Vor fünf Jahren hat der Gelenauer Rolf-Peter Hempel sein Schnitzerhobby zum Beruf gemacht.

Foto: Matthias Degen

Schnitzer findet über Umwege zu seinem heutigen Beruf

Gelenau. An Schwibbögen fehlt es im Weihnachtsland Erzgebirge wahrlich nicht. Auch in der kleinen Werkstatt von Rolf-Peter Hempel entstehen Lichterbögen, und jeder einzelne hat den Anspruch, ein Unikat zu sein. "Während sich die Motive der meisten Bögen ähneln und aus gesägtem Sperrholz entstehen, sind meine Bögen handgeschnitzt", erklärt der Gelenauer nicht ohne Stolz.

Dabei fand Rolf-Peter Hempel erst spät zum Schnitzen, obwohl sein Vater ein Leben lang mit Messer und Lindenholz umgegangen ist. Oder gerade deshalb. "Die Schnitzerei war in unserer Familie Broterwerb. Mein Vater hat für die Friedensbrücke in Börnichen in Heimarbeit geschnitzt. Das war bei uns zu Hause Alltag und hat mich als Kind kaum interessiert", erinnert sich der Kunsthandwerker. Ein Grund für seinen Sinneswandel war seine spätere Frau Petra. "Als junges Mädchen bin ich aus der Altmark ins Erzgebirge gekommen und war begeistert von den vielfältigen Figuren, die sein Vater dem Holz abgewann", sagt sie.

Mit einfachen Bäumchen und Figuren begann Rolf-Peter Hempel sein Schnitzhandwerk, das er seit fünf Jahren in seinem Haus an der Straße der Einheit im Haupterwerb betreibt. Später folgten die Darstellungen von Bergmann, Waldarbeiter und Krippenfiguren. Als gelernter Elektriker interessierte ihn an den Schwibbögen die Möglichkeiten der Illumination. "Was mich jedoch immer gestört hat ,war die eindimensionale Darstellung der Sägearbeiten", so der 52-Jährige. "Meine geschnitzten Schwibbögen können von allen Seiten betrachtete werden." Baum- und Figurengruppen entstehen nach seinen und den Vorstellungen seiner Kunden. "Wer einen besonderen Wunsch hat, bekommt ihn erfüllt", betont er und erinnert sich an eine junge Familie, die noch vor der Geburt ihres ersten Kindes einen Schwibbogen mit Wiege und Klöppelfrau ihr Eigen nennen durfte. Wer will, kann die Fortschritte seiner Motivwünsche begleiten und Hempel über die Schulter schauen - in dessen Werkstatt oder im Depot Pohl-Ströher, in dem er in der Vorweihnachtszeit beim Schauschnitzen zu finden ist. Etwas Geduld müsse man schon mitbringen, denn bis zu 30 Stunden braucht der Meister für einen handgeschnitzten Lichterbogen.

Die klassische Linie der Motivwahl hat Rolf-Peter Hempel nie verlassen, auch wenn er modernen Figuren aus Holz ihren besonderen Reiz nicht abspricht. "Das muss jeder für sich entscheiden und im ständigen Umgang mit dem Lindenholz seine eigene Handschrift finden", weiß er aus Erfahrung und vermittelt diese Philosophie auch dem Nachwuchs im Gelenauer Schnitzverein, dessen Vorsitzender er ist. "Mein Glück war es, dass mich mein Vater nicht zum Schnitzen gedrängt hat", ist er sich sicher und wünscht sich die Einsicht auch heute noch von allzu ehrgeizigen Eltern.

 
erschienen am 08.10.2015 ( Von Matthias Degen )
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Artikel weiter empfehlen