Kammweg Worauf es beim Wandern ankommt: Vom Kammweg aus schweift der Blick immer wieder weit übers Land.

Foto: Frank Hommel

Wanderroute vom Erzgebirge bis zum Rennsteig im Test

Verteilt über mehrere Wochen hat "Freie Presse"-Redakteur Frank Hommel den neuen Kammweg Erzgebirge-Vogtland getestet. Er ist jeden Meter aller 17 Etappen gelaufen und hat dabei viele Menschen getroffen. Nun zieht Hommel noch einmal Bilanz über den gesamten Weg.

Was genau ist dieser Kammweg Erzgebirge-Vogtland?

Frank Hommel: Der Kammweg Erzgebirge-Vogtland - das ist eine neu markierte Route, die Wanderer von Geising im Osterzgebirge bis nach Blankenstein in Thüringen führt, wo der Rennsteig beginnt. Die Tourismusverbände Erzgebirge und Vogtland wollen mit diesem Weg mehr Wanderer anlocken. Wandern liegt im Trend. Und der Wanderweg gehört zu den Top Trails of Germany - den zwölf besten Weitwanderwegen Deutschlands.

Können Sie den Kammweg Erzgebirge-Vogtland den Wanderern weiter empfehlen?

Natürlich ist der Weg ein einmaliges Erlebnis. Auch wenn ich die Strecke nicht in einem Stück komplett abwandern konnte, sondern immer nur abschnittsweise quasi ein- und wieder ausgestiegen bin und nie länger als zwei Tage am Stück unterwegs war, hatte ich doch oft das Gefühl, abgetaucht zu sein aus dem Alltag. Ich nahm die Welt irgendwie anders wahr, unmittelbarer. Ohne Handy, Computer, Nachrichten. Sondern mit frischer Luft, ächzenden Bäumen und freien Gedanken. Und das ist es doch, worauf es beim Wandern ankommt. Wobei der Kammweg, anders als zum Beispiel der Rennsteig in Thüringen, auch viele kulturelle Ziele ansteuert. Die Saigerhütte in Olbernhau zum Beispiel ist mit Sicherheit eine überraschende Entdeckung für alle.

Wer kann den Kammweg erwandern?

Prinzipiell jeder, würde ich sagen, der einigermaßen gut zu Fuß ist. Man muss kein Leistungssportler sein, um den Kammweg zu schaffen. Und erst recht kein Kletterprofi. Beides bin ich überhaupt nicht. Trotzdem reicht der Weg, um manchmal ins Schwitzen zu kommen. Wem die vorgegebenen Etappen dennoch manchmal zu kurz sind, der muss sich ja nicht daran halten.

Lässt sich der Kammweg mit dem Mountain-Bike bewältigen?

Ich bin ihn ja gelaufen, aber ich glaube, mit dem Fahrrad geht es auch. Manche Passagen muss man vielleicht schieben. Aber nur kurz.

Kammweg Immer wieder kommen Wanderer am Kammweg Erzgebirge-Vogtland miteinander ins Gespräch.

Foto: Eva-Maria Simon

Der Name Kammweg steht für einen reinen Höhenweg. Führt der Weg auch einmal ins Tal?

Der Name Kammweg kommt ja vom historischen Weg, der tatsächlich nur auf dem Kamm entlang führte. Also mehr oder weniger durch tschechisches Niemandsland. Und dann gibt es noch die Kammloipe, die, glaube ich, unter Langläufern einen hervorragenden Ruf hat. Daran sollte der Name wohl anknüpfen. Die Wanderroute selbst führt selten auf dem Kamm, also der höchsten Linie der Gebirgszüge. Diesen Höhenzug sieht man manchmal immerhin aus der Ferne, manchmal auch gar nicht. Das kann man vielleicht für eine Art Mogelei halten. Ich finde es aber in Ordnung.

Wie sind die Etappenorte des Kammwegs mit dem öffentlichem Nahverkehr erreichbar?

Überall wo ein Bahnhof ist, ist die Anbindung sehr gut. Aber manche der Etappenorte des Kammwegs lassen sich nur äußerst schwierig mit dem Bus erreichen. An den Wochenenden fährt dann gar nichts. Also sich eine einzelne Etappe quasi herauspicken, mit dem Auto zum Startort fahren, die Etappe laufen und abends mit dem Bus zum Auto zurück kutschiert werden - das ist nicht bei allen Etappen so leicht möglich. Oder gar nicht.

Wie ist die Orientierung entlang des Weges?

Die blau-weißen Markierungen mit dem Schriftzug "Kamm" pappen quasi alle paar Meter an irgend einem Baum. Ich hatte noch eine detaillierte Karte dabei. Dann gibt es noch die Wegbeschreibung im Internet. Manchmal kreuzen freilich Wege, die auch weiß-blau markiert sind. Das kann dann schon verwirren. Auf fast allen Etappen gibt es unterwegs Gaststätten.

Welche Etappe des Kammwegs hat Ihnen am Besten gefallen?

Eine Frage, die ich mir auch selbst schon gestellt habe. Aber ich kann sie wirklich nicht beantworten. Rund um Seiffen war es sehr schön. Der Weg auf den Fichtelberg. Und natürlich sind das Burgsteingebiet im Vogtland und dann das Saaletal echte Geheimtipps. Aber vielleicht bin ich als Vogtländer da auch ein wenig voreingenommen.

Welche Momente Ihrer Wanderung werden Ihnen immer im Gedächtnis bleiben?

Der Besuch bei den Eisenbahnern in Jöhstadt. Dann diese Kröte, groß wie eine Faust. Und ein Gewitter ... also mit dem Wetter hatte ich meistens Glück. Aber bei Rübenau, da hat mich ein Gewitter an einen Unterstand gefesselt, etwa eine Stunde lang. Ich esse, und dann kommt die Kröte seelenruhig an mir vorbeigekrochen und wir haben uns minutenlang in die Augen geschaut.

Was kann man am Kammweg noch verbessern?

Abgesehen von der teils schlechten Erreichbarkeit sind das höchstens Kleinigkeiten. Vielleicht kann man irgendwann den Umweg zum Katzenstein bei Pobershau mit in die Strecke einbauen. Oder einen Abstecher nach Tschechien. Auch wenn ich weiß, dass da Förderrichtlinien kollidieren. Und der Weg noch ein kleines bisschen länger wird. Und manchmal dachte ich, okay, der breite Forstweg zieht sich jetzt doch schon eine Weile. Auf schmalen Pfaden laufe ich einfach lieber. Aber das ist vielleicht auch eine Geschmacksfrage.

 
erschienen am 03.11.2011
 
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