Kaffee-Kakao-Likör wird als "De Parana" Ulrike Brenner, Geschäftsführerin des Spirituosenherstellers HUS in Schlettau, hat beim Stöbern in alten Firmenbüchern die Rezeptur für eine Likörspezialität wiederentdeckt, die ihr Vater Wolfgang Gläser entwickelte: Der Kaffee-Kakao-Likör wird als "De Parana" von vielen Kunden wieder gern gekauft.

Foto: Lars Rosenkranz

Kaffee-Kakao-Likör "De Parana" kommt aus Schlettau

Sachsen hat eine alte, erzgebirgische Spirituosenspezialität wieder: den Likör "De Parana". Ulrike Brenner, Geschäftsführerin von Herrmann Uhlig Schlettau (HUS), hatte in Vorbereitung des 110. Firmenjubiläums in diesem Jahr eigentlich nur alte Fotos von der einst zum Familienunternehmen gehörenden Drogerie gesucht. Diese sollten das Etikett einer "Geburtstagsflasche" zieren. Beim Stöbern in alten Kontorbüchern entdeckte sie aber unvermutet die lange verschollen geglaubte Rezeptur für jene Likörspezialität, die ihr Vater Wolfgang Gläser in den 1950er Jahren entwickelte: "Creme de Parana".

Der Kaffee-Kakao-Likör, zu DDR-Zeiten eine ständig vergriffene flüssige Schlemmerei, wurde wegen seiner aromatischen Ingredienzen vom Erfinder damals "Creme de Parana" genannt und mit einem knalligen, nicht minder exotischen Flaschenetikett beworben: Mann mit Tropenhelm auf Pferd unter Kakaobäumen, dahinter die grüne Wasserfläche ein Flusses und der "Zuckerhut". Dazu gab es, wie seinerzeit üblich, einen flotten Werbe-Reim, den so mancher alte Schlettauer heute noch auswendig kann:

"Herrlich wie der erste Kuss schmeckt Parana, welch Genuss.

Rein und echt ist sein Bestand - wie dieser Fluss im fernen Land.

Man nahm Kakao und Zucker her, Vanille, Zitrone und einiges mehr.

Schön abgerundet! Nun probier. Dir schmeckt es ebenso wie mir."

Der "Parana" wurde von Mitte der 50er Jahre bis 1976 in Schlettau produziert, dann drehte die DDR-Wirtschaftsführung den Devisenhahn für die nötigen Zutaten ab. Zwar wollte Ulrike Brenner die Spezialität schon Mitte der 90er Jahre wieder herstellen - allein dazu fehlte ihr die Rezeptur. Experimente mit Kaffee, Vanilleschoten und gefiltertem Zitrusfruchtsaft führten allesamt zu keinem brauchbaren Ergebnis. Umso größer war ihre Freude daher über den Fund im Kontorbuch. Nach kurzer Testphase - sie hat alte Schlettauer, die den "Parana" früher kannten, probieren lassen - konnte der erste Ansatz im Firmenkeller erfolgen. Etikett wie auch Markenname wurden fast original übernommen, nur dass der Fluss auf dem Bild jetzt blau ist und der Likör die Bezeichnung "De Parana" erhalten hat. Die "Creme" wurde gestrichen, "weil man sonst denken könnte, es wäre ein dickflüssiger Likör", schmunzelt Ulrike Brenner, deren Familienname witzigerweise zum Beruf passt wie die Olive zum Martini-Cocktail.

Die 1898 gegründete Firma, die zehn Mitarbeiter zählt und auch zu DDR-Zeiten immer privat geführt wurde, hat normalerweise eher Kräuterliköre im Programm - eine Leidenschaft, die die Chefin mit ihrer Liebe zum naturnahen Kochen am heimischen Herd verbindet.

Die Experimentierfreude war es auch, die 1997 zur Einrichtung der Kräuterlikörmanufaktur im Schloss Schlettau führte. Dort können sich Besucher unter fachkundiger Betreuung von Mitarbeitern der Firma selbst die Gewürze und Kräuter aussuchen und mixen lassen, die sie in ihrer ganz persönlichen erzgebirgischen Spirituose schmecken möchten.

 
(Von Lars Rosenkranz)
 
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