Geschirrst√ľcke aus der fr√ľhen Phase des Freiberger Porzellans lassen sich heute nur noch selten finden .

Foto: Tom Wunderlich

Museum sucht Tassen und Teller aus der Zeit vor 1932

Freiberg. F√ľr viele Menschen aus der Region sind die Erzeugnisse der Freiberger Porzellanfabrik nicht nur Gebrauchs- oder Dekorationsmaterial, sondern auch mit der Stadt und der eigenen Geschichte verkn√ľpft. Unz√§hlige Menschen in der Region arbeiteten selbst in der Fabrik.

Eine von ihnen ist Ilka Stern, die Pressesprecherin und stellvertretende Direktorin des Bergbaumuseums. Sie selbst half vor der Wende während ihrer Schulferien in der Fabrik aus und hat mittlerweile selbst einige Geschirrteile aus Freiberg in ihren Schränken stehen.

Dem Freiberger Porzellan und seiner Geschichte will Stern nun im Bergbaumuseum die Jahresausstellung 2016 widmen, mit der jedes Jahr ein neuer Schwerpunkt der regionalen Geschichte beleuchtet wird. "Das Freiberger Porzellan war immer sehr hochwertig, auch im Design. Ich denke, da hat es etwas sehr Gutes gegeben", sagt sie. Den Beweis daf√ľr will sie mit der neuen Ausstellung erbringen. An der Aufarbeitung und Zusammenstellung ist neben dem Bergbaumuseum auch der Freundeskreis "S√§chsisches Porzellan" beteiligt, eine Gruppe von Porzellansammlern, die ihr Wissen und Exponate beisteuern wollen.

Ziel ist es, die gesamte Geschichte des Freiberger Porzellans abzubilden. Sie begann im Jahr 1906 mit der Gr√ľndung der Freiberger Porzellanfabrik als Nebenstelle der th√ľringischen Kahla Aktiengesellschaft. Die erste Fabrik befand sich damals an der Frauensteiner Stra√üe, im Geb√§ude des heutigen Landratsamtes. Vorerst konzentrierte sich die Produktion einzig auf die Herstellung von Elektro-Porzellan, also technischen Teilchen wie Isolatoren und Schaltern. Doch schon wenige Jahre sp√§ter wurde das Repertoire um Geschirr erweitert, wobei Freiberg nicht nur die Linie des Stammhauses Kahla fortf√ľhrte, sondern auch eigene Designs kreierte, so Ilka Stern. Aus dieser Zeit seien aber nur noch wenige Informationen und Produkte erhalten.

"Was nach 1945 entstand, ist gut dokumentiert, doch vieles von dem, was vor der Stilllegung entstanden ist, ist uns heute unklar", so Stern. Sie vermutet, dass sich auch heute noch viele der √§lteren St√ľcke in Freiberger Haushalten finden lassen. Vor allem, da viele Freiberger selbst in der Fabrik besch√§ftigt wurden - allein 1914 seien es um die 400 Mitarbeiter gewesen.

Oft sei den heutigen Besitzern nicht bewusst, dass es sich bei ihrem Geschirr - oft fragile und d√ľnnwandige Kreationen - um Freiberger Porzellan handelt. Ein Anhaltspunkt ist das Siegel auf dem Boden der Geschirrteile. In der Zeit bis 1932 waren Geschirrteile in verschiedenen Kombinationen mit drei angedeuteten Bergen oft mit den Schriftz√ľgen "Freiberg" und "Made in Germany" versehen.

Im Fr√ľhjahr 1996, vor 20 Jahren, hat im Bergbaumuseum schon einmal eine √§hnliche Ausstellung stattgefunden. Damals wurde die Pr√§sentation durch Leihgaben aus der Bev√∂lkerung bereichert. Wie Ilka Stern sagt, k√∂nne man jedoch nicht einfach auf die Porzellan-Besitzer von damals zur√ľckgreifen, da es sich damals oft um √§ltere Menschen gehandelt habe. Die Ausstellung l√§ge mittlerweile 20 Jahre zur√ľck.

Deshalb sind nun die Leser erneut gefragt. Das Museum sucht n√§mlich nicht nur Geschirrst√ľcke aus der Zeit vor 1932, sondern auch Wissenswertes und Geschichten, die sich darum ranken. Schon ein Kaufdatum des jeweiligen St√ľckes w√ľrde Licht ins Dunkel bringen. Oder hat jemand vielleicht sogar selbst in der Fabrik gearbeitet oder kennt jemanden, der dies tat?

Die Identifikation der gesuchten St√ľcke ist einfach. Nicht nur am Bodensiegel l√§sst sich Freiberger Porzellan erkennen. Nein, die Tassen, Teller und Kannen verf√ľgen auch √ľber ein unverwechselbares Design und sind in einigen Haushalten in der Region zu finden. Vor allem die Serie "Poesie" aus den fr√ľhen 80er- Jahren mit ihren gewundenen Formen erfreut sich gro√üer Beliebtheit.

Wer St√ľcke und Geschichten zur Ausstellung beitragen m√∂chte, kann sich in der Redaktion der "Freien Presse" unter Telefon 03731 37614141 oder E-Mail red.freiberg@freiepresse.de melden. Oder auch direkt bei Ilka Stern vom Bergbaumuseum unter der Nummer 03731 202515 oder per Mail ilka_stern@freiberg.de.

 
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Museum sucht Tassen und Teller aus der Zeit vor 1932
Geschichte der Porzellanfabrik
 
erschienen am 12.01.2016 ( Von Sarah Hofmann )
 
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