Pyramide der Bergbaugeschichte Gernot Dahnke aus Beierfeld hat diese Pyramide selbst gebaut. Sie ist in zweifacher Hinsicht sehenswert: Auf ihren Tellern drehen sich historische Massefiguren, ihr Unterbau ist ein Labyrinth der Bergbaugeschichte.

Foto: Lars Rosenkranz

Beierfeld: "Unterwelt" einer Pyramide fasziniert

Das Erzgebirge wäre nicht das Weihnachtsland, wenn es nicht all die Tüftler und Bastler gebe, die den überlieferten Traditionen immer wieder neue Impulse verleihen. Zu diesen Bewahrern und Weiterentwicklern gehört auch Gernot Dahnke aus Beierfeld. Sein Weihnachtsberg ist etwas ganz Besonderes: Er steckt in einem sehenswerten Unterbau der von ihm selbst gebauten Pyramide.

Diese wiederum hat der heute 71-jährige gebürtige Schwarzenberger bereits in den 1960e-Jahren gebaut. "Nach dem Vorbild der fünfeckigen Schwarzenberger Pyramide", wie er betont. Seit vielen Jahren schon lebt das Ehepaar Dahnke in Beierfeld, und seit 2006 hat der versierte Hobbybastler seine Pyramide mit einem kleinen Wunderwerk von Bergwerk "untermauert".

Nur etwa 20 Zentimeter ist der Unterbau hoch, aber sein Inneres eröffnet dem Betrachter - von allen fünf Seiten - einen beinahe realistischen Einblick in die jahrhundertelange Bergbaugeschichte, die das Erzgebirge geprägt hat. Ganz im Inneren läuft eine Wasserkunst - gebaut nach historischen Aufzeichnungen des alten Georgius Agricola, dem "Vater der Mineralogie", wie er auch genannt wird.

Winzige Hölzer und Winkel bewegen die Züge und pumpen auf diese Weise das Wasser. Alles dreht und bewegt sich, nur das Wasser ist nicht wirklich nass, sondern fingiert durch ein silbernes Band.

An jeder Seite überrascht ein anderes Stollenmundloch: So hat der Modellbauer einen deutschen und einen polnischen Türstock sowie einen Polygonausbau aus Holz nachgebaut, aber auch ein klassisches Stollenmundloch des Altbergbaus mit Schlussstein gemauert - alles aus winzigen Hölzern oder Steinen. Und egal von welcher der Seiten man ins unterirdische Labyrinth hineinschaut, immer wird man in der jeweils dargestellten Epoche des Bergbaus winzige Details erkennen, die den Betrachter ins Staunen versetzen: So leiert ein Haspelknecht beispielsweise an der Seilwinde einen Eimer empor, der nicht größer ist als eine Erbse und dennoch aus 20 hauchdünnen Furnierstreifen von Dahnke selbst gebaut wurde. Sogar der Drahthenkel des Eimers lässt sich mühelos bewegen.

Auch die Hunte, mit denen das Gestein transportiert wird, sind unterschiedlich in ihrer Form und der jeweiligen Ära entlehnt. "Selbst gebaut", sagt Gernot Dahnke wie selbstverständlich. Sogar das Grubenlicht, das mal am Hunt oder vor der Brust des Bergmanns hing, um Licht ins Dunkel zu bringen, ist selbst gebaut. "Das Licht da drin ist die Kuppe eines Krautrouladenspießes", verwirrt der Bastler mit seinem Einfallsreichtum.

Tausende Details kann er nennen, mit denen er sein Unikat zu einem winzigen Wunderwerk hat werden lassen - in etwa drei Jahren von 2003 bis 2006 und geschätzten gut 800 Arbeitsstunden.

Dass der heute 71-Jährige mehr als 40 Jahre beim Telefonwesen der Post gearbeitet hat, lässt sich an seinem Heimatberg unschwer erkennen. Denn eine Telefonverbindung "nach oben", sprich nach Übertage, gab es im Bergbau ebenfalls über viele Jahre. Und so gehören das Grubentelefon und ein Erste-Hilfe-Kasten genauso zur Ausbaustrecke der Wismut-Ära (2. kleines Foto von oben) wie die massiven Kabelstränge und die Wetterlutten. "Solche Lutten wurden übrigens hier bei uns in Beierfeld gefertigt, aus gewachster Pappe. Daraus wurden früher auch Erzeimer gemacht", weiß Dahnke fachkundig zu ergänzen.

So reiht sich ein Baustein an den anderen. Natürlich wohnt und erscheint in seinem Bergwerk auch ab und an ein Berggeist, ist eine Druse zu entdecken und schlägt eine kleine Häuerglocke. Sogar eine gelbe Telefonzelle gibt es - außerhalb, also Übertage. In dieser erkennt man nicht nur den alten Münzautomat, sondern auch ein Telefonbuch. Das winzige Relikt in Gelb ist etwa 2,5 Zentimeter hoch.

"Alle Steine, die ich für die äußere Verkleidung verwendet habe, stammen aus unserer Gegend", erklärt der Beierfelder und zeigt auf: Marmor vom Schacht der Gelben Birke, verweist auf roten und blauen Granit, auf Quarzglimmer, auf Lößnitzer und Hartensteiner Schiefer sowie Augengneis. Besonders stolz ist er auf die Granaten, die er beim Wandern mit seiner Frau im Umfeld der Katzensteiner Wiesen fand und die ebenfalls an der Front seines Bergwerks zu sehen sind. Und die Figuren stammen von Zinngießer Bernd Sparmann aus Schneeberg.

Während Gernot Dahnke im Keller baut und bastelt, sitzt seine Frau an der Nähmaschine oder stopft Kuscheltiere, die sie für bedürftige Kinder näht. So haben beide ihren Zeitvertreib, bei dem sie sich nicht selten auch gegenseitig Ratschläge geben. Und für manche "Lösung" wurde lange gemeinsam getüftelt und überlegt.

So zum Beispiel um die Antwort auf die Frage: Wo läuft das Wasser hin? Einfach raus ins Nichts. Das geht für einen Mann wie Dahnke nicht. Also mussten Auffangbehälter für das Grubenwasser her. Und so erfand er die Ma-Gö-Tö, die Manfred-Götze-Töpfchen. Dabei handelt es sich um winzige bepulverte Puppengeschirrtöpfe, in die das "imaginäre Grubenwasser" läuft. Manfred Götze, mit dem er befreundet war und der in seiner Firma in Bernsbach einst auch Puppengeschirr hergestellt hat, war bekannt für seine Vorliebe, was Abkürzungen angeht, erzählt der Rentner.

Das neue Projekt des Beierfelders ist eine "Sommervariante" für seinen Heimatberg, der viel zu schade ist, um über Monate "unsichtbar" in einer Kiste zu schlummern. "Ich habe bereits eine alte Grubenlok nachgebaut. Die soll künftig auf einem Endlos-Schienenstrang durch eine Gebirgslandschaft fahren, die anstatt der Pyramide als neuer Aufsatz dienen kann. "Dann könnte man das kleine Bergwerk auch das ganze Jahr über stehen lassen", meint er.

 
erschienen am 05.07.2012 (Von Beate Kindt-Matuschek )
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Artikel weiter empfehlen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wetter

Hier finden Sie lokale Prognosen und den 4-Tage-Trend für viele Orte des Erzgebirges sowie die Wetterrekorde der Region.

weiterlesen