Ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit des Erzgebirges: Trachten und Traditionen unserer Gegend

In unserem schönen Erzgebirge drehte sich alles um den Bergbau. Die Menschen strömten in die unwirtlichen Berge und eroberten die Natur, jedes Mal, wenn es zu einem großen Fund von Silber und Erzen kam, was drei Mal der Fall war. Vor dem ersten sogenannten Berggeschrey war die Gegend bewaldet, unwirtlich und wenig einladend. Es war immer ein hartes Brot, das hier erarbeitet wurde. Nichtsdestotrotz waren die Menschen gastfreundlich, kreativ und naturverbunden. Das Leben der einfachen Menschen war zweckgerichtet, was auch für die Trachten galt, die besonders im Bergbau getragen wurden. Die ersten Aufzeichnungen rund um die speziellen Kleidungsstücke stammen aus dem Jahr 1550. Wie in allen anderen Gemeinden wurden zwischen einer Alltags- und einer Festtagstracht unterschieden, wobei letztere meist nur am Sonntag zum Einsatz kam.

Die historische Tracht der Männer 

Die Männer trugen ein weißes Gewand und ihre Bergtasche oder auch Tscherpertasche. Als Tscherper wurde ein bestimmtes Messer bezeichnet, dass jeder Bergmann bei sich führen musste. Zudem gehörten auch ein Arschleder, das am Leibriemen hing, der Gugel und die Kniebügel zur täglichen Ausstattung.

Das Arschleder oder auch Bergleder schützte den Bergmann vor Dreck, Nässe und dem Durchwetzen des Hosenbodens. Einen ähnlichen Zweck erfüllte der Kniebügel, der auch aus Leder war. Der Gugel war meist aus Wolle gefertigt. Es handelte sich um eine Kapuze, die auch die Schultern bedeckte.

Die Frauen im Erzgebirge: wenig ist bekannt

Über die Frauen im historischen Erzgebirge ist nur wenig bekannt, zu wenig. Sie sollen teilweise ebenfalls im Bergbau gearbeitet haben, waren jedoch strukturell den Männern oder Vätern unterstellt. Darum ist auch nur wenig über die typische Bekleidung der Frauen bekannt, die es zweifellos gegeben haben muss. Anders als die süddeutschen Dirndl mit ihren schönen Blusen, Kleidern und Röcken mit regional typischer Stickerei und Farbgebung, die es auch heute noch zu kaufen gibt und die zu bestimmten Zeiten in ganz Deutschland getragen werden, gibt es keine derart lebendige Kleidungstradition aus dem Erzgebirge. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass viel Wissen verloren ging. Wirft man einen Blick auf die typischen Trachten etwa aus Altenburg oder dem Vogtland, fällt eine große Ähnlichkeit zu den alpenländischen Trachten auf. Immer hatte jede Region ihre eigene Tracht.

Vorbild Barbara Uthmann

Die erfolgreiche Unternehmerin Barbara Uthmann bzw. ihre Renaissancebekleidung stand Modell, als 1936 eine Erzgebirgstracht für Frauen eingeführt wurde. Wurde sie im Nachhinein zu einer modischen Stilikone? Und war sie gar zu ihrer Zeit ein Vorbild für viele Mädchen und Frauen, da sie ungewöhnlich erfolgreich gewesen war? Geboren wurde sie bereits im Jahr 1514 in Annaberg, und sie starb 1575 ebenda. Nach ihrer Hochzeit mit Christoph Uthmann, mit dem sie wohl seit dem 15. Lebensjahr verheiratet war und mit dem sie 15 Kinder bekam, von denen 12 überlebten, besaß sie die Saigerhütte Grünthal. Nach seinem Tod führte sie das Werk weiter, bis es 1567 an den sächsischen Kurfürsten August verkauft wurde. Barbara scheiterte an den Intrigen ihrer Konkurrenz und musste sich ein neues Betätigungsfeld suchen.

Es heißt, sie war die erste Frau die Klöppelspitze nach Art eines Verlagssystems herstellen ließ. Das lässt sich nicht eindeutig belegen, doch klar ist, dass sie als Verlegerin von Borten arbeitet. Zwischenzeitlich waren 900 Frauen bei ihr beschäftigt, die von zu Hause aus Borten wirkten. Für die damalige Zeit war das eine großartige Leistung, kein Wunder also, dass Barbara Uthmann nach ihrem Tod ein so gewaltiges Lebenswerk hinterließ. Das schlesische Adelsgeschlecht Uthmann und Schmolz und Uthmann und Rathen nahm seinen Anfang mit Barbara und Christoph Uthmann.

Traditionen: die Liebe zum Licht

Wer größtenteils unter Tage arbeitet und dabei immer einer gewissen Gefahr ausgesetzt ist, der entwickelt wohl zwangsläufig eine besondere Liebe zum Licht! Das macht sich besonders in der Weihnachtszeit bemerkbar, wenn ein ganz besonders zauberhaftes Leuchten das Erzgebirge erhellt.
 
Die kunstvoll verzierten Schwibbögen aus dem Erzgebirge sind nicht nur in ganz Deutschland, sondern in der ganzen Welt bekannt. Sie symbolisieren die Kreativität und Kunstfertigkeit der Bewohner ebenso wie ihre Liebe zu einem gemütlichen, erhellten Zuhause.
 
Nach der Mettenschicht, der letzten Schicht unter Tage vor Weihnachten, folgte der Hutzenabend, das gemütliche Beisammensein mit der ganzen Familie und den Freunden. Mit Bergmannsliedern und dem typischen Bergmannsschmaus wurde das Leben und das Erwachen der Sonne gefeiert. Hoffnung zu haben ist wohl eine der wichtigsten Eigenschaften eines Bergmanns, der immer in einer gewissen Gefahr lebt. Umso intensiver wird das Leben gefeiert!

Das Erzgebirge heute
 
Ob Trachten oder nicht, ob Arschleder oder keines, wir laden unsere Besucher herzlich ein, mit einem Besuch im Erzgebirge einem Teil der deutschen Geschichte ein wenig mehr auf die Spur zu kommen. Unsere Region ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, denn ihre lebendige Natur und die unberührten, kleinen Orte machen sie zu etwas ganz Besonderem. Und das Schöne ist, dass Sie zu jeder Zeit ein wenig erzgebirgische Tradition und Handwerkskunst mit nach Hause nehmen können, in Form der wunderbaren Erzeugnisse, die auch heute noch das Gesicht der Region prägen.