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Kunst auf dem Frühstücksbrett

Jury wählt 56 Künstler für Festival "Begehungen" aus


Werk von Künstler Steffen Cyrus

Der Künstler Steffen Cyrus isst gern Toast, nutzt ihn aber auch, um darauf abstrakte Kunst mit Brotaufstrichen zu zeigen. Er will die Hemmschwelle gegenüber Kunst abbauen und Toasts in Chemnitz servieren.

Chemnitz. Es wird Toast geben zum Kulturfestival "Begehungen", quietschbunt, mit Formen und Mustern darauf. Diese Bilder hat der Künstler Steffen Cyrus mit Marmeladen, Honig, Wurst, Obst- und Gemüsestücken auf seinen Frühstücksbroten arrangiert, dann hat er sie fotografiert und aufgegessen.

Diese fotografierten Brotscheiben wird er zum Kulturfestival zeigen und neue Toasts arrangieren, die die Besucher essen dürfen. Er will die Hemmschwelle vor abstrakter Kunst abbauen und ist damit einer von 56 Künstlern, die eine Jury aus 222 Bewerbern für die Teilnahme an den "Begehungen" ausgewählt hat.

Das Kulturfestival fand 2003 erstmals statt und entwickelte sich zur Plattform für Nachwuchskünstler, die ihre Kunst in leer stehenden Häusern am Brühl präsentieren konnten. Im vergangenen Jahr aber fielen die "Begehungen" aus - es fehlten Geld und Leute für die Organisation.

In diesem Jahr geht es mit dem neu gegründeten Verein "Begehungen" weiter. Geplant ist das Festival vom 19. bis 22. August in der leer stehenden Karl-Liebknecht-Schule an der Mühlenstraße. Finanziert wird es mit 4000 Euro von der Kulturstiftung Sachsen, mit 6500 Euro von der Stadt und mit Sponsorengeld.

Da man internationaler werden wollte, habe man bei der Ausschreibung vor allem das Internet genutzt und dort in Englisch um Künstler geworben, erklärt Marcel Hartwig vom Verein "Begehungen". Auf internationalen Kunstforen habe man das Festival vorgestellt, ebenso in Internet-Diensten wie Facebook und Myspace.

"Bei Myspace, wo sich viele Leute austauschen, haben wir uns mit einer eigenen Webseite vorgestellt. Dort kriegen das relativ schnell viele Leute mit." Letztlich seien 222 Bewerbungen aus aller Welt eingegangen, darunter aus Europa, Australien und den USA.

Die Jury - besetzt mit dem Chemnitzer Künstler Jan Kummer, dem Chef des Museums Gunzenhauser Thomas Bauer-Friedrich und der Mitorganisatorin Manty Graf - wählte nun die Künstler aus. Die Kunstformen seien nicht begrenzt, von Malerei über Fotografien, Skulpturen und Installationen sei alles dabei. Bedingung war nur, dass sich die Künstler mit dem Thema "100 g Durchschnitt, bitte!" befassen. "Es geht darum, wie in der heutigen Welt mit Normen und Werten noch Individualität möglich ist", erklärt Hartwig.

Die ausgewählten Künstler kommen unter anderem aus Chemnitz, Leipzig, Dresden, München und Hamburg, ebenso aus Dänemark und den USA. Zudem werden ungarische Künstler als Gäste für einige Tage in Chemnitz arbeiten und ihre Kunst vorstellen. Auch wenn man den Austausch unter den Künstlern anstrebe, wer einen Anfahrts- oder Flugweg von tausenden Kilometern habe, dürfe sich auch vertreten lassen.

Steffen Cyrus hat es nicht soweit, er wohnt in Berlin und Thüringen. Cyrus hat an der Weimarer Bauhaus-Universität Kunst studiert und ist freischaffend tätig. Abstrakte Malerei - mit Farbe auf Leinwand - wird er neben seinen Toast-Fotografien auch zeigen. Und indem er in Chemnitz neue Toasts kreiert, will er Besuchern zeigen, dass es vom Frühstücksbrot zur abstrakten Kunst so weit nicht ist. Ein Stück Gurke sei dann eben ein grüner Kreis. Die Leute sollen locker an die Kunst herangeführt werden, er will ihnen Appetit darauf machen, im wahrsten Sinn des Wortes.

Service

Eröffnung: 19. August, 18 Uhr, Karl-Liebknecht-Schule, Mühlenstraße 94.

Von Katharina Leuoth


Erschienen am 15.07.2010