Christliche und heidnische Bräuche

Weihnachten, altdeutsch ze wihen nahten (zu den heiligen Nächten) ist erst seit dem 4. Jahrhundert ein christliches Hauptfest. Die morgenländische Kirche hatte im 3. und 4. Jahrhundert die Geburt Christus zugleich mit einer Taufe am 6. Januar gefeiert.

Dagegen findet sich die Feier des 25. Dezember, des Tages, der nach dem Julianischen Kalender als Wintersonnenwende galt, zuerst im Abendländischen und kam von da zu den morgenländischen Christen.

Die symbolische Beziehung des 25. Dezember als des Tages der Wintersonnenwende mit der Geburt von Christus lag sehr nahe, da fast alle alten Völker die Wintersonnenwende als den Beginn des erneuten Lebens der Natur feierten.

Viel ist von dem Glauben und dem Brauchtum des germanischen und wohl auch römischen Heidentums in die christliche Weihnachtssitte übergegangen und hat sich erhalten. So ist das Weihnachtsfest durchsetzt mit vielen nichtchristlichen Elementen, die mit dem Beginn der winterlichen Zeit zusammenhängen. Christlich geprägt wurde das Fest durch die Darstellung der Geburtsgeschichte Jesu vor allem in weihnachtlichen Liedern und Dramen.
 

Adventskranz

Ein sehr altes Symbol der Weihnachtszeit ist der Adventskranz. Nach heidnischem Brauch bringt ein grüner Kranz Segen. Vorchristliche Bauern des Nordens flochten ihn zur Sonnenwende. Geschmückt wurde er mit den Farben des Lichtes und des Lebens: Gold und Rot.

Noch im Mittelalter glaubte man, die Welt sei 4000 Jahre vor Christus entstanden. In jeder Adventskerze sah man ein Jahrtausend. Der Brauch, sie am Kranz nacheinander anzuzünden, geht auf das Jahr 1860 zurück. Damals liess ein Hamburger Pfarrer einen Riesenkranz aufhängan, an dem täglich eine Kerze angezündet wurde. Später war es nur eine pro Adventswoche.

6. Dezember - Nikolaus

Der heilige Nikolaus war bis zu seinem Tod im Jahre 350 Bischof von Myra in Kleinasien. Seine Lebensgeschichte machte ihn zum wohl bekanntesten Heiligen der Kirche des Morgenlandes. Der Legende nach gilt er als Streiter gegen Ungläubige, aber auch als wundertätiger Freund der Kinder. Er soll allabendlich mit Knecht Rupprecht durch die Strassen gezogen sein, um brave Kinder mit Geschenken zu belohnen und die bösen mit der Rute zu strafen.

Der Nikolauskult war im vorreformatischen Vogtland stark verbreitet. Dies belegen eine Reihe von Nikolaus-Kirchen und -Kapellen wie die Stadtkirche zu Markneukirchen, eine Kapelle zwischen Oelsnitz und Voigtsberg, eine Kapelle zwischen Plauen und Chriesch-witz, der Chor der St.-Johannis-Kirche in Plauen und eine Kapelle in Auerbach.

Etwa im 15. Jahrhundert dürften gut 20 Prozent der männlichen Vogtländer den Namen "Nikolaus" getragen haben. Auch nach der Reformation geriet der Nikolauskult im Vogtland nicht in Vergessenheit. So fanden die Kinder Zopfstollen, Äpfel oder Nüsse vor dem Bett oder der Tür. In der heutigen Zeit erfuhren der Nikolausstiefel und Nikolaus als Gabenbringer der Kinder überregionale Popularität.

Das Backen

Die Tradition, zum Fest zu backen, ging von den Klöstern des Mittelalters aus. In Urkunden aus dem 14. Jahrhunderts ist nachzulesen, dass sich die frommen Frauen mit "Küchlein, Krapfen und Käse" beschenkten, modelliert in schönen Formen. Um das Jahr 1510 bereiteten Klosterfrauen zum erstenmal Lebkuchenteig.

Der Spekulatius ist nach dem Heiligen Nikolaus benannt, der als Bischof den lateinischen Beinamen "speculatius" trug. Modellgebäck war im 15. Jahrhundert überhaupt ganz gross in Mode. Es gab sogar eine Zunft der Modelschneider. Diese Hand werker schnitzten weihnachtliche Motive für Gebäckformen spiegelverkehrt ins Holz.

Weihnachtsstollen sind schon seit über 500 Jahren bekannt, genau seit 1475. Den ersten backte der Koch des Schlosses Hartenstein bei Torgau. Auch der Weihnachtsstollen stellt ein Symbol dar: das gewickelte Christkind.

Marzipan gelangte nach 1800 durch Königsberger und Lübecker Zuckerbäcker zu Berühmtheit. Seine Herstellung war eine harte zeitraubende Handarbeit. In einem hohen Granitmörser wurden die Mandeln mit einer Holzkeule zu Brei gestossen, mit Zucker vermengt und unter ständigem Umrühren in mächtigen Kupferpfannen geröstet. Danach begann die Feinarbeit der Zuckerbäckermeister: das Figurenformen der Rohmasse aus freier Hand oder in Formen.
 

Mehr zum Thema erzgebirgische Bräuche können Siehier lesen...

 

 
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Artikel weiter empfehlen