Erich Wolfgang Korngolds selten aufgeführte Oper "Die tote Stadt" verliebt sich Paul (Niclas Oettermann) Hals über Kopf in Marietta (Marion Ammann). Erich Wolfgang Korngolds selten aufgeführte Oper "Die tote Stadt" verliebt sich Paul (Niclas Oettermann) Hals über Kopf in Marietta (Marion Ammann).

Foto: Dieter Wuschanski/Theater Chemnitz

Premiere für Korngolds Oper "Die tote Stadt"

Erich Wolfgang Korngolds selten aufgeführte Oper "Die tote Stadt" erlebt am 25. Oktober ab 19.30 Uhr im Opernhaus Chemnitz ihre Premiere.

Psychogramm einer Amour fou: Paul verliebt sich Hals über Kopf in Marietta, eine Tänzerin und Femme fatale, die Pauls verstorbener Frau Marie bis aufs Haar gleicht. Ort der Begegnung ist Brügge, ehemals blühende Hansestadt, nach der Versandung des Nordseezugangs mehr und mehr eine "tote Stadt". Marietta verführt Paul, erfüllt seine Sehnsüchte, fordert aber auch seine Eifersucht heraus - bis ihm die Sicherungen durchbrennen. Ist alles nur ein Traum oder Wirklichkeit?

Sigmund Freuds "Traumdeutung" inspirierte Korngold zu dieser, seiner erfolgreichsten Oper. Ganz konträr zu ihrem Titel sprüht die Partitur vor Leben, schwelgt in spätromantischen Klängen und kombiniert hochdramatische Gesangspartien à la Richard Strauss mit wunderbar weichen Melodien. Korngold, der 1934 nach Hollywood ging und dort eine steile Karriere als Filmkomponist machte, traf den Nerv der Zeit. Nach der erfolgreichen Uraufführung 1920 (gleichzeitig in Köln und Hamburg) wurde "Die tote Stadt" zu einem der meistgespielten Stücke der "Goldenen Zwanziger".

Die Oper Chemnitz spielte "Die tote Stadt" bereits ein Jahr nach der Uraufführung nach. Die Premiere war am 7. Dezember 1921, Korngold reiste persönlich an und besuchte drei Tage später die nächste Premiere dieser Oper in Dresden, wo ihn "ein bislang unbekannter junger Sänger namens Richard Tauber […] mit seiner kaum glaubwürdigen Musikalität völlig aus dem Gleichgewicht gebracht [habe]", wie seine Frau später berichtete. Tauber, Stiefsohn des gleichnamigen Chemnitzer Intendanten, sang wenige Wochen später den Paul in der Chemnitzer Produktion. Diese Partie wurde für ihn zu einer seiner wichtigsten Opernrollen, für Korngold stellte er die Idealbesetzung dar.

In Chemnitz hat es seither keine Neuproduktion der "Toten Stadt" mehr gegeben. Und nicht nur das, nach der "Aufführungswelle" in den 20er Jahren gab es im gesamten sächsischen Raum und, abgesehen von einer Neuinszenierung 2002 am Theater Altenburg-Gera, im gesamten Gebiet der damaligen DDR und der jetzigen neuen Bundesländer keine weiteren Aufführungen.

Regie führt Helen Malkowsky, die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Frank Beermann inne. In der Rolle des Paul ist Niclas Oettermann zu erleben, der mit dieser Partie bereits 2011 im schweizerischen Bern brillierte und von der Kritik stürmisch gefeiert wurde.

Weitere Informationen zur Oper und die Inszenierungstermine gibt es unter diesem Link.
 

 
erschienen am 23.10.2014
 
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