Fichtelbergbahn am Viadukt Fichtelbergbahn am Viadukt

Foto: Volkmar Richter / SGD

Fichtelbergbahn: 120 Jahre alt und kein bisschen leise

Die Fichtelbergbahn hat noch immer Pfiff. Zwar schnauft sie bereits seit 1897, doch aus dem Transportmittel von einst ist eine Attraktion für Touristen geworden. Am 12. und 13. August feiert die Bahn ihr großes Geburtstagsfest.

Seit dem 19. Juli 1897 fährt die Fichtelbergbahn aus dem Sehmatal an den Fuße des Fichtelberges. Nach nur zwölf Monaten Bauzeit und 1.987.928 Mark Baukosten - das sind nach heutiger Einschätzung rund 19,6 Millionen Euro - verkehrte nun eine Schmalspurbahn von Cranzahl nach Oberwiesenthal. "Waren es anfangs rund 50.000 Fahrgäste im Jahr, konnten bereits zehn Jahre später mehr als 100.000 Reisende gezählt werden. Heute befördert die Bahn jährlich 260.000 Fahrgäste", sagt Kati Schmidt, Pressesprecherin der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH.

Um weitere Steigerungen im Fahrgastaufkommen zu gewährleisten, passte man bereits in den Anfangsjahren des Betriebes die Bahnanlagen und Fahrpläne bedarfsgerecht an. So hatte der Neudorfer Gemeinderat im Jahre 1919 mit seiner Bitte an die Generaldirektion der Sächsischen Staatseisenbahn: "… Auf der Linie Cranzahl - Oberwiesenthal sofort einen Zug einzuschalten, welcher an den 5.51 Uhr (nachmittags) in Cranzahl von Annaberg einlaufenden Zug nach Neudorf Anschluss hat…" Erfolg. Nachweislich wurde dieser Bitte schnell stattgegeben und eine passende Anschlussverbindung geschaffen.

Heutzutage ist aus der Schmalspurbahn, die Güter transportierte und Arbeiter in die Fabriken brachte, eine Attraktion für Ausflügler und Touristen geworden. "Familien kommen zur Ostereiersuche, die Männer gönnen sich zum Feiertag die Dampfzugfahrt mit Blasmusik, und Reisegruppen nutzen die Fichtelbergbahn für eine Tour in den Kurort Oberwiesenthal", zählt Kat Schmidt auf. Bestehende Veranstaltungsangebote, wie die Mondscheinfahrten, würden immer wieder ergänzt. "Hinzu kam zum Beispiel der Walderlebnistag. Auch der 120. Streckengeburtstag der Fichtelbergbahn wird mit vielen verschiedenen Veranstaltungen gefeiert", sagt Kati Schmidt.

Eine Sonderausstellung zur Geschichte der Schmalspurbahn zeigt das Museum "Oberwiesenthaler K3" bis 15. Oktober. "Dazu haben auch Mitarbeiter der Fichtelbergbahn viele Materialien aus ihrem eigenen Fundus zusammengetragen", sagt die Pressesprecherin.

Familien und Eisenbahnliebhaber sollten sich den 12. und 13. August im Kalender anstreichen. Dann feiert die Fichtelbergbahn ihr großes Geburtstagsfest. Und mit ihr feiert eine ganz besondere Lokomotive ihre Wiederinbetriebnahme. Die Dampflokomotive 99 713 der Baureihe VI K ist eine von dann zwei betriebsfähigen Maschinen dieser Gattung. Sie feiert in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag. "Die Lokomotive wird derzeit in der Lokwerkstatt Oberwiesenthal hauptuntersucht. Dabei wurde die Dampflokomotive in den vergangenen beiden Jahren vollständig auseinander gebaut. Einzelne Teile konnten instandgesetzt werden, andere mussten komplett neu gebaut werden. Zum Eisenbahn- und Familienfest im August wird sie dann mit Sonderzügen unterwegs sein", erzählt die Marketingverantwortliche.

Für alle technisch Interessierten bietet die Fichtelbergbahn am Festwochenende Werkstattführungen an. "Kinder können sich auf dem Spieleparcours austoben, beim Basteln kreativ werden oder bei der Märchenzugfahrt entspannen. Eine kleine Fotoausstellung weist auf das 20. Unternehmensjubiläum hin, das der Betreiber der Fichtelbergbahn, die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft mbH, begeht", zählt Kati Schmidt auf. Am Festwochenende rollen zudem 20 Sonderzüge zusätzlich auf der Strecke der Fichtelbergbahn. Selbst an die Philatelisten wird gedacht. "Für sie werden die Briefe und Postkarten mit einem Sonderpoststempel versehen und mit der Fichtelbergbahn und weiter über die Grenze zu Tschechien nach Vejprty befördert, um dann im tschechischen Postamt aufgegeben zu werden", so Kati Schmidt. In Cranzahl wird gemeinsam mit der Gemeinde gefeiert.

Das Festgelände zum 650. Ortsjubiläum schließt direkt an den Bahnhof Cranzahl an. Die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft bietet in Cranzahl Führungen in der neu errichten Wagenwerkstatt an. Die Oldtimerfreunde aus Kretscham und Annaberg stellen ihre Fahrzeuge auf der Ladestraße zur Schau. Mit der Handhebeldraisine der Traditionsbahn Radebeul können die Besucher den Bahnhof Cranzahl erkunden. Da ist reichlich Muskelkraft gefragt.

 
erschienen am 03.08.2017
 
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