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Volkskunst
"Fantasiehäuschen gibt es bei uns nicht"
2007 gegründete Modellmanufaktur Beckert fertigt Bausätze komplett aus Pappe - Gebäudeserie Preßnitztalbahn ist der Renner
Diese Modelle sind nicht aus Plastik, sondern aus Pappe. Trotzdem sind sie "fast so stabil wie Sperrholz", sagt Elke Beckert.
Annaberg-Buchholz. Fast jeder Junge hat in seiner Kindheit schon einmal an einer Modelleisenbahnanlage gebastelt oder aber wenigstens davon geträumt. Thomas Beckert aus Buchholz ist da keine Ausnahme.
Richtig ergriffen hat ihn dieses Fieber in Klasse 4. Im Unterschied zu seinen Mitschülern reichte es ihm allerdings nicht, irgendwelche Bausätze zusammenzuleimen. Der gebürtige Freiberger begann, seine Gebäude komplett selbst zu bauen. Diese Leidenschaft hat er bis heute bewahrt und damit auch seine Frau angesteckt.
Elke Beckert sah darin eine Geschäftsidee und gründete 2007 die Modellmanufaktur Beckert - mit Erfolg.Der große Unterschied im Vergleich zu anderen Firmen der Branche liegt im verwendeten Material. "Unsere Modelle sind nicht aus Plastik, sondern aus Pappe beziehungsweise Karton. Damit haben wir hier kaum Konkurrenz", sagt die gebürtige Lichtensteinerin. Außerdem halte sich damit der finanzielle Aufwand - sowohl für die Herstellung als auch für die Käufer - in Grenzen.
"Um herauszufinden, was die Leute wollen, sind wir anfangs von einer Modellbahnbörse zur nächsten gefahren. In vielen Gesprächen versuchten wir zu ergründen, welche unerfüllten Wünsche es unter den Modellbauern gibt", erinnert sich Elke Beckert. Mit dem Nachbau einzelner Objekte habe sich der erhoffte Erfolg aber nur zögerlich eingestellt. "So ein richtiger Boom setzte erst vor gut einem anderthalben Jahr ein, als wir begannen, komplette Projekte umzusetzen, wie etwa die Preßnitztalbahn", erzählt Thomas Beckert.
Von dieser Strecke sind bis auf den Lokschuppen Jöhstadt, der im Sommer erscheinen soll, alle relevanten Gebäude erhältlich. "Die Serie ist zu einem Renner geworden", freut sich Elke Beckert. Gleiches wünscht sich das Ehepaar vom nächsten Großvorhaben - der Weißeritztalbahn.
Bis es soweit ist, steht zunächst eine mehrtägige "Exkursion" auf dem Programm. "Dort, wo wir keine Baupläne bekommen, vermessen wir alles selbst. Wir und natürlich unsere Kunden legen großen Wert darauf, dass alles originalgetreu ist. Das geht soweit, dass sogar die Zahl der Ziegelreihen stimmt. Fantasiehäuschen gibt es bei uns nicht", verweist Elke Beckert auf das Modell des Bahnhofes Steinbach.
Ist die Zeichnung eines Gebäudes endlich im Computer erstellt, erfolgt der Ausdruck. Dieser Bogen wird anschließend auf Pappe und zusätzlich auf Karton aufgebracht. Das Kaschieren erledigt ein ortsansässiger Buchbinder. "Mit diesen drei Lagen erzielen wir eine Festigkeit, die mit der von Sperrholz vergleichbar ist", sagt Thomas Beckert.
Apropos Holz. Daraus besteht zum einen die Grundplatte für nahezu jedes Modell. Zum anderen - und darauf sind die Beckerts besonders stolz - lassen sie neuerdings die Fenster für die kleinen Häuschen aus echtem Furnierholz fertigen. Weil sie so filigran sind, gehe das nur mittels Lasertechnik. Darauf werde dann nur noch Folie geklebt. Früher wurde mit Pergamentpapier gearbeitet.
Das Sortiment der noch jungen Manufaktur, die lediglich zwei Mitarbeiter auf Teilzeitbasis für Stanzarbeiten beschäftigt, umfasse bis jetzt 56 verschiedene Modelle. Diese wiederum gibt es fast alle in den drei gebräuchlichsten Nenngrößen H0, TT sowie N.
Von Thomas Wittig
Erschienen am 26.08.2010
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