Mit nur 21 Metern kein Riese: der Erzherzogin-Zita-Turm auf dem tschechischen Plattenberg.

Wandertipp: Über 92 Stufen 21 Meter auf dem Turm des Plattenberges in die Höhe

Horní Blatná. Einen Blick in die Region bieten nicht nur die Aussichtstürme auf der deutschen Seite des Erzgebirges. Auch jenseits der Grenze, im tschechischen Nachbarland, lohnt es sich, das eine oder andere Gebäude zu besteigen, beispielsweise den Erzherzogin-Zita-Turm auf dem Plattenberg (Blatenský vrch) nahe der Stadt Horní Blatná (Bergstadt Platten). Dieser frei stehende Aussichtsturm auf einem der 1000er-Gipfel des Erzgebirges ist mit seiner Höhe von 21 Metern zwar kein Riese, hat aber eine bewegte Geschichte hinter sich.

Seit acht Jahren bewirtschaftet Miroslav Mitterpach aus Pernink den Kiosk am Aussichtsturm auf dem Plattenberg. Bei Wind und Wetter bietet er den Wanderern, Bikern und Skiläufern jeden Tag von 10 bis 17 Uhr Speisen und Getränke an. Nur bei ganz schlechtem Wetter verzichtet er auf die Fahrt zu dem 1043Meter hohen Berg. Nebenbei verkauft er auch die Eintrittskarten für die Turmbesteigung zum Preis von 10 Kronen oder 40 Cent.

In recht gutem Deutsch erzählt er interessierten Besuchern die Geschichte der Bauten, die noch vorhanden sind oder die hier einmal standen. Schon im Jahr 1913 wurden der Turm und ein Unterkunftshaus vom Wintersportverein der Bergstadt Platten auf dem Gipfel erbaut. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Berg so beliebt, dass die Besucherzahlen stiegen und eine Erweiterung des Berghotels erfolgte. Diese gastronomische Einrichtung wurde jedoch nach 1946 nicht mehr betrieben. Damit verfiel das Gebäude, sodass es Anfang der 70er-Jahre abgerissen wurde. Nur der Aussichtsturm blieb erhalten und kann über 92 Treppenstufen bis in eine Höhe von 21 Metern bestiegen werden.

Der bauliche Zustand des Turms ist nicht der beste, auch die Aussicht von ihm ist durch die hochgewachsenen Bäume inzwischen stark eingeschränkt. Ob die historische Bezeichnung Erzherzogin-Zita-Turm, die auf die Erzherzogin Zita von Bourboun-Parma, die letzte Kaiserin von Österreich-Ungarn, zurückzuführen ist, überhaupt noch verwendet wird, ist fraglich. In vielen neueren Publikationen ist meist nur noch die Bezeichnung Aussichtsturm zu finden. Im Inneren findet der Gast eine Dokumentation zum Plattenberg und dessen Umgebung. Auf dem Plateau stehen zudem noch ein Holzhaus für Jugendliche, die Arbeitseinsätze im Gebiet des Berges leisten, außerdem ein Funkturm und die Hütte eines privaten Radiosenders. Für die Touristen sind eine Reihe von Tafeln aufgestellt worden, die Informationen, aber auch Tipps für Wanderer und Biker beinhalten. So wird beispielsweise auf die Eis- und Wolfspinge hingewiesen, alte bergbauliche Hinterlassenschaften, die sich unterhalb des Gipfels befinden.

Gut ausgeschilderte Wanderwege führen zur alten Bergstadt Platten, die eine wechselvolle Geschichte mit Zinn- und Eisenerzbergbau in ihrer Umgebung aufweist. Auch die Gründung von Johanngeorgenstadt geht auf Bergleute aus Platten zurück. Nicht weit entfernt erhebt sich ein weiterer 1000er des Erzgebirges, der Smrcina (Fichtelchen). Auch ostwärts findet der Wanderer noch einige sehenswerte Höhen, so den 1054 Meter hohen Nad Ryzovnou (Wagnerberg). Dass im Umfeld dieser Höhe noch vier ehemals namenlose Erhebungen liegen, denen inzwischen aufgrund von Nachforschungen Bezeichnungen nachgewiesen werden konnten, ist als Sensation zu werten. Die vier ehemals Namenlosen sind der Vogelbaumberg (Jerabovy vrch/1046 Meter), der Seifener Berg (Ryzovna/1044 Meter), der Eliasberg (Bludny vrch/1031 Meter) und der Kölbl (Psarkovy vrch/ 1031 Meter). Mit Bludna (Irrgang) und Ryzovna (Seifen) findet der Wanderer ehemalige Ortschaften, die aufgrund der Vertreibung der deutschen Bevölkerung bekannt wurden.

Der elf Kilometer lange Plattner Kunstgraben (Blatensky prikop) und der sagenumwobene Kantorstein an der Straße nach Gottesgab (Bozi Dar) sind weitere sehenswerte Besonderheiten der Umgebung des Plattenberges. Auch der ehemalige Steinbruch auf der Passhöhe zwischen Hengstererben (Hrebecna) und Seifen ist ein Kleinod, das unbedingt besucht werden sollte. Dieses Areal steht jedoch unter Naturschutz und sollte unter Beachtung der dort geltenden Vorschriften betreten werden.

 
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Wandertipp: Über 92 Stufen 21 Meter auf dem Turm des Plattenberges in die Höhe
Der 13. von allen 1000ern
 
erschienen am 24.08.2015 ( Von Frieder Berger )
 
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