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Besucher blicken erstmals in Bergfried
Teil der alten Bastion des Hartensteiner Schlosses jetzt zugänglich - Glocke am so genannten Würfel läutet wieder
Günter Eckardt (4. v. l.) machte bei der ersten Begehung auf interessante Details wie den harten Stein (rechts hinten) im frei gelegten Raum des früheren Bergfrieds auf dem Areal der Schlossruine aufmerksam.
Hartenstein. Mit Taschenlampen ausgerüstet sind Mitglieder des Fördervereins Schlossruine Hartenstein sowie Sponsoren und Helfer am Samstagabend durch eine niedrige Öffnung in einen frei gelegten Raum des ehemaligen Bergfrieds der Schlossruine gekrochen. Drinnen erfuhren sie dann vom Schneeberger Kulturwissenschaftler Günter Eckardt, der mit im Förderverein wirkt, dass sie nicht etwa durch eine kleine Tür, sondern durch ein frei gelegtes Fenster hineingelangt waren.
"Unter uns befinden sich noch mehrere Etagen der 800 bis 900 Jahre alten Bastion. Diese liegen allerdings unter der Erde", erläuterte er und deutete auf Schießscharten, die früher zur Verteidigung der Burg genutzt wurden. Gut zu sehen war auch der harte Stein (Fels) an einer Seite des Bergfrieds, der Hartenstein seinen Namen gegeben hat.
Von der Bastion ging es dann durch die helle Vollmondnacht zu Kelleranlagen, die sich unter der Zufahrt zum Schlossareal befinden und bis zum Terrassengarten erstrecken. Der Zugang ist gerade von der Bergsicherung Schneeberg in Stand gesetzt und damit wieder zugänglich gemacht worden. Wie der Schneeberger Holger Eisenbeiß vom Vereinsvorstand berichtete, sind die Räume im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt worden.
Geschaffen wurden die Anlagen um 1850 zur Bierlagerung der Schönburgischen Brauerei, die sich damals neben dem Schloss befand. Beim Gang durch die Keller stießen die Besucher auf alte, stark angerostete Regale. Diese sind ein Überbleibsel der Champignonzucht, die sich zu DDR-Zeiten dort befand. Müll- sowie Ascheberg im hinteren Teil zeugen davon, dass die Keller vor Jahren auch zur Entsorgung von Abfall genutzt wurden.
Zur Führung gerufen worden waren die Gäste mit lauten Glockenschlägen. Seit voriger Woche hängt nämlich wieder eine Glocke im kleinen Turm neben dem so genannten Würfel. In diesem ist ein kleines Museum eingerichtet worden. Die Besucher können im früheren Rentamt den Tresor besichtigen, den der Lößnitzer Schlossermeister Frank Schöberl wieder hergerichtet und mit neuen Schlüsseln versehen hat. Außerdem werden Scherben und alte Beschläge gezeigt, die bei der Schuttberäumung in dem 1945 durch Brandbomben zerstörten Schloss gefunden worden sind. Fotos dokumentieren eindrucksvoll den Baufortschritt bei der Sanierung des denkmalgeschützten Areals.
Service
Das Museum in der Schlossruine ist montags bis freitags 9 bis 15 Uhr geöffnet. Anlässlich des 65. Jahrestages der Zerstörung des Schlosses findet am 18. April ein Museumstag statt. Am 30. April wartet der Förderverein mit einem Lyrikabend auf. Und am 20. Juni wird die Theatergruppe der Paul-Fleming-Mittelschule auf der Freilichtbühne im Schlossareal "Das doppelte Lottchen" aufführen, ehe am 15. August das 1. Literarische Schlossfest in Hartenstein steigt.
Von Viola Martin
Erschienen am 04.03.2010
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