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Holzkunst fühlt sich gut an

Sehbehinderte Schüler laden Besucher des Daetz-Centrums zu besonderer Führung ein


Holzkunst

Danny Reinhold, Mitarbeiter im Daetz-Centrum und selbst Holzgestalter, ertastet die Kunst.

Lichtenstein. "Sie sollen nicht sagen: Es sieht schön aus. Sie sollen sagen: Es fühlt sich gut an." Diesen Satz möchten Schüler der Sächsischen Blindenschule Chemnitz den Besuchern der Sonderausstellung "Berührungen - Die fühlbar andere Ausstellung" im Daetz-Centrum Lichtenstein in ihren selbst erarbeiteten Führungen entlocken.

In einem Gemeinschaftsprojekt der Blindenschule und des Zentrums für internationale Holzbildhauerkunst haben vier Schüler der achten und zehnten Klasse der Blindenschule mit ihrer Lehrerin eine Führung erarbeitet, in der sie sehenden Menschen die Holzkunstwerke auf ihre Art präsentieren, so wie sie als Sehbehinderte die Ausstellung wahrnehmen. "Ich möchte die Besucher fühlen lassen, raten lassen, was die Figur darstellt und erst dann etwas dazu erklären", sagt die 15-jährige Corinna Voigt.

Denn: Den Besuchern werden die Augen verbunden. Sie sind auf ihre Gruppe, die sie führenden Schüler und die aufgerauten Leitlinien auf dem Boden angewiesen, die ihnen den Weg weisen. So müsse man andere Sinne als die Augen benutzen, meint Heidi Schmidt, die Schulleiterin. Der Tastsinn stehe dabei im Mittelpunkt, aber auch die Gemeinsamkeiten mit den Sehenden durch gemeinschaftliches Entdecken von Kunst seien interessant.

Die Führungen finden heute und am 7. September zwischen 10 und 17 Uhr im Daetz-Centrum statt. Gruppen mit fünf bis zehn Gästen werden dabei von jeweils zwei Schülern an den Exponaten entlang geführt und können diese in Ruhe ertasten und erforschen.

Bei der Erarbeitung der Führung haben sich die Schüler mit den Kunstwerken intensiv auseinander gesetzt, betasteten sie und bestimmten Material und Aussehen der Exponate. Dass das manchmal auch für sehbehinderte Menschen nicht ganz einfach ist, erklärt Diana Gollus (17). "Ist das eine Zahnbürste oder doch eine Flöte, die der Engel im Mund hat?"

Die Schüler sind zum Teil schon seit langer Zeit sehbehindert. Der 15-jährige Klaus Schmidt ist es seit seiner Geburt, im Laufe der Jahre wurde es schlimmer. Auch Daki Selmanovic zählt mittlerweile als blind, kann aber beispielsweise mit einem normalen Handy ohne Probleme umgehen. "In der Schule merkt man kaum, dass er nichts sieht", sagt Lehrerin Schmidt. Auch deshalb wählte sie diese vier Schüler aus. Sie seien redegewandt und neugierig, hätten eine gute Orientierungs- und Merkfähigkeit und interessierten sich für Kunst.

"Wir konnten das Projekt während unserer Bildungsinformationstage Anfang August Lehrern aus ganz Sachsen vorstellen", sagt Kathrin Hillig, Geschäftsführerin des Daetz-Centrums. "Das Interesse war überwältigend. Mittlerweile sind alle Führungen an beiden Tagen restlos ausgebucht."

Service

Die Ausstellung "Berührungen - die fühlbar andere Ausstellung" ist bis 12. September im Daetz-Centrum Lichtenstein, Schlossallee 2, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3, ermäßigt 2,50 Euro. Eine öffentliche Führung findet am 12. September um 15 Uhr statt.

Von Sina Ritter


Erschienen am 02.09.2010




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