Uwe Kolonko zeigt eine Luffaschwammgurke Uwe Kolonko zeigt eine Luffaschwammgurke, die in subtropischen Gebieten gedeiht. Aus diesem Material fertigt er Spielzeugbäumchen, wie sie auf Heimat- und Weihnachtsbergen sowie Modelleisenbahnanlagen zu sehen sind.

Foto: Andreas Tannert

Burkhardtsdorfer Uwe Kolonko führt besondere Baumschule

Die "Baumschule" von Uwe Kolonko lässt die Herzen von Liebhabern erzgebirgischer Volkskunst höher schlagen. Fast waren sie schon in Vergessenheit geraten - die früher in Spielzeugstuben beliebten Luffabäumchen, hergestellt von erzgebirgischen Spielzeugmachern.

Als Material sind Reste aus der Schuhproduktion, wo der Schwamm als Dämmmaterial Verwendung fand, verarbeitet worden.

Das großporige Naturmaterial war damals leicht zu bekommen, billiger als Holz, gut einzufärben und zu verarbeiten. Anfänge der Luffabaumherstellung sind etwa aus den Jahren 1850/60 bekannt. In alten Spielzeug-Musterbüchern wurden vielfältige Beispiele dargestellt. Nach 1950 verdrängte Plaste die Verwendung von Luffa.

Die Bäumchen, Laub- und Nadelbäume, aber auch Hecken und allerlei Gesträuch sind auf liebevoll gestalteten Heimat- und Weihnachtsbergen, auf Paradiesgärten, Pyramiden, "Fansterbrattln" oder historischen Modellbahnanlagen großer Spurweite zu sehen.

Beliebt waren sie auch für die Gestaltung von Spiellandschaften. "Heute sucht man die Bäumchen oft vergebens", weiß der gelernte Maschinenbauer. Und so hatte vor mehr als zehn Jahren der "Bäumelmacher" aus Meinersdorf die Idee, das alte erzgebirgische Handwerk der Herstellung von Bäumchen aus Luffa wieder aufleben zu lassen.

Nach alten Vorbildern hat sich der heute 45-Jährige in seiner Burkhardtsdorfer Werkstatt autodidaktisch an die Fertigung herangetastet. "Schwierig war vor allem das Herausfinden der Farbmischung für die Bäume zu verschiedenen Jahreszeiten", erklärt der verheiratete Vater einer Tochter und eines Sohnes. Deshalb bleibt das Resultat der Forschung auch sein persönliches "Betriebsgeheimnis".

Das Rohmaterial, zu 50-Kilogramm-Paketen gepresste Luffa-Schwämme, bezieht Uwe Kolonko von Händlern aus Südamerika. Mit geübten Schnitten trennt er die Schwammteile. Das sieht zwar leicht aus, aber für das Zerteilen des holzähnlichen Geflechtes braucht man doch unerwartet viel Kraft. Dann entstehen die Laubbäume, der Verschnitt wird später für dekorative Nadelbäume gebraucht. Als Stamm für die Luffa-Bäume dienen bebeizte Rundhölzer oder Naturäste. Für den Sockel stehen "Pritscheln" aus Holz oder gedrückte Massefüße bereit.

Und auch diese Masse-Mischung hat sich der geschickte Handwerker durch Probieren selbst erarbeitet. "Für die Mischung gibt es kaum Rezepte. Die wurden von den Spielzeugmachern mit ins Grab genommen oder vererbt." Neben "Standardbäumen" werden auch Sonderwünsche erfüllt - (fast) alles, vom Minibäumchen bis zur Riesentanne, ist machbar. Grenzen setzt allerdings die Größe der Schwämme.

Aber alles ist zu 100 Prozent Handarbeit, versichert Uwe Kolonko. Mit einer "mobilen Werkstatt" gibt der Meinersdorfer zu Tagen des historischen Handwerkes und auch bei separaten Vorführungen der althergebrachten Technologie auf Festen und Märkten Einblick in die Wunderwelt der Spielzeugbäume.

 
erschienen am 05.07.2012 (Von Petra Wötzel)
 
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