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Borstendorfer möbelt sogar Napoleon-Bett wieder auf
Zu Besuch in der Werkstatt von Peter Wojtkowiak
Borstendorf. Von außen ist kaum zu ahnen, dass das pittoreske Häuschen an einer Borstendorfer Gasse die Werkstatt des Restaurators beherbergt. Das ältere Fachwerkhaus von Peter Wojtkowiak ist mit dunklem Holz verkleidet, die Front zieren sorgsam gestutzte Ranken von Weinstöcken. Und wie es im Inneren aussieht, so stellt sich wohl keiner eine Holzwerkstatt vor: Auslegeware auf dem Fußboden, selbst der große Arbeitstisch ist damit bezogen. Ebenso liegt der sonst typische Leimgeruch nicht in der Luft. An der Wand hängen, sortiert nach Größe, ungewöhnliche Sägen und Feilen, die ein Laie nicht kennt. Alles wirkt sauber, übersichtlich, aufgeräumt, Holzstaub ist nicht zu entdecken.
Selbst die Arbeitsgegenstände schmücken den Raum noch: Ein ehrwürdiger Stuhl mit geflochtenem Korbeinsatz und eine barocke Eck-Kommode. Aber die Werkstatt eines Restaurators ist eben oft eine Schatzkammer. Und mit Schätzen geht man behutsam um, damit sie keine Kratzer bekommen. Deshalb die Auslegeware auf dem Tisch.
Selbst ein prächtiges, vergoldetes Bett, in dem Napoleon genächtigt haben soll, befand sich schon in dem Raum - es stehe heute nach der sorgfältigen Restauration des Borstendorfers wieder im Gothaer Schloss. Auch der 80 Zentimeter hohe geschnitzte Engel mit der Geige, der den Gastraum im Auer Hotel zum "Blauen Engel" schmückt, erblickte in dieser Werkstatt das Licht der Welt. Auf dem Tisch lag ebenso das 2,50 lange und 1,60 Meter hohe Relief einer Alpenlandschaft, die der Gast einer Schweizer Luxusherberge nun mehr nicht nur beim Blick aus dem Fenster, sondern auch im Restaurant sieht. Quasi fast über Nacht vor einem Weihnachtsfest entstand hier nach einem Foto eine Skulptur des Joseph neu, die aus der Krippe der Augustusburger Kirche entwendet worden war. Bei diesen Arbeiten kommt Peter Wojtkowiak zugute, dass er im Schnitzzirkel von Horst Schreiter über Jahre das Schnitzen gelernt und vervollkommnet hat. Holzbildhauer wollte er eigentlich werden. "An den Berufswunsch Restaurator habe ich nie einen Gedanken verschwendet, dort bin ich einfach nur gelandet", sagt der Handwerksmeister.
Heute kann er sich nichts Spannenderes vorstellen - die Herausforderung könnte für ihn nicht größer und nicht schöner sein. Denn es sind ganz unterschiedliche Handschriften, die er beim Restaurieren kopieren muss, ebenso verschiedene Baustile, Techniken und Voraussetzungen. "Ehe die Hände anfangen, hat der Kopf zu tun. Mit den Augen gilt es zu erspüren, was der jeweilige Künstler beabsichtigte, wie er gearbeitet hat", schildert der Borstendorfer Restaurator sein Herangehen. "Es darf nichts verfälscht werden", fügt er als Credo hinzu. Deshalb stellt er alte Handhobel her, arbeitet damit. "Weil ein Handhobel andere Spuren im Holz hinterlässt als eine Maschine", begründet er. So hat er zwei Jahrzehnte für viele Schlösser, Burgen, Kirchen und für Privatpersonen an Kunstwerken, Möbeln, an der Decke und auf dem Fußboden gewirkt - nicht, um Neues zu schaffen, sondern Altes zu bewahren.
Derzeit vollbringt er im Venussaal der Augustusburg ein Kunststück, was im Leben wohl keiner so gerne mag: Schnell zu altern. Eine Fläche Holzdielen von 200 Quadratmetern lässt er richtig alt aussehen. Ein aufwändiges Verfahren, das sein Geheimnis bleiben soll.
Marmor aus Holz hat er gar für einen Epitaph in der Lauensteiner Kirche imitiert. Wenn dann selbst Denkmalschützer mal nach solch einer Restauration auf den ersten Blick die Kopie vom Original nicht sofort unterscheiden können, dann ist Peter Wojtkowiak mit seiner Arbeit zufrieden.
Von Gudrun Müller
Erschienen am 06.06.2011
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