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Feiern mit Gott
Das neue Musikfest Erzgebirge begibt sich auf die Suche nach Traditionen - Große Nachfrage nach Eintrittskarten
Die St. Annen-Kirche in Annaberg-Buchholz zählt zu den schönsten Sakralbauten der Region. Sie ist eine der Spielstätten beim Musikfest Erzgebirge.
Annaberg-Buchholz/Freiberg. Das singende klingende Erzgebirge feiert ein neues Musikfest in den Gipfellagen. Und das Beste der Kultur reichte schon immer über den Fichtelberg hinaus. Es ist ein Fest, das als Aufführungsstätten großer Musikwerke von Freiberg über Marienberg, Annaberg, Schwarzenberg bis Schneeberg gotische Bergkirchen zu bieten hat. Diese gehören zu den besten sakralen Bauwerken in Deutschland, und so bewegt sich dieses Fest schon auf den Höhen der Kultur, bevor es begonnen hat.
Zwar sind die fünf "Bergmannsdome des Erzgebirges" exponierte Sehenswürdigkeiten, die in diesem Fall aber mehr dem Hörgenuss dienen. Die Kirchen in den anderen Festorten stehen ihnen nicht viel nach: Grünhain, Zschopau, Lößnitz, Schlettau und Hohndorf/Oelsnitz. In all diesen zehn Städten sind die Kirchgemeinden für das Musikfest Erzgebirge gewonnen worden. In diesem Fall ist es nicht das übliche Entgegenkommen gegenüber einem Festival, sondern auch eine direkte Beteiligung, die in einem großen erzgebirgischen Sängerfest am 11. September in der Lößnitzer Kirche ihren Höhepunkt findet.
Der aus Schwarzenberg stammende Intendant des Musikfestes Erzgebirge, Hans-Christoph Rademann, sieht darin einen Brückenschlag zur Tradition der erzgebirgischen Kantoreien und der sakralen Gebundenheit des fleißigen Singens und Musizierens in einer frommen Bergmannsgegend. Und von dort aus baut er eine Brücke zur Musikpflege in heutiger Zeit, die mit den Angeboten des Festes international hochkarätige Interpreten und Aufführungen verspricht.
Wer in aller Welt würde sich nicht auch wünschen, Phillippe Herreweghe und das Collegium Vocale Gent einmal im Original zu erleben? Das ist auf dem Gebiet der Barockmusik so etwas wie Salzburg und Bayreuth in einem. Und es ist das Eröffnungskonzert des Musikfestes Erzgebirge am 3. September in Schwarzenberg mit Johann Sebastian Bachs Hoher Messe h-Moll. "Bachs Messe und Herreweghe - ich kann mir nichts Besseres vorstellen", sagt Rademann. Das Eröffnungskonzert ist ausverkauft wie bereits mehrere andere Abende des Festes. Auf Grund der Kartennachfrage wurde zum Beispiel das Schlettauer Konzert aus dem Rittersaal des Schlosses in die Ulrichkirche der Stadt verlegt. Auch dort wird mit dem Flanders Recorder Quartet musikalische Extravaganz erwartet, Werke und Arrangements von Bach stehen auf dem Programm.
Aber es ist nicht etwa so, dass Hans-Christoph Rademann allein das Fest und sein Programm intendiert. Der Sohn des ehemaligen Schwarzenberger Kantors Rolf Rademann lebt selbst von der erzgebirgischen Musiktradition und er lebt in ihr. Fast mustergerecht ist sein eigener Weg verlaufen. Hochbegabt wurde er wie viele Erzgebirgsknaben seinesgleichen in den Dresdner Kreuzchor delegiert, von dort aus ging seine Ausbildung weiter bis zu seiner heutigen Professur an der Musikhochschule der sächsischen Landeshauptstadt. Noch als Student gründete er den Dresdner Kammerchor und mit diesem Ensemble bestritt er jahrelang die Höhepunkte des Festes Alter Musik im Erzgebirge, meist gemeinsam mit dem Dresdner Barockorchester.
Mit diesen beiden Ensembles, besser wohl ist es als eines zu verstehen, kommt Rademann auch diesmal und wie meist bringt er besondere Kostbarkeiten der Dresdner Hofmusik mit. Johann Adolph Hasses Requiem C-Dur wird am 5. September in Marienberg erklingen. Mehr noch. Als Chefdirigent des Rias Kammerchores, eines ganz renommierten Konzertchors der Gegenwart, tritt der Intendant auch aufs Dirigentenpodest in der St. Annenkirche Annaberg und leitet die Aufführung der Marienvesper von Claudio Monteverdi.
Schon mal gehört? Dieses Werk, diesen Chor und zudem die Akademie für Alte Musik Berlin? Im Funk vielleicht, auf erwählten Tonträgern möglicherweise. Aber im Original eine Rarität ohnegleichen. Nicht nur bei uns im Erzgebirge, die Marienvesper mit diesen Interpreten wird gewiss ein Ereignis.
Denn: Wer das Programm des Musikfestes Erzgebirge gesehen hat, denkt sich so manchen Wunsch aus. Sofern rechtzeitig Karten bestellt wurden oder noch hier und da eine zu bekommen ist, wird das Erzgebirge in den zehn Tagen des Festes tatsächlich aus musikalischen Gipfeln bestehen. Nur, dass es keineswegs Mittelgebirge bleibt.
Service
Für das Konzert des Dresdner Kammerchores und des Dresdner Barockorchester unter Leitung von H.-C. Rademann am 5. September ab 20 Uhr in der Marienberger St.-Marien-Kirche, das Konzert "Vier Herren und viele Flöten spielen Bach" am 6. September ab 20 Uhr im Schloss Schlettau und das Konzert des Ensemble Chelycus am 7. September ab 20 Uhr in der evangelischen Kirche Grünhain gibt es die Karten an der Abendkasse. Diese öffnet jeweils 18 Uhr.
Für die folgenden Konzerte gibt es in den Geschäftsstellen der "Freie Presse" und online noch Karten:
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Das Benefizkonzert mit dem Jugendbarockorchester "Bachs Erben" zugunsten der Innensanierung der Zschopauer Stadtkirche ist am 8. September in der Zschopauer St.-Martins-Kirche zu erleben.
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Jeremy Joseph, der Gewinner des Silbermann-Orgelwettbewerbes, ist am 9. September im Freiberger Dom St. Marien zu Gast.
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Singer Pur und David Orlowsky beehren am 10. September die St.-Wolfgangs-Kirche in Schneeberg.
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Beim Erzgebirgischen Sängerfest singen am 11. September zahlreiche Kantoreien in der Lößnitzer St.-Johannis-Kirche Höhepunkte aus dem Messias-Konzert.
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Das Abschlusskonzert des Musikfestes mit dem Rias-Kammerchor Berlin und der Akademie für Alte Musik Berlin am 12. September in der St.-Annen-Kirche in Annaberg-Buchholz..
Musikfreunde, die das Musikfestival Erzgebirge für einen Kurzurlaub nutzen möchten, finden zahlreiche Hotels mit Übernachtungsmöglichkeiten in unserem
Gastgeberverzeichnis. Und für das Kraft tranken vor den Konzerten empfiehlt sich der Besuch eines der tollen
Freizeitbäder
des Erzgebirges.
Von Reinhold Lindner
Erschienen am 02.09.2010
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