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Kultur & Sehenswertes

Laterne beleuchtet bespitzelte Bilderschau

Chemnitzer Ausstellung zeigt rund 40 Werke von 14 Künstlern - Erinnerungen an Galerie-Arbeit in den Jahren 1987 und 1988 in Karl-Marx-Stadt


Gemälde der Galerie "Boykott"

"Galerie Boykott" ist der Titel einer Ausstellung in der Galerie Laterne zur Galerietätigkeit im Atelier Schüller 1987 bis 1988 in Karl-Marx-Stadt. Im Bild: Andreas Schüller mit dem Umschlagblatt der Mappe A3 mit Arbeiten mehrerer Karl-Marx-Städter Künstler.

Chemnitz. Etwa 40 Arbeiten von 14 verschiedenen Künstlern zeigt ab dem 8. Februar die Ausstellung "Galerie Boykott" in der Galerie Laterne in der Karl-Liebknecht-Straße 19. Die Vernissage zu der vom Freistaat Sachsen geförderten Schau beginnt 19.30 Uhr.

Ihren Namen verdankt die Exposition einer Stasi-Akte aus den 1980er Jahren. In der wird auf etwa 70Seiten unter der Bezeichnung "Boykott" über das Geschehen in der damals illegalen Karl-Marx-Städter Schüller-Galerie in der Fritz-Reuter-Straße 20 berichtet. Dort hatte der Chemnitzer Künstler Andreas Schüller in seinen Atelierräumen eine Galerie eingerichtet, die jungen und nicht staatskonformen Malern und Grafikern ein Podium bot.

"Die Ausstellungen liefen etwa von Mitte 1987 bis Mitte 1988. Und wie wir später erfuhren, auch unter intensiver Beobachtung durch die Stasi", so Schüller. Der 52-jährige Mitarbeiter der Galerie Laterne lieferte auch den Anstoß zur Ausstellung: "Im Zusammenhang mit 20 Jahren deutsche Einheit wollte ich gern an unsere damalige Aktion erinnern, die für alle Beteiligten sicher nicht ohne Risiko von staatlichen Sanktionierungen lief."

Zu denen, die in Schüllers Atelier ausstellten, gehörten etwa Jan Kummer, Jean Schmiedel, Galerist Bernd Weise oder die Brüder Andreas und Michael Stelzer sowie Jürgen Höritzsch. "Sie alle rannten damals nicht dem sozialistischen Realismus nach, sondern gingen ihren ganz eigenen künstlerischen Weg", erklärte Schüller.

Als Projektleiter kümmerte er sich darum, dass die Werke der damals in seinem Atelier ausstellenden Künstler zu einer Schau zusammengestellt wurden. "Zu den rund 40 Arbeiten, die wir in der Laterne zeigen, kommen dann ab März noch weitere Werke, die jedoch wegen ihrer Größe im Künstlerhaus Nummer 40 in der Schönherrfabrik zu sehen sein werden", so der Projektleiter. Schüller hofft zudem, dass zur Ausstellungseröffnung so viele beteiligte Künstler wie möglich erscheinen. "Manche von ihnen haben heute nichts mehr mit Kunst zu tun, andere wiederum sind dabei geblieben", berichtete Schüller.

Einer von ihnen ist der Chemnitzer Jean Schmiedel. Er erinnert sich an die Zeiten gern zurück: "Es gab damals richtig gute Partys und der Kontakt unter den Künstlern war sehr intensiv. Das ist heute leider längst nicht mehr so." Schmiedel war der erste der Künstler, die in der Schüller-Galerie ausstellten. "Es könnten damals etwa 20 bis 30 Arbeiten von mir gewesen sein, die gezeigt wurden. Und ich war recht überrascht, als dann zur Eröffnung wohl so um die 50 Gäste kamen."

Dass das ganze von der Stasi beobachtet werden würde, sei Schmiedel schon klar gewesen. "Aber dass man deswegen auf einer Liste für Leute landete, die interniert werden sollten, hätte ich nicht gedacht", so Schmiedel. Zu seinem Umfeld gehörten damals auch Künstler, die nicht nur malten, sondern auch musizierten. Darunter Jan Kummer, damals Mitglied einer Gruppe namens "AG Geige", die es zu einer Scheibe beim bekannten DDR-Plattenproduzenten Amiga brachte.

Kummer, in Weimar geboren, zog nach Karl-Marx-Stadt und beschäftigte sich ab 1981 mit Malerei. Zur Ausstellung meinte Kummer: "Ich finde die Sache mit der Galerie Boykott schon deshalb gut, weil gezeigt wird, dass es neben der Künstlergruppe Clara Mosch auch noch ein paar andere Leute gegeben hat, die in Karl-Marx-Stadt aktiv waren." Rückblickend auf die Zeiten der Schüller-Galerie sagte er: "Wir jungen Leute wollten damals einfach ausstellen. Und weil es wenig Gelegenheiten und Orte dafür gab, war die Galerie ein gutes Podium." Er steuerte zur Ausstellung drei seiner Werke aus den 1980er Jahren bei.

Service

Ausstellung: "Galerie Boykott", Zeitraum: 8. Februar bis 7. April 2010, Ort: Galerie Laterne, an der Karl-Liebknecht-Straße 19, Öffnungszeit: Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Vernissage heute um 19.30 Uhr.

Von Uwe Rechtenbach


Erschienen am 11.02.2010




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