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Kultur & Sehenswertes

Die Kunst der "Grünen Kacheln"

Chemnitzer Gruppe stellt Arbeiten im Kulturzentrum Arthur aus - Industriebrachen und ehemals sozialistische Reliefs spielen auch eine Rolle


Ausstellung im Kulturzentrum Arthur

Bemalte Plexiglasscheiben in Leuchtkästen (l.) oder in Öl gemalte Fabriklandschaften (r.) zeigen Ingo Schelter und Carsten Grundmann (v. l.) von den "Grünen Kacheln" im Kulturzentrum Arthur. Chemnitzer Geschichte spielt in ihren Arbeiten oftmals eine Rolle.

Spricht man sie auf Chemnitz an, können sie minutenlang beinahe ohne Punkt und Komma referieren: dass das Karl-Marx-Monument, egal welch politischer Ansicht man ist, zu dieser Stadt gehört; dass es traurig sei, wie viele Gründerzeithäuser hier schon abgerissen wurden; dass die alten, leer stehenden Industriebrachen ihren eigenen Charme versprühen, aber viel zu wenig genutzt würden. Alles Themen, die die Mitglieder der jungen Künstlergruppe "Grüne Kacheln" in ihren Arbeiten ansprechen. Eine kleine Auswahl davon stellen sie ab 18. März im Kulturzentrum Arthur aus.

Da sind zum Beispiel die Bilder von "verrottenden Fabriklandschaften", wie Carsten Grundmann es selbst nennt. 2008 und 2009 hat er diese Bilder in Öl auf Leinwand gemalt, als Vorbild zum Beispiel Brachen an der Uferstraße genommen. "Solche Fabrikbauten gehören zum Erbe dieser Stadt", sagt Grundmann.

"Chemnitz war mal das Manchester Sachsens, dadurch erlebte die Kultur hier ihre Blüte. Schade, dass man diese alten Fabrikhallen heute so selten nutzt." Alte Industriebrachen finden er und seine Mitstreiter so schön, dass im Übrigen davon auch ihr Gruppenname kündet: Mit kleinen grünen Kacheln wurden früher Fassaden von Industriebauten verziert.

Was die "Grünen Kacheln" ab dem 18. März im Arthur auch zeigen, sind mit Acrylfarbe bemalte Plexiglasscheiben, eine Art Hinterglasmalerei, die sie in Kästen eingebaut haben und von innen beleuchten. Abstrakte Malerei sieht man auf den Scheiben, aber auch Gesichter, Szenen aus dem einst sozialistischen Alltag. Zum Vorbild genommen haben sie sich dafür in der DDR geschaffene Reliefs, die teils heute noch an manchen Chemnitzer Häusern zu sehen sind.

"Aber irgendwann werden die auch alle verschwunden sein", glaubt Ingo Schelter, ein weiteres Mitglied der "Grünen Kacheln". Wieder eine ganz andere Art von Kunst sind ihre Metallbilder. Kleine Metallplättchen, die sie aus Abbruchhäusern herausgeholt haben, kleben sie so lange auf eine Leinwand, "bis wir finden, dass es schön aussieht", erklärt Grundmann. Auch eine kleine Auswahl davon zeigen sie im Arthur.

Die "Grünen Kacheln" hatten sich laut Ingo Schelter 2006 zusammengefunden. Und das, obwohl sie sich anfangs gar nicht als Künstler bezeichnen wollten. Carsten Grundmann ist freiberuflicher Dozent in der Erwachsenenbildung für Architektursoftware, Ingo Schelter hatte Sportwissenschaften studiert und will sich jetzt als Berater für betriebliches Gesundheitsmanagement selbstständig machen.

Aber die beiden verband nicht nur eine Freundschaft, sondern auch die Liebe zur Kunst und die Lust am Experimentieren. Thomas Schmelzer gehört auch zur Gruppe und studiert in Dresden Malerei, ebenso zählen Ingo Schelters Frau Claudia und Carsten Grundmanns Freundin Susanne Grund dazu. In einer ehemaligen Fabrik auf dem Sonnenberg befindet sich ihr Atelier.

Ein paar Sammler ihrer Arbeiten gebe es schon, auch auf einige Ausstellungen könnten sie verweisen, zuletzt in einer Galerie in der Schweiz. Die Schau sei durch private Kontakte zu Stande gekommen. "Aber es ist erstaunlich, wie viel die Schweizer über die DDR wissen, und Chemnitz kennen sie auch", sagt Schelter.

In Chemnitz selbst fehle ihnen eine Plattform, "wo sich junge Künstler viel öfter vor Publikum präsentieren können", so Schelter. Daher wollen sie sich mit anderen Gleichgesinnten zusammentun und sich zum Beispiel nach Sponsoren umsehen, die helfen, solche Räume in Chemnitz zu etablieren.

Service

Die Ausstellung wird am 18.03.2010, 19 Uhr im Kulturzentrum Arthur, Hohe Straße 33 eröffnet. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr.

Von Katharina Leuoth


Erschienen am 18.03.2010




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