Traditionen zur Weihnachtszeit in Burgstädt

In jedem Jahr vor dem ersten Advent treffen sich in Burgstädt knapp ein Dutzend Männer, um einen Nachmittag lang kreuz und quer über den Markt zu laufen.

Sie ziehen einen riesigen Schneemann aus Styropor hinter sich her und schleppen lange Balken, aus denen nach ein paar Stunden Arbeit eine große Pyramide wird.

Die Männer sind Burgstädter Handwerker und bauen den Adventsschmuck des Städtchens im Kreis Mittweida auf. Denn hier sorgt der rührige Gewerbeverein für Weihnachtsstimmung. Der Verein hat den so genannten Stadt-Advent erfunden.

Das ist gewissermaßen der Burgstädter Weihnachtsmarkt. Er dauert zwar nur einen Nachmittag lang, ist aber zu einer der bekanntesten Vorweihnachtsveranstaltungen im Chemnitzer Umland geworden - auch, weil der Burgstädter Festschmuck viel fürs Auge bietet.

Der Schneemann stößt Dampfwolken aus, dank einer Nebelmaschine in seinen Eingeweiden. Neben ihm steht ein Weihnachtsmann, so groß, dass ein Kind Respekt vor ihm haben könnte, wenn er nicht so treudoof gucken würde. Beide Figuren haben die Burgstädter Handwerker aus Styropor zusammengeklebt. Und als sie noch immer den Eindruck hatten, dass in ihrer Weihnachtsdekoration etwas fehlt, fingen sie an, eine Ortspyramide zu bauen.

Wie die Burgstädter auf diese Idee kamen, darüber gibt es mehrere Versionen. Bäckermeister Ulrich Rödel murmelt etwas von einem Biertisch mit vielen Handwerkern darum und noch mehr Gläsern darauf. Elektriker Wolfgang Lindner sagt, eigentlich habe man einen großen Bergmann bauen wollen. "Aber Bergbau gab es in unserer Gegend ja nicht.

"Burgstädt, das im Erzgebirgsvorland liegt, ist zwar auch nicht der naheliegende Kandidat für eine Drehpyramide gewesen, doch diese Erfindung aus dem Erzgebirge breitet sich allmählich über die Grenzen des Weihnachtlandes aus: Mehr als 200 große Ortspyramiden stehen heute im Erzgebirge, immerhin schon zwei Dutzend im Vogtland und etliche im Erzgebirgsvorland, etwa in Frankenberg, in Penig - und eben in Burgstädt.

Aber weil die Stadt nicht das Erzgebirge ist, fehlen der Burgstädter Pyramide die typischen Figuren wie Bergmann und Engel. Stattdessen drehen sich auf seinen Tellern Fleischer und Maurer, Schmied, und Blumenmädchen, 18 Handwerker insgesamt - alle, die Anteil am Weihnachtsschmuck in Burgstädt haben.

Die Figurenauswahl, meint Dachdecker Frithjof Stopp, könne man natürlich auch kulturhistorisch sehen: "Das Handwerk war schließlich immer eine treibende Kraft in der menschlichen Entwicklung." Doch Fensterbauer Dieter Kästner bremst ihn: "Jetzt pack erst mal hier mit an, sonst wirst du von der treibenden Kraft ausgeschlossen!"

Von Mario Ulbrich

 

 

 
 
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