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Kultur & Sehenswertes

Schaurige Schau in altem Gemäuer

Ausstellung "Folter und Hinrichtung im Mittelalter" lockt ins Museum Schloss Schwarzenberg


Folterinstrumente

Der Pranger gehört zu den ersten mittelalterlichen Folterinstrumenten, die Dieter Fox nachbaute. Seine Frau Dorit gestaltete die Erklärungen der Gegenstände, die jetzt in Schwarzenberg zu sehen sind.

Schwarzenberg. Warum sich Museumsbesucher so gern gruseln, das bleibt ihr Geheimnis. Dass gerade mittelalterliche Folterinstrumente bei den Gästen aber sehr weit oben auf der Beliebtheitsskala stehen, ist in Museumskreisen jedenfalls bekannt. Elf Jahre liegt die letzte Ausstellung dieser Art im Museum Schloss Schwarzenberg zurück, lange genug für eine Neuauflage.

Ab 17. Juli bis zum 19. September setzen sich die Ausstellungsmacher Dorit und Dieter Fox im historischen Gemäuer mit dem Thema Gerichtsbarkeit kritisch auseinander. Mehr als 30 funktionstüchtige Folter- und Hinrichtungsinstrumente, wie Pranger, Schandmaske, Dreibock, Rad und Galgen, werden präsentiert. Schautafeln informieren über die im Mittelalter gängigen Methoden wie das Rädern und Vierteilen, aber auch über die letzte Hinrichtung in Sachsen. Der Besucher kann zudem erfahren, wie und warum es zu Strafanwendungen, zur "peinlichen Befragung" oder zu Hinrichtungen kam.

Im Alltagsleben spielten eher geringere Strafen eine Rolle. So war ein Bäcker nicht gut beraten, wenn er zu kleine Brote verkaufte. Bei Neugierde und Schwatzhaftigkeit gab es das passende Gerät, um das Zusammenleben auf engem Raum in mittelalterlichen Städten erträglich zu halten. Auch wer sich zu oft und zu lange im Wirtshaus aufhielt, musste mit Bestrafung rechnen.

Dieter Fox baut seit etwa fünf Jahren solche Marterinstrumente nach. Sein Interesse entstand beim Besuch der Filmstudios in Babelsberg. An den dortigen Geräten hatte er viel auszusetzen, und so kam es zur Idee, es selbst besser zu machen. Ob ihm das gelungen ist, können die Besucher entscheiden.

Da in der alten Burg auf dem Felssporn hoch überm Schwarzwasser tatsächlich ein Gefängnis existierte und auch eine Marterkammer nachgewiesen werden konnte, gibt es eine historische Parallele von der Sonderschau zur ständigen Präsentation im Bergfried, wo neben dem Scharfrichterschwert Dokumente zur letzten Hinrichtung in Schwarzenberg zu sehen sein werden.

Für die Schulen der Umgebung wurde für den Beginn des neuen Schuljahres ein museumspädagogisches Programm erarbeitet, das besonders auf die stadtgeschichtlichen Aspekte eingeht. Am 24. Juli wird Lutz Mahnke, der Direktor der Ratsschulbibliothek Zwickau, in der Schlossstube ab 16 Uhr einen Vortrag unter dem Titel "Gehängt, gerädert, verbrannt" halten. Darüber hinaus bietet das Museumsteam um Marlies Steinau am 5. September Interessierten in einer Sonntagsführung ab 15 Uhr weitergehende Informationen über dieses traurige Kapitel städtischen Lebens an.

Dorit und Dieter Fox stehen am letzten Tag dieser Exposition ab 15 Uhr für Fragen zur Verfügung und geben allen Neugierigen gern Auskünfte zu den einzelnen Geräten, deren Anwendung und zu historischen Hintergründen. (mid/stl)

Service

Die Exposition "Folter und Hinrichtung im Mittelalter" hat im Schloss Schwarzenberg dienstags bis sonntags, jeweils 10 bis 17 Uhr, geöffnet. Museum und Aussteller hoffen auf reges Interesse, insbesondere auch bei jugendlichem Publikum.


Erschienen am 22.07.2010




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