Eine nicht alltägliche Möglichkeit zum Genießen der Natur bieten die beiden Wolkenguckersofas.

Foto: Bernd März

Naturschutzzentrum bietet spannende Entdeckungstour im Sauwald

Dörfel. Die ersten Besucher des neuen Lehrpfades am Naturschutzzentrum Erzgebirge waren noch bei strahlendem Sonnenschein unterwegs. Denn mit dem neu gestalteten Weg hat das Team des Hauses in diesen Tagen seine Geburtstagsgäste überrascht - aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Naturschutzzentrums. Schon bisher sommers wie winters einen Besuch wert, lassen sich nun auch auf dem dreisprachig ausgeschilderten Weg das ganze Jahr über spannende Entdeckungen machen. War der Pfad bislang im Winter abgebaut worden, bleibt er in diesem Jahr erstmals begehbar.

Behilflich bei der Entdeckungstour sind vor allem den kleineren Entdeckern Gunter Grasfrosch, Anna Arnika, Mops Fledermaus, Heidi Hummel und Harry Hase. Allesamt Maskottchen des neuen Lehrpfades - kindgerecht illustriert von Werbegestalter Roberto Matthes. Beispielsweise erfahren sie bei Harry Hase, wie die Sache mit dem hundertjährigen Schlaf wirklich war. Denn an dem ist nicht etwa die 13. Fee mit ihrem Todesfluch und ihrer Spindel schuld, sondern ein eher unscheinbares Tier.

Überhaupt gibt es auf und neben dem Lehrpfad viel vermeintlich Unscheinbares, dessen Geheimnis sich erst bei genauerem Hinsehen, Hinhören oder auch Fühlen offenbart. Auf der Taststrecke gleich zu Beginn des Pfades beispielsweise bieten Sand, Holz, Moos, Kies, Zapfen und andere Materialien ganz unterschiedliche Gefühlserlebnisse - vor allem für die Füße. Auf den geschwungenen hölzernen Wolkenguckersofas lässt sich Mutter Natur einmal aus ganz anderer Perspektive genießen.

Auf den angrenzenden Streuobstwiesen mit ihren insgesamt etwa 460 Bäumen erfahren die Besucherinnen und Besucher unter anderem, welche Obstsorten früher in den heimischen Gärten gewachsen sind. Auch wenn dieses Geheimnis noch längst nicht endgültig gelüftet ist. "Da sind noch viele unbekannte Sorten dabei", berichtet Ines Schürer vom Naturschutzzentrum. Dort hat man sich seit dem Europäischen Naturschutzjahr 2005 vor allem die Erhaltung alter Obstbaumsorten auf die Fahnen geschrieben. Seither wurden unzählige Reiser geschnitten, in Baumschulen veredelt und schließlich auf den Streuobstwiesen rund um das Naturschutzzentrum gepflanzt. Erst nach und nach können die jeweiligen Sorten bestimmt werden. Und dabei gebe es durchaus so manche "kleine Sensation". Neben Äpfeln - von denen es allein 47 verschiedene Sorten in Dörfel gibt - wachsen dort auch Birnen, Pflaumen und Kirschen. Und die locken ab und an auch ungebetene Gäste an. "Obstklau ist eines der Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben", sagt Ines Schürer. Vandalismus ein anderes, ergänzt Roberto Matthes.

Vom Lehrpfad abbringen lassen sich die beiden deshalb aber nicht, gibt es doch noch viel Wissenswertes über die heimische Natur zu vermitteln. Zum Beispiel über die gerade einmal zweieinhalb bis vier Millimeter große Rosengallwespe. Ihren Namen verdankt sie den Rosengallen. Die bilden sich, nachdem die Wespe ihre Eier mittels eines körpereigenen Legebohrers in die austreibenden Zweigspitzen gelegt hat. An der Einstichstelle beginnt das Gewebe zu wuchern, es entstehen bis zu fünf Zentimeter große Gallen, die außen von haarförmigen, stark verzweigten Auswüchsen besetzt sind. Im Inneren der Kammern haben die Larven der Wespe ihre Kinderstuben - beschützt wie Dornröschen in seinem langen Schlaf.

So verwundert es wenig, dass der mythologische Volksglauben dem Stich der Gallwespe nachsagt, dass er vor Verzauberung schützt und für einen ruhigen Schlaf sorgt. Deshalb wurden die moosartigen Rosengallen früher auch als Schlafäpfel gesammelt und den Säuglingen für einen ruhigen Schlaf unter dass Kopfkissen gelegt.

Weitere Informationen zum Naturschutzentrum Erzgebirge gibt es unter diesem Link.

 
erschienen am 15.10.2015 ( Von Antje Flath )
 
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