Weihnachtsmarktbesuch

Wieder einmal steht das Weihnachtsfest vor der  Tür. Die Gedanken und Erinnerungen gehen zurück in die eigene Kindheit. Ich erinnere mich gerne an die Heiligen Abende von damals. Besonders schön war es, wenn Schnee lag. Mit neuer Kleidung, auch mit neuen Filzschuhen, ging es in die Metten. Sogar der neue Schlitten musste mit, obwohl fast gar kein Schnee lag. Aber Weihnachten ist nicht nur an Heilig Abend, sondern beginnt mit dem 1. Advent und den Weihnachtsmärkten. Ein Weihnachtsmarktbesuch aus meiner Kindheit hat sich besonders in meinem Kopf eingeprägt.

Kurz vor der Eröffnung des Annaberger Weihnachtsmarktes verkündete mein Vater: "Am Sonnabend geht's zum Weihnachtsmarkt! Wir fahren mit dem Bus um 14 Uhr nach Annaberg. Heimwärts wird gelaufen." Ach wie war die Freude groß. Als der Sonnabend herangekommen war, ging es pünktlich mit dem Bus nach Annaberg. Dort angekommen, wurden wir schon weit vor dem Markt von Weihnachtsklängen und angenehmen Düften empfangen. Ach, was herrschte dort für ein Trubel.

Überall an den Buden standen Leute an. Am Stand mit Christbaumartikeln war die Schlange am längsten, weil die in der DDR zu Raritäten geworden waren. Meine Mutter kaufte an einigen Buden Bekleidungssachen und Spielsachen für meine Nichten und Neffen. Dann meinten wir, dass es Zeit würde, etwas zu essen. Wir stellten uns an einer Würstchenbude an. Da gab es auch Schaschlik, das mein Eltern essen wollten. Schaschlik war mir damals noch unbekannt, deshalb wollte ich es auch probieren. Leider war ich etwas enttäuscht, wegen der vielen Zwiebeln und des fetten Fleischs. Meine Eltern tranken noch einen Glühwein und ich eine heiße Zitrone. Schließlich meinte mein Vater, es wäre Zeit, den Heimweg anzutreten.

Wir liefen die Große Kirchgasse hoch in Richtung Marktsteig. Am Ende des Weges stand ein kleines, gemütliches Gasthaus, in das wir noch einmal einkehrten. Von den Wirtsleuten wurden wir mit einem großen Hallo begrüßt. Die Wirtin hatte frischen Kartoffelsalat gemacht, der bei ihr besonders gut schmeckte. Dazu gab es für meine Eltern Grog und Bier, für mich Tee und Limo. Zusammen mit den anderen Gästen wurde es eine feucht-fröhliche Runde. So verging die Zeit, bis meine Mutter energisch meinte: "Jetzt müssen wir uns aber auf den Heimweg machen. Die Kleine wird müde und draußen hat es auch schon wieder geschneit." Gesagt, getan.

Bei völliger Dunkelheit und leichtem Schneetreiben ließ sich der Marktsteig nur erahnen. Mein Vater zündete eine Karbidlampe an, die uns ein klein wenig Licht spendete. So stapften wir Richtung Heimat. Für meinen Vater war der Marsch besonders anstrengend, weil sein Bein durch eine alte Kriegsverletzung steif war. Aber er nahm alles mit Humor und fing an, laut zu singen. Er sang: "Deutsch und frei woll'n mer sei…" Meiner Mutter war das mehr als unangenehm, sie sagte "Willst Du wohl gleich ruhig sein, wenn dich jemand hört, sperren sie dich ein".

Meinen Vater störte ihr Schimpfen wenig, aber ich bekam es mächtig mit der Angst zu tun, denn wie man mir sagte, wurde das Lied in der DDR nicht gerne gehört. Bald war der Fußmarsch endlich zu Ende und wir erreichten unser Zuhause. Trotz der Anstrengungen konnte ich in dieser Nacht nicht gut schlafen. Zu viel spukte in meinem Kopf herum. Wann immer in den kommenden Jahren ein Weihnachtsmarktbesuch angekündigt wurde, bestand ich darauf, dass wir zum Weihnachtsmarkt liefen und für den Heimweg den Bus nahmen.

 
erschienen am 22.12.2011 (Von Beate Eichhorn aus Annaberg-Buchholz)
 
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