Bettina Preußler und Ronald Schubert haben am Freitag die Eisfläche in Seiffen für das Eisstockschießen getestet. Ab Samstag ist dort auch wieder Schlittschuhlaufen möglich. In den vergangenen milden Wochen war die Eisfläche nicht zugänglich. Bettina Preußler und Ronald Schubert haben am Freitag die Eisfläche in Seiffen für das Eisstockschießen getestet. Ab Samstag ist dort auch wieder Schlittschuhlaufen möglich. In den vergangenen milden Wochen war die Eisfläche nicht zugänglich.

Foto: Jan Görner

Marienberg: Wintersportler nehmen erneut Anlauf

Der Schneefall der vergangenen Tage setzt den Menschen, die vom Tourismus und Wintersport leben, zwar ein Lächeln aufs Gesicht. Aus touristischer Sicht bleibt ein Winter mit viel Schnee für das Erzgebirge die Hauptzeit. Die ersten weißen Flocken seit Donnerstag machen jenen, die vergangenen vier Wochen auf eine harte Probe gestellt wurden, Hoffnung.

Die Skiliftbetreiber: Nicht begeistert, aber auch nicht verzweifelt ist Benno Münzner, Vorsitzender des Lengefelder Schivereins angesichts des bisherigen Winters. 14 Tage am Stück war der Lift in Vorwerk von Anfang bis Mitte Dezember in Betrieb - laut Münzner gerade genug, um wenigstens die fixen Kosten des Betriebs zu decken. Im Durchschnitt verzeichnet der Verein pro Winter 30 bis 40 Lifttage. "Doch wir hatten schon Winter, die waren eine komplette Null, und auch welche mit nur zwei Skiwochenenden", erinnert sich Münzner. Dennoch: "Der Winter ist noch nicht vorbei. Wir hoffen besonders auf den Februar." Die jüngsten Schneefälle reichten nicht, um den Lift wieder zu starten.

Auch der Heidersdorfer Skiverein ist noch nicht über den Berg. "Wir haben laufende Kosten von rund 1000 Euro. Tüv, Strom, Versicherung, Kraftstoff. 14 Lifttage haben das noch nicht eingespielt", so der Vereinsvorsitzende Heiko Dzierzanowski. "Aber wir stehen Gewehr bei Fuß, den Pistenbully zu starten, brauchen aber mindestens 25 bis 30 Zentimeter Neuschnee, um die Piste zu präparieren."

Die Hotels: Stornierungen, weil der Schnee fehlte, musste Bernd Neumann, Inhaber der Schwarzbeerschänke in Pobershau, zwar keine entgegen nehmen. "Doch die Anfragen gehen zurück." Deshalb setzt er auf die Winterferien. "Unser Glück ist, dass auch in den Hochgebirgen wenig Schnee liegt." Statt Skilanglauf würden seine Gäste auf Wandern und Wellness setzen. Für Bernd Neumann hat das aber einen Haken: "Durch den Schneebruch liegen im Schwarzwassertal 60 bis 70 Bäume auf den Wegen. Einige Gäste wollten deswegen ihre Kurtaxe nicht zahlen." Seit Anfang des Monats verzeichnet Tamara Bergelt in der Satzunger Hirtsteinbaude in der Gaststätte einen spürbaren Rückgang an Besuchern. Im Januar 2012 habe Schnee gelegen, damals war die Resonanz größer. Übernachtungsgäste spielen derzeit keine große Rolle, für die Ferien seien die fünf Doppelzimmer gut belegt.

Doch längst nicht alle Hotels spüren den Rückgang. Das Bergschlösschen in Pockau ist vom Wintersport kaum abhängig, sagt Volker Börner. "Unsere Gäste suchen die Ruhe. Sie fahren zum Beispiel jetzt nach Seiffen, weil es nicht so überlaufen ist." Dass der Schnee sich in Grenzen hält, freut gerade die älteren Gäste von Volker Börner. "Weil die Straßen frei sind und sie nicht durch den Schnee stapfen müssen."

Das Freizeit- und Erlebnisbad: Im Marienberger "Aqua Marien" haben in den vergangenen schneelosen Tagen vermehrt Urlauber Zeit verbracht, sagt Badleiter Rico Rother: "Wir hatten zum Beispiel eine Familie mit Kindern aus Brandenburg hier, die eigentlich Ski fahren wollte. Mittlerweile war sie zum dritten Mal im Bad. Sie macht das Beste aus der Situation und sozusagen Mittelmeerurlaub." Die vergangenen trüben, schneelosen Tage habe Badewetter geherrscht: "Wir sind zufrieden mit der Resonanz." Rother gesteht aber: "Selbst wir, die wir von diesem Wetter profitiert haben, sehnen uns nach Sonnenschein."

Die Museen: Einen normalen Besucherstrom hat nach Weihnachten der Leiter des Seiffener Spielzeugmuseums, Konrad Auerbach, registriert. "Wenn es regnet, bleiben die Besucher aber länger im Museum", stellt er fest. "Es ist sehr ruhig", stellt dagegen die Zöblitzer Museumsleiterin Sigrun Gebhardt fest. Sie kann sich vorstellen, dass mancher, der zum Skifahren ins Erzgebirge kommen wollte, seinen Urlaub erst gar nicht angetreten hat: "Ich hoffe, dass es in den Ferien besser wird."

Der Tourismusverband: Stornierungen verzeichnet auch der Tourismusverband Erzgebirge (TVE) nicht. "Im Gegenteil, täglich erreichen uns neue Anfragen", sagt Doreen Burgold vom TVE. Sie räumt ein, dass der Tagestourismus durchaus Einschnitte verzeichne. Jedoch sei das Buchungsverhalten stark vom Wetter abhängig. "Wenn es schneit, bekommen die Leute Lust, Ski zu fahren", so Doreen Burgold. Sie bleibt optimistisch: "Der Winter ist noch nicht verloren. Mindestens sechs Wochen haben wir noch."

 
erschienen am 11.01.2013 (Von unseren Redakteuren)
 
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