Im Einklang mit der Natur: Wassersport im Erzgebirge

Das Erzgebirge ist nicht nur für seine wildromantischen Wanderwege, die urigen Täler und Berge bekannt, sondern auch für seine Wasserlandschaft. Viele Stauseen und Talsperren tragen dazu bei, dass sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte zahlreiche Gebiete entwickelt haben, die allein schon wegen ihres Wasserreichtums viele Besucher anlocken. Nicht nur, um zu wandern - sondern auch wegen der ausgedehnten Möglichkeiten, in und auf dem Wasser unterwegs zu sein.

Wassersport auf der Mulde
Wassersport ist zum Beispiel auf der Mulde beliebt, ein Flusssystem, das aus verschiedenen Zuflüssen wie etwa der Zschopau, der Zwickauer- und Freiberger Mulde, der Flöha und Chemnitz-Fluss besteht. Die Mulde fließt bei Dessau in die Elbe und ist insgesamt rund 310 Kilometer lang. Der Fluss folgt - im Gegensatz zu vielen anderen Gewässern in Deutschland - nach wie vor überwiegend seinem natürlichen Lauf. Auf dem Flusssystem, das nahe des Orts Sermuth zur sogenannten Vereinigten Mulde wird, lässt sich wunderbar Kanu fahren, allerdings nicht auf allen Abschnitten. 

Mit Kajak & Co unterwegs
Und nicht nur das: Das Muldental kann auch mit einem Schlauchboot, Kanadier, beim Raften, mit einem Katamaran oder einem Kajak erkundet werden. Durch das Erzgebirge fließt die Zwickauer Mulde auf einer Länge von 167 Kilometern, die der Talsperre Muldenberg entspringt. Hier nahe Zwickau liegt die Wiege des Wildwasserslaloms. Der erste Kanu-Club wurde 1926 in Cainsdorf gegründet, zehn Jahre später kam es zum ersten Wildwasserslalom-Wettbewerb in Deutschland. 

Kanustrecken mit Stromschnellen
Die Zwickauer Mulde fließt nicht nur mitten durch die Natur, sondern auch durch verschiedene Städte und Orte, zum Beispiel durch Hartenstein, oder Bad Schlema. Schöne Kanustrecken mit Stromschnellen finden sich zum Beispiel in der Nähe von Cainsdorf. Generell ist der Flussabschnitt gut für Ein- oder auch Mehrtagestouren geeignet. Wer sich zu einer Tour auf der Zwickauer Mulde entscheidet, erlebt eine Fahrt, die von wild-romantisch bis gemütlich reicht. Die Tour ist abwechslungsreich - vorbei an Schluchten, Wäldern und Wiesen. Ein Klassiker ist eine Schlauchboottour zwischen Wechselburg und Rochlitz. Hier gibt es auch abseits des Flusses Gelegenheit für kulturelles Sightseeing: Zum Beispiel das Schloss Rochlitz oder auch das Benediktinerkloster in Wechselburg. Rund acht Kilometer lang ist die Tour und deshalb in relativ kurzer Zeit zu bewältigen. 

Im westlichen Erzgebirge ist der Fluss Schwarzwasser bekannt für idyllische Paddeltouren. Die Quelle des Gewässers liegt am Fichtelberg. Dort heißt der Fluss zunächst Nicht nur bei Wanderern ist die Gegend beliebt, auch unter Wassersportlern hat sich der Reiz der Landschaft herumgesprochen. Der Schwarzwasser heißt deshalb so, weil das Wasser durch Moore dunkel gefärbt ist. Hier liegen große Felsblöcke im Wasser, die elegant umschifft werden müssen und Wassersportler treffen hier auch auf den ein oder anderen Wasserfall. 

Vorbei an eindrucksvollen Bergbaulandschaften
Eine weitere Möglichkeit für eine Tagestour ist eine Fahrt weiter nach Colditz. Ebenso gerne sind Wasserwanderer auf der Freiberger Mulde, die in der Nähe des tschechischen Moldava entspringt, unterwegs. Namensgeberin des Flusses ist die Stadt Freiberg. Wer hier zu Wasser zwischen Leisnig und Grimma unterwegs ist, hat die Gelegenheit, eindrucksvolle Bergbaulandschaften zu erkunden oder die vielen historischen Orte mit ihren Schlössern und Museen zu besichtigen. Hin und wieder muss ein Stopp eingelegt und das Boot aus dem Wasser gehoben werden - nämlich dann, wenn eines der Wehre umgangen werden muss. 

Mehrtagestouren auf der Freiberger Mulde
Mehrtagestouren, die etwa zwei bis fünf Tage dauern, sind zum Beispiel ab Leisnig an der Freiberger Mulde möglich. Die erste Etappe führt am Wasserschloss Podelwitz vorbei und weiter über Trebsen, Wurzen, Eilenburg, Bad Düben zum Muldestausee bis nach Grimma. Gerade im mittleren und unteren Flusslauf gibt es normalerweise zu jeder Jahreszeit ausreichend Wasser, allerdings muss die Fahrt auf dem Wasser zwischenzeitlich aus Gründen des Naturschutzes unterbrochen werden. Auch einige Wasserkraftwerke und Wasserableitungen sorgen dafür, dass das Boot ab und an aus dem Wasser gehoben werden muss. 

Unzählige Stauseen und Talsperren
Es gibt wohl keine andere Region in Sachsen, in der sich so viele Stauseen befinden wie im Erzgebirge. Fast alle dieser Gewässer stehen mit dem Bergbau in Zusammenhang und dienten seinerzeit als Wasserspeicher. Heute prägen die Seen die Natur- und Kulturlandschaft und werden so zum Naturerlebnis. Hier tummeln sich Surfer und Segler, hier ziehen in der Saison Motorboote und Schwimmer ihre Bahnen.  

Allerdings: Nicht in allen Stauseen im Erzgebirge ist Wassersport erlaubt. Dennoch gibt es viele Gewässer, die als Naherholungsgebiete dienen und deshalb einen Ausflug wert sind. Das Waldbad Neuwürschnitz etwa liegt wunderschön inmitten der Natur und bietet einer abwechslungsreichen Flora und Fauna Lebensraum. Das Bad zählt zum Naherholungsgebiet am Haderwald. 

Wassersport auf dem Greifenbachstauweiher 
Mehr Trubel und diverse Wassersportmöglichkeiten bietet der Greifenbachstauweiher, der auch Dammteich oder Geyerscher Teich genannt wird. Der Weiher gehört zu den ältesten Talsperren in Deutschland, der bereits im 15. Jahrhundert 60000 Kubikmeter Wasser fasste. Mittlerweile hat sich das Volumen auf rund 634000 Kubikmeter erhöht. Der See mit seinen beiden großen Sandstränden, verschiedenen Rutschen und der guten Wasserqualität ist ein beliebtes Ausflugsziel. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich hier auch prima segeln, tauchen und surfen lässt. Bekannt ist auch der Filzteich, der viele Freizeitmöglichkeiten bietet und bereits vor mehr als 500 Jahren genutzt wurde. 

Tauchen im alten Marmorsteinbruch
Ein besonderes Taucherlebnis mitten im Erzgebirge ist ein See auf einer Höhe von 776 Metern in Crottendorf, ein Flächennaturdenkmal in Privatbesitz. Früher ein Marmorkalkbruch bestaunen heute Taucher die vielseitige Unterwasserwelt, zum Beispiel Hechte und Flussbarsche. Für Sporttaucher ist das Gewässer interessant, weil der Bruch ab 1973 im Grunde sich selbst überlassen wurde und das Grundwasser in dieser Zeit bis zu 24 Meter angestiegen ist. Ohnehin gibt es im Erzgebirge sehr viele Tauchschulen, in denen auch Urlauber einen Tauchschein erwerben können. 

Stand-up-Paddling auf dem Stausee
Urlauber, die Stand-up-Paddling ausprobieren möchten, haben unter anderem am Stausee Rabenstein die Möglichkeit dazu. Stand-up-Paddling ist eine Sportart, bei dem sich Sportler aufrecht auf einem schwimmfähigen Board mit einem Stechpaddel bewegen. Stand-up-Paddling hat sich mittlerweile zu einer beliebten Freizeitsportart entwickelt. Nachdem zunächst Surf- und Longboards verwendet wurden, haben sich im Laufe der Zeit spezielle Stehpaddel-Bretter etabliert. Auch als Laie sollte man daher ein Augenmerk auf die richtige Ausrüstung haben. Der Stausee Rabenstein mit seinem 400 Meter langen Sandstrand ist ein beliebtes Ausflugsziel rund zehn Kilometer von Chemnitz entfernt.

Wassersport am Vogtländischen Meer
Im Naturpark Vogtland/Erzgebirge liegt die Talsperre Pöhl, die auch Vogtländisches Meer genannt wird. Die Talsperre ist der drittgrößte Stausee im Bundesland Sachsen und liegt innerhalb einer reizvollen Landschaft, in der auch Wassersport-Fans auf ihre Kosten kommen. Insbesondere beim Stand-up-Paddling oder Windsurfen, wofür die Talsperre in Sachsen bekannt ist. Der See liegt nahe Plauen und wurde nach dem gleichnamigen Ort benannt. Auch Taucher besuchen das Gewässer gerne, denn die Ruinen der Grundmauern nahe der Staumauer gelten als ein beliebtes Ziel für Unterwassersportler. Unter Surfern ist besonders der Spot auf der Schlosshalbinsel im Norden beziehungsweise am Ostufer bekannt. Surfer, die das Vogtländische Meer bereits erprobt haben, berichten davon, dass insbesondere Winde aus West-Nordwest bis Nordwest am günstigsten sind. Doch auch bei südlichen Winden ist Surfen möglich. Eine ansässige Surfschule bietet Neueinsteigern entsprechende Kurse an. Die Saison dauert von Mai bis September; in der übrigen Zeit ist Surfen aus Naturschutzgründen verboten. Rossau mitten im Grünen nahe Chemnitz gibt es außerdem Gelegenheit, Wasserski und Monoski oder auch Wakeboard zu fahren. Eine weitere Anlage für Wassersport ist der Kanupark Markkleeberg am gleichnamigen, der zu den modernsten Wildwasseranlagen gehört. 

Angeln im Erzgebirge 
Zu Wassersport zählt  auch Angelsport - deshalb: auch für leidenschaftliche Petrijünger ist das Erzgebirge ein Dorado. Zschopau, die Talsperren Saidenbach und Eibenstock oder der Hölteich zum Beispiel sind Gewässer, in denen Hecht, Karpfen, Aal & Co zu Hause sind. Insgesamt sind es 60 Gewässer, an denen Angeln möglich ist. Wer also Urlaub macht, um ausgiebig die Angelrute auszuwerfen, ist im Erzgebirge richtig.