Gerald Nötzel bei seinem Hobby, der Brandmalerei. Der Brünloser Gerald Nötzel bei seinem Hobby, der Brandmalerei.

Foto: Maik Bohn

Brünlos: Gerhard Nötzel erschafft einzigartige Holzbilder

Ein Bild mit Katzen hat sich die achtjährige Diana gewünscht. Und ein Stubentiger soll darauf mit einem Wollknäuel spielen. Für Gerald Nötzel ist es Ehrensache, den Wunsch der Enkelin zu erfüllen. Jetzt ist das Kunstwerk fertig. Farbe, Pinsel oder Stift benötigte der Brünloser aber dafür nicht. Zum Zeichnen verwendete Gerald Nötzel einen glühenden Spezialdraht.

Klingt abenteuerlich, ist aber eine traditionelle Volkskunst zur Verschönerung von Holz, Leder, Stoff oder Kork. Brandmalerei nennt man die Technik, mit der man mittels eines heißen Eisens oder Drahtes Motive in Holz brennt. Ausgeübt wurde die Brandmalerei schon vor Jahrhunderten, allerdings mit ganz einfachen Mitteln.

Nötzel war 13 Jahre alt, als er sich das erste Mal mit der Brandmalerei beschäftigte. Sein Vater Klaus hatte einen regelbaren Eisenbahntrafo für diesen Zweck umgebaut. Und der Sohn war neugierig: Was kann man damit machen? Vorsichtig entstanden Linien und Bögen.

"Viel später sah ich das Porträt eines beeindruckenden Mufflons in einer Jagdzeitung. Und sofort kam mir der Gedanke: Das ist es", erinnert sich Gerald Nötzel. Ein Stück Sperrholz war schnell gefunden und los ging es mit der Brandmalerei. "Das Ergebnis? Naja, ging so."

Entmutigen ließ er sich von diesem eher bescheidenen Anfang aber nicht. Doch bis die Qualität der heutigen Bilder erreicht war, zahlte Gerald Nötzel jede Menge "Lehrgeld". Bei verschiedenen Hölzern, die er ausprobierte, musste er feststellen, dass sie sich nicht für den gewünschten Zweck eignen, weil sie zu weich und langfasrig oder nicht astfrei sind.

Motive kommen aus der Natur

"Man muss ein Auge und Gespür für die Verhaltensweisen von Tieren und Pflanzen haben. Nur dann entstehen detailgenaue Bilder, nahe am Original", erklärt der 53-Jährige. Darauf legt er auch besonderen Wert. "Es sollte schon erkennbar sein, was gemeint ist."

Die Motive für seine Brandmal-Bilder kommen aus der Natur. Beim Streifzug durch Wälder und Wiesen hält er mit der Kamera oder im Gedächtnis fest, was sich später auf den Birkenscheiben verewigen lässt. Aber auch Fotos von geliebten Haustieren hat er als Erinnerung für die Besitzer schon auf Holzscheiben gebrannt.

60 Stunden für eine Scheibe

Entstanden sind in den vergangenen 40 Jahren Hunderte einzigartige und individuelle Holzbilder mit unterschiedlichen Vogelarten, Fischen, Reptilien, Waldtieren oder Käfern und Schmetterlingen, die sich auf Bäumen und Blüten tummeln. Unschwer zu erkennen ist Gerald Nötzels Leidenschaft für großblättrige Pflanzen wie die Monstera.

Meist sieht Gerald Nötzel schon an der äußeren Form welches Motiv passen könnte. Ehe er mit seinem Spezial-Brennstift oder einem handelsüblichen Brennkolben ans Werk geht, zeichnet er mit einem harten Bleistift die Konturen des Bildes grob vor. Denn nicht nur der Mittelpunkt muss stimmen, wichtig ist auch das Umfeld mit Ästen, Blüten, Farnen oder Moosen.

Den Aufwand, der in einem Brandmal-Bild steckt, sieht man auf den ersten Blick nicht. Für eine Scheibe mit einer Größe 50 mal 28 Zentimeter, bemalt mit Hirschen im Wald, benötigt Gerald Nötzel etwa 60 Stunden. "Das Hobby macht mir viel Spaß, es ist für mich eigentlich meist keine Arbeit, sondern Entspannung."

 
erschienen am 05.07.2012 (von petra wötzel)
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Artikel weiter empfehlen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wetter

Hier finden Sie lokale Prognosen und den 4-Tage-Trend für viele Orte des Erzgebirges sowie die Wetterrekorde der Region.

weiterlesen