Luftbild vom Zwickauer Dom St. Marien. Luftbild vom Zwickauer Dom St. Marien.

Foto: Marcus Richter

Dom St. Marien in Zwickau beherbergt viele Kunstschätze

Die spätgotische Kirche ist 1565 fertiggeworden. In ihrer ursprünglichen Form mit gotischem Turm ist sie allerdings nur noch auf dem Epitaph (Andachtsbild, das einem Verstorbenen gestiftet wurde) zu sehen, das sich als Dauerleihgabe der Kirchgemeinde in den Städtischen Kunstsammlungen befindet. Nach der Restaurierung des Kunstwerkes soll sie in den Priesterhäusern ausgestellt werden. Der Kirchturm brannte 1650 ab. Anschließend bekam er die bis heute erhaltene Barockhaube.

1935 ist die Marienkirche wie weitere große deutsche Kirchen zum Dom erhoben worden, obwohl es sich um keinen Bischofssitz handelt. "Im Westen Deutschlands wurden diese Gotteshäuser später wieder in Kirche umbenannt. Nicht so in der DDR. So siegelt man hier bis heute als Dom", weiß Dombaumeister Michael Kühn, der sich seit fast 30 Jahren mit dem sakralen Bauwerk beschäftigt.

Der reich verzierte Dom ist schon von außen ein Hingucker. In seinem Inneren gibt es aber noch mehr Sehenswertes. Dazu zählen die Fenster im Chorscheitel mit Farbverglasung von Bruno Urban nach einem Entwurf von Anton Dietrich von 1889/90. Genau wie die Doppelwendeltreppe, die Ende des 15. Jahrhunderts auf Anregung des sächsischen Landesbaumeisters Arnold von Westfalen geschaffen worden sein soll. Auf der Treppe können zwei Leute nebeneinander und sich an den Händen haltend hinaufsteigen, ohne sich zu sehen.

Links und rechts neben dem Wolgemut-Altar stehen evangelische Beichtstühle. "Über diese staunen die Besucher immer wieder. Auf dem gepolsterten Stuhl saß der Pfarrer, auf dem anderen der Beichtende. Die Stühle werden aber nicht mehr genutzt", erzählt Kühn.

Ein weiterer Hingucker ist die Kanzel, die Paul Speck 1538 schuf. "Sie befand sich früher an der mittleren der fünf Säulen. Nachdem die Kirche aber um den Chorraum erweitert wurde, rückte man sie an die erste Säule, sodass sie sich wieder etwa in der Mitte des Gotteshauses befindet", erläutert Kühn. Er berichtet, dass sie 1954 beim Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Durch die Stiftung Dr. Gaugele wurde die Kanzel 1960 restauriert. Allerdings sind inzwischen die Versalzungen wieder durchgekommen, sodass eine erneute Restaurierung nötig ist.

Dass der Dom noch viele Kunstwerke aus der Zeit vor der Reformation beherbergt, hat gute Gründe. "Während der Reformation war Hermann Mühlpfort Bürgermeister in Zwickau. Er war ein aufgeklärter Mann und mit Martin Luther befreundet", sagt Michael Kühn. "Luther riet dem Bürgermeister, für wertvolle Sachen eine Götzenkammer einzurichten, in der sie vor Zerstörungen geschützt werden. Das tat Mühlpfort."

Eine Besonderheit aus der jüngeren Vergangenheit ist die Orgel, die 1961 von der Bautzener Firma Eule eingebaut wurde. Sie ist der größte Orgelneubau der DDR.

Wer sich bei einer Besichtigung oder einem Gottesdienst genauer umsieht, der entdeckt überall in der Kirche Lote. Insgesamt hängen mehr als 40 herab. Sie zeigen, wie schief das Bauwerk ist. Kühn berichtet, dass es während des Steinkohlenabbaus unter der Stadt 3,80 Meter gesunken ist. Jetzt, da das aufsteigende Grubenwasser nicht mehr abgepumpt werde, sei es wieder um ein paar Zentimeter gestiegen.

 
(Von Viola Martin)
 
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