und Holz.

Einfache Krippendarstellungen beschränken sich auf die Schilderung der Weihnachtsgeschichte nach den Evangelien von Lukas und Matthäus. Die Geburt in Bethlehem, die Anbetung durch Hirten und die drei Weisen sowie die Flucht nach Ägypten werden gestalterisch verknüpft. Krippenberge hingegen verbinden die ganze Szenerie mit einer historisch-fantasierenden Landschaft als Hintergrund und mit zahlreichen weiteren Figuren. Manche Berge versuchen Bethlehem darzustellen, andere zeigen ein Stadtmodell Jerusalems oder bestehen aus Amtsgebäuden, Kirchen und Palästen im zeitgenössischen Stil.

Zum großen Figurenreichtum eines Krippenberges gehören unter anderem Müller, Bauern, Gastwirte, Musikanten, Jäger, Bergleute und Soldaten. Die Hauptakteure Josef, Maria und Jesus, sowie die Weisen aus dem Morgenland werden dabei in orientalischer Kleidung, sämtliche anderen Figuren jedoch in zeitgenössischer Tracht gekleidet dargestellt.

Über Böhmen hielt die Tradition der Krippenberge schließlich auch im Erzgebirge Einzug.

Von Martin Göpel


Erschienen am 01.07.2010




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