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Kultur & Sehenswertes
Mediterrane Natur glüht im Farbenrausch
Galerie am Domhof zeigt Malerei und Grafik von Elke Daemmrich - Wahlfranzösin von Stierkampf fasziniert
Zwickau/Crimmitschau. Die Gemälde von Elke Daemmrich zwingen den Betrachter zum genauen Hinsehen. Nicht, dass nicht erkennbar wäre, was die in Dresden geborene Malerin und Grafikerin darstellt, deren Ausstellung "Mediterran" am 31. Januar in der Zwickauer Galerie am Domhof eröffnet wird. Aber die überbordende Farbigkeit, die ihren sonst sehr konkret und naturalistisch daherkommenden Motiven eine surreale Note gibt, zwingt das Auge zum Ordnen, zum Einordnen der einzelnen Bildelemente, die die Gesamtkomposition ausmachen.
"Mediterran" - der Titel der Ausstellung, kann nur Programm sein bei einer Künstlerin, die sich vor weit mehr als 15 Jahren ihre Wahlheimat in Tournecoupe ausgesucht hat, einem kleinen Dorf unweit der südwestfranzösischen Stadt Toulouse, auf halber Strecke zwischen Mittelmeer- und Atlantikküste. "Das war, nachdem mir die Stiftung Kulturfonds Berlin für mein Projekt "Das Licht des Südens" ein Stipendium für einen sechsmonatigen Arbeitsaufenthalt in der Provence bewilligt hatte", erinnert sie sich.
Die von ihr dort anfangs eher skeptisch und mit Unverstand betrachtete Erscheinung des auch in dieser Region verbreiteten Stierkampfs weckte ihre Faszination. Sie setzte sich künstlerisch mit dem Thema auseinander - in Malerei und Grafik. Detailverliebte Beispiele letzterer Ausdrucksform Kaltnadelradierung, Kupferstich, Aquatinta, die sich an Blätter des großen Francisco de Goya anlehnen, sind auch in der Domhofgalerie zu sehen. Dominiert wird die Werkschau jedoch von den großformatigen Naturmotiven: Zikaden, Schmetterlinge, Chamäleons, Echsen, Käfer, Blumen und Pflanzen sowie Seeigel, Octopusse, Fische auf ihren kleinerformatigen, vor Ort in der Natur entstehenden Seestücken malt sie fast mit wissenschaftlicher Akribie, was die Gestalt angeht.
Völlig frei agiert die 45-Jährige dafür in der Farbgebung, vereint ihre lebenden Motive dabei zu Kompositionen, die ein bisschen so wirken, als hätte jemand in einem PC-Bildbearbeitungsprogramm gehörig an den Farbreglern gedreht. Gerade das aber verleiht den Bildern auch ihren besonderen Reiz. Zumal wenn man weiß, dass sie mit menschengemachten Motiven nicht anders verfährt: Ihre Serie von New-York-Bildern, die allerdings nicht in der Galerie zu sehen sind, dafür im Internet, beweisen dies. Die Beziehung zu Westsachsen rührt von ihrem Vater her. In Aue geboren, lebte er in Crimmitschau, wo sie ihn häufig besuchte. Die erste Werkschau in der Region fand vor 2 Jahren in der Galerie Art-In Meerane statt.
Da Elke Daemmrich aus politischen Gründen in der DDR nicht Kunst studieren durfte, schlug sie den Weg zur Künstlerin als Autodidaktin ein. "Aber die Frage, ob und wo man studiert hat, spielt sowieso nur in Deutschland eine Rolle", so die Erfahrung der Künstlerin. "In anderen Ländern wird überhaupt nicht danach gefragt."www.elkedaemmrich.com
Service
Die Ausstellung "Mediterran" wird am 31. Januar, 11 Uhr in der Galerie am Domhof Zwickau eröffnet. Danach ist sie bis zum 21. März täglich außer montags von 13 bis 18 Uhr zu sehen.
Von Torsten Kohlschein
Erschienen am 04.02.2010


