Die Köhlerei war einst wichtige Säule des Bergbaus im Erzgebirge. Im Köhlerdorf Sosa wird dieses alte Handwerk, welches seit 2014 zum immateriellen Weltkulturerbe gehört, noch erhalten. Die Köhlerei war einst wichtige Säule des Bergbaus im Erzgebirge. Im Köhlerdorf Sosa wird dieses alte Handwerk, welches seit 2014 zum immateriellen Weltkulturerbe gehört, noch erhalten.

Foto: Tourismusverband Erzgebirge/studio2media

In historischem Meiler entsteht Holzkohle

Ein historischer Meiler wird bis 1. Mai 2017 an der Köhlerhütte Fürstenbrunn in Waschleithe, dem Schauplatz des "Sächsischen Prinzenraubes", aufgebaut. Eine Woche lang raucht dieser langsam vor sich hin, bevor die "Fürstenbrunner Holzkohle" geerntet wird. Am 1. Mai wird er ab 9 Uhr aufgebrochen. An diesem Tag können Gäste von 11 bis 15 Uhr einen Köhler-Brunch genießen.

Die Köhlerei ist einst wichtige Säule des Bergbaus im Erzgebirge gewesen. Das Handwerk stirbt aus. Vereine machen sich deshalb für das immaterielle Weltkultur-Erbe stark. Vor allem im Köhlerdorf Sosa, wo eine Wiege dieses harten Broterwerbs steht. Dort wird vom 29. September bis 1. Oktober das 20-jährige Bestehen des Europäischen Köhlervereins gefeiert.

Zwei Drittel Laub, ein Drittel Weichholz: Das ist die Mischung, aus der Silvio Gläser Holzkohle macht. Er ist Köhler. Im beschaulichen Sosa rauchen die Meiler des Familienbetriebs seit 1937. Gläser weiß, dass er und sein Bruder vermutlich die letzten seiner Familie sind, die dieses Handwerk ausführen. Sie pflegen das Erbe, das ihnen einst der Großvater hinterließ. "Wir haben beide Töchter. Und für eine Frau ist diese Arbeit nicht gemacht", sagt Silvio Gläser. Rußverschmiert sind seine Arme, Hände und sein Oberkörper. Auf dem Gelände riecht es nach verkohltem Holz. Ein tiefer Atemzug reicht, um diesen "Duft" der alten Zunft, die aus den Verarbeitungsprozessen im Bergbau nicht wegzudenken war, für Stunden bei sich zu tragen. Die Meiler rauchten, um Holzkohle für die Zinn- und Eisenhütten zu produzieren.

Die dritte Generation - seit dem Jahr 2000 leitet Silvio Gläser die Köhlerei - hat es einfacher als Opa und Vater.' "Bis 1968 wurden Erdmeiler gebaut." Viel aufwändiger ist diese Technik als der Schwelprozess von heute: In großen Stahlretorten gedeiht das "schwarze Gold", das Bratwürste auf dem Grill so schmackhaft macht. Einst dauerte es im Erdmeiler eine Woche, ehe die Holzkohle erntereif war. Heute ist es ein Tag. Silvio Gläser baut Brandherde, auf die der riesige Kessel gesetzt wird. Von oben füllt er auf, wartet 24 Stunden, lässt das Ganze abkühlen und zieht die Stahlriesen nach oben, um die herausfallende Holzkohle in Säcke abzupacken.

Sachsenweit vertreiben die Gläsers pro Jahr 300 Tonnen Holzkohle, bis Dresden und Leipzig. Es ist ein hartes Brot und kein Lehrberuf. "Wir sind hineingewachsen." Wenn ihnen das kein Schwiegersohn gleichtut, endet auch die Ära dieser Köhlerei. Das Handwerk indes soll nie in Vergessenheit geraten, es ist immaterielles Welt-Kulturerbe, weil es große Bedeutung für die montane Kulturlandschaft Erzgebirge hat - und Sosa ist zertifiziertes "Köhlerdorf". Die ehemalige Köhlerei Margraf im Ort wird zur Schaulandschaft. Der Köhlerverein
Erzgebirge unterm Dach des Europäischen Köhlervereins bemüht sich um das Kleinod, das die vielen Facetten des Handwerks bewahrt. Auch das ist ein Kraftakt, denn die meiste Arbeit ruht auf ehrenamtlich aktiven Schultern. Es gibt einen Köhlerlehrpfad, jährlich ein Köhlerfest und auch andernorts Heimatfreunde, die das Erbe der Alten und die Erinnerung an deren karges Leben bewahren. Seit 700 Jahren wird in Sosa Holzkohle hergestellt. Wie lange noch, ist ungewiss. Deshalb scheint es umso wichtiger, das Handwerk für die Nachwelt zu konservieren. Und das geschieht in dem kleinen Dorf parallel zur Arbeit der letzten ortsan-sässigen und produzierenden Köhlerei.

Sowohl der Europäische Köhlerverein als auch der Köhlerverein Erzgebirge haben ihren Sitz in Sosa. Im Köhlerdorf läuft derzeit der Aufbau einer historischen Schauköhlerei an der Talsperre. Der oberste Grundsatz ist, das vom Aussterben bedrohte und als immaterielles Kulturerbe geltende Handwerk nachfolgenden Generationen zu erhalten. Auch Schauköhlerei in Form des Aufbaus von Erdmeilern - etwa an der Köhlerhütte Fürstenbrunn in Waschleithe als Schauplatz des Sächsischen Prinzenraubs - unterstützen die Mitglieder.

 
erschienen am 04.04.2017
 
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