Dr. Cornelia Rupp vom Landesamt für Archäologie Sachsen hat die Ausstellung "Auf der hohen Kante" kuratiert. Dr. Cornelia Rupp vom Landesamt für Archäologie Sachsen hat die Ausstellung "Auf der hohen Kante" kuratiert.

Foto: smac/A. Blasko

Neue Sonderausstellung lockt ins "smac" nach Chemnitz

Noch bis 23. Februar kann im Foyer des "smac", Stefan-Heym-Platz 1 in Chemnitz, die Ausstellung "Auf der hohen Kante - 20 Pfund Silbermünzen aus der Sächsischen Schweiz" besucht werden.

Die kleine Ausstellung zeigt einen Teil der Münzen, die Bergsteiger vor zwei Jahren im Nationalpark Sächsische Schweiz fanden, und stellt sie in ihren wissenschaftlichen und historischen Kontext. Es handelt sich mit den 2277 Geldstücken, die insgesamt fast zehn Kilogramm wiegen, um den bisher größten Münzfund in Sachsen. Die Redaktion von Erzgebirge.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen Schau.

Wo wurden die Münzen gefunden?
Am 29. April 2016 entdeckten Bergsteiger mehrere Münzen in einer Felsspalte am Kanstein in der Sächsischen Schweiz. Sie informierten die Polizei, die nach eigener Begutachtung wiederum das Landesamt für Archäologie Sachsen benachrichtigte. Die gründliche und weiträumige Untersuchung des Fundortes ergab, dass hier der größte bisher bekannte Münzfund Sachsens entdeckt wurde. Die genaue Fundstelle wird von den Behörden nicht bekannt gegeben, um illegale Grabungen von vornherein auszuschließen. Auch die Finder möchten anonym bleiben.

Welche Münzen werden gezeigt?
Das Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bestimmte die Münzen numismatisch. Die Prägedaten der 2275 Silber- und zwei Goldmünzen umfassen einen fast 200-jährigen Zeitraum. Bei dem ältesten Stück handelt es sich um einen sächsischen Groschen Kurfürst Johann Georgs I. aus dem Jahr 1626. Ein Doppelgroschen und ein Groschen König Friedrich Augusts I. von Sachsen wurden 1819 geprägt und sind damit die jüngsten Stücke. Sie bilden den Terminus post quem - also das frühest mögliche Niederlegungsjahr des Fundkomplexes.

Wo wurden die Münzen geprägt?
51 Prozent der Münzen sind sächsische Prägungen, 26% stammen aus dem Habsburger Lande/Österreich und 12% aus Preußen. Insgesamt konnten 52 verschiedene Münzherren
- darunter auch zwei "Münzfrauen" - identifiziert werden. Die meisten Münzen wurden in Dresden geprägt; den weitesten Weg hatte ein halber Écu aus dem Jahr 1729, der in Bayonne an der südfranzösischen Atlantikküste hergestellt wurde.

Wieviel sind die Münzen wert?
Alle Münzen waren gängige Zahlungsmittel zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ganz normal im Umlauf. Alles zusammengerechnet  entsprachen sie zum damaligen Zeitpunkt einem Wert von 350 Reichstalern - also einer sehr stattlichen Summe. Man hätte hierfür ein Gehöft, 24 Kühe, 175 Ziegen, 700 Kilogramm Butter, 14.000 Liter Bier oder 21.000 Eier kaufen können. Übrigens erhielt der Finder der Münzen wegen vorbildlichen Verhaltens eine Belohnung, deren Höhe jedoch nicht bekannt gegeben wird.

Woher kommen die Münzen?
Gewebereste weisen darauf hin, dass die Münzen in Leinen- und Wollsäckchen abgelegt wurden. Der Komplex muss kurz nach 1819 in die Felsspalte gelangt sein - erkennbar an dem Prägejahr der jüngsten Münze (terminus post quem). Ob die Niederlegung nach und nach oder mit einem Mal stattfand kann nicht geklärt werden. Auch die Motivation der Niederlegung ist unbekannt. Insbesondere in der Zeit zwischen 1806 und 1815 während der Beteiligung Sachsens an den Napoleonischen Kriegen sind Münzhorte keine Besonderheit. 1819 jedoch war Sachsen befriedet. Ungewöhnlich sind auch der schwer zugängliche Ort und die große Menge der niedergelegten Münzen. Handelt es sich um den Ertrag von Schmugglern oder gar um Diebesgut? In der Ausstellung besteht die Möglichkeit, eine eigene Theorie aufzustellen und an eine Texttafel zu schreiben.

Wann ist die Schau zu sehen?
Die Ausstellung  "Auf der hohen Kante - 20 Pfund Silbermünzen aus der Sächsischen Schweiz" kann während der Öffnungszeiten (dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 20 Uhr) des "smac", Stefan-Heym-Platz 1 in Chemnitz besucht werden. Der Eintritt zur Foyerausstellung ist frei.

 

 
erschienen am 12.01.2018
 
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