Michael Weidendorfer fährt Gäste aus Leipzig in seinem Schlitten spazieren. Das Gefährt kann er auch zur Kutsche umfunktionieren.

Foto: Jan Görner

Bei jedem Wetter kaiserliches Flair rund ums Spielzeugdorf Seiffen

Schlitten oder Kutsche? Die Frage stellt sich f√ľr Michael Weidensdorfer nicht. Wenn der Muldaer jetzt im Winter anspannen l√§sst, dann ziehen die Pferde prinzipiell einen Mix aus beidem. Seine beiden Pferdeschlitten sind mit Kufen und R√§dern gleichzeitig ausgestattet. Eine hydraulische Vorrichtung f√§hrt die R√§der aus und ein. Dazu bet√§tigt der Inhaber des Seiffener Waldgasthofes Bad Einsiedel lediglich einen Hebel.

Der Pumpvorgang dauert maximal eine Minute. "Ich kann das auch bei Volllast umstellen, ohne dass jemand vom Schlitten absteigen muss", sagt Weidensdorfer. Die Idee daf√ľr sei nicht neu, berichtet er. Einen solchen Schlitten habe er schon vor mehreren Jahren in √Ėsterreich gesehen.

Michael Weidensdorfer ließ sich die hydraulische Vorrichtung in einer polnischen Spezialfirma anfertigen. "Die ungewissen Wetterlagen im Winter ließen mir keine Wahl", erläutert er. Kremser- und Schlittenfahrten zählen zu den Steckenpferden des Unternehmers. Bis zu sieben Touren organisiert er täglich. Hunderte Fahrgäste chauffiert er in Pferdeschlitten, Kremsern, Planwagen und in der Postkutsche durch die Region rund um Seiffen. Bis zu 60 Personen bringt er auf einmal unter. Das entspricht etwa einem Reisenbus.

Die Touren dauern von einer Stunde bis zu einem ganzen Tag und f√ľhren bis zur Talsperre Fl√°je in der Tschechischen Republik. Dabei werden die Schlitten und Wagen nicht von irgendwem gezogen. Michael Weidensdorfer spannt nur so genannte Altkladruber ein. "Das ist die einzige Pferderasse, die ins Weltkulturerbe aufgenommen worden ist", erkl√§rt der Hotelier. Sie z√§hle zu den √§ltesten Rassen in ganz Europa. "Einige Zuchtunterlagen reichen bis zu 450 Jahren zur√ľck", so der Muldaer. Weltweit gebe es nur noch etwa 750Tiere.

Er selbst besitzt sieben Altkladruber-Zuchtstuten, einen Wallach und den nach seinen Worten einzigen zur Zucht zugelassenen Hengst Ostdeutschlands. Vier Tiere sind st√§ndig in Bad Einsiedel einsatzbereit. Die √ľbrigen Pferde leben auf seinem Bergbauernhof in Mulda und k√∂nnen bei Bedarf artgerecht nach Seiffen gebracht werden.

"Die Rasse ist f√ľr ihre Ruhe und Ausgeglichenheit bekannt", erkl√§rt Michael Weidensdorfer. Das habe bereits das √∂sterreichische Kaiserhaus gesch√§tzt und sich deshalb ausschlie√ülich auf Altkladruber verlassen, wie der 57-J√§hrige zu berichten wei√ü. Seine Tiere stammen vom Tschechischen Nationalgest√ľt in Kladhuby, rund 70 Kilometer s√ľdlich von Prag.

Der Umgang mit Pferden liegt Michael Weidensdorfer √ľbrigens im Blut. Sein Gro√üvater hatte einen Bauernhof. Dort ist der Muldaer aufgewachsen. Au√üerdem ist er zertifizierter Fahrtrainer der Klasse C. Derzeit fehlt dem Inhaber des Waldgasthofes Bad Einsiedel jedoch die Zeit dazu, selbst auch Fahrer auszubilden.

 
erschienen am 13.01.2016 ( Von Jan Görner )
 
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