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Wintersport

"Helme bei der Abfahrt müssen sein"

Meinungen an den Skihängen der Region gehen auseinander - Venusberger: Bei Helmpflicht gehe ich schwimmen


Felix Mayerhofer und Lukas Pfoh finden: "Helme bei der Skiabfahrt müssen sein."

Zschopau. Die Jüngsten sind die Vorreiter: Wer an einer Skischule vorbeifährt, sieht dort behelmte Zwerge sich mutig ins Getümmel stürzen, und auch auf den Pisten sind sie solcherart unterwegs. Wer dann zu den Eltern schaut, bemerkt nicht selten auch dort Hochmodernes auf dem Schädel - in Form teurer Designerbrillen und schicker textiler Kopfbedeckung. Auf der Zschopauer Skipiste sind sich unterdessen Felix Mayerhofer (12) und Lukas Pfoh (11) einig. Beide gehören zwar dem örtlichen Skiverein Nordisch/Alpine an, aber für sie gilt "Helm auf" auch, wenn sie privat einen Hang hinunterdüsen: "Das könnte ruhig vorgeschrieben werden, denn die Verletzungsgefahr bei einem Sturz ist manchmal groß."

Doch es gibt auch gegenteilige Ansichten, etwa die von Thomas Dörfler (55) aus Zschopau: "Ich setze keinen Helm auf." Von einer Vorschrift hält er nichts. Für Kinder bis zwölf Jahre sei über eine solche aber schon nachzudenken, räumt er ein. "Ich hole mir demnächst einen Helm", hat dagegen Karla Biener (37) aus Großolbersdorf beschlossen. Am Zschopauer Skiareal würde sie ihn aber wohl kaum aufsetzen. "Hier geht es doch gesittet zu", meint sie. Im Österreich-Urlaub dagegen habe man es oft mit Rasern oder Alkoholisierten zu tun. Außerdem würde sie beim Skiabfahren auch einen Rückenprotektor - vor allem für die Kinder - für sinnvoll halten. "Ich frage mich, ob es die Abfahrtshelm-Diskussion auch gegeben hätte, wenn ich beim Skifahren verunglückt wäre", meint dagegen Peter Hoyer (49) aus Großolbersdorf. Man könne schließlich nicht jedes Mal, wenn ein Unfall geschehe, die Gesetze ändern. "Ein Fehler wäre eine solche Pflicht aber nicht", hält Ehefrau Ina (38) dagegen. Für Kinder gebe es die ja meist schon - von deren Eltern erlassen.

"Wenn die Helmpflicht für den Hang kommt, dann gehe ich schwimmen", schüttelt Roland Musch (52) aus Venusberg den Kopf. Ob er nicht um seine ebenfalls skifahrende Frau Birgit (52) Angst hat? "Die rast nicht", sagt er. Außerdem könne jeder selbst entscheiden. "Als Snowboardfahrer setze ich auf jeden Fall einen Helm auf", fügt schließlich noch sein Sohn Sebastian hinzu. "40 Jahre lang habe ich keinen Helm getragen - aber jetzt suche ich mir einen aus, doch der muss schick aussehen, und man darf nicht so darunter schwitzen", findet sich schließlich doch noch ein echter Helm-Befürworter unter den Erwachsenen, Ullrich Lange (52) aus Venusberg.

"Ich denke, ich muss gerade jetzt, wenn meine Kinder das Skilaufen erlernen, Vorbild sein", stellt Claudia Morgenstern am so genannten Reicheltberg in Seiffen fest. Es gehe natürlich besonders um deren Sicherheit. "Außerdem fahren wir regelmäßig zum Skilaufen nach Österreich, und da gibt es für uns nichts anderes als den Helm, den ich schon einige Jahre trage." Der 46-jährige Jörg Lohse kommt mit seinem Sohn Paul extra von Dresden nach Seiffen. "Seit drei Jahren tragen mein Sohn und ich den Helm. Ganz abgesehen von Stürzen oder einem Zusammenprall mit einem anderen Skifahrer kann ich mich schon durch einfaches Hinfallen verletzen. Außerdem wärmt er den Kopf. Ich würde die Helmpflicht in Deutschland befürworten."

Der 68-jährige Hans Martin, an der Olbernhauer Frankwarte unterwegs, setzt auf seine Erfahrung: "Ich fahre schon viele Jahre auf diesem Hang und auch in anderen Skigebieten und zwar ohne Helm. Ich bin sehr verhalten unterwegs und habe auch noch nicht über Gefahren nachgedacht. Bis jetzt ist ja alles gut gegangen."

Von Ralph Hergödt und Karlheinz Schlegel


Erschienen am 15.01.2009