Eisenbahnviadukt in Leubnitz Das Eisenbahnviadukt in Leubnitz wurde 1845 fertig gestellt und erfüllt noch immer seinen Zweck.

Foto: Thomas Michel

Leubnitzer Viadukt besitzt große Schwester

172 Meter langes Bauwerk diente als Vorbild für den Bau der Göltzschtalbrücke im Vogtland

Das Viadukt im Werdauer Ortsteil Leubnitz zählt zu den markanten Eisenbahnbrücken in Westsachsen. Allerdings führt das Bauwerk im Vergleich zu der nur wenige Kilometer entfernten Göltzschtalbrücke eher ein Schattendasein. Dabei ist die Geschichte der Brücken eng miteinander verbunden. Beide Monumente sind Bestandteil der 167 Kilometer langen Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Hof, die Mitte des 19. Jahrhunderts die Sächsisch-Bayerische Eisenbahn-Compagnie bauen ließ. Die einzelnen Abschnitte wurden schrittweise in Betrieb genommen.

Am 19. September 1842 verkehrte der erste Zug auf dem 39 Kilometer langen Teilstück zwischen Leipzig und Altenburg, ab dem 15. März 1844 rollte der Schienenverkehr bis Crimmitschau, ein reichliches Jahr später bis Werdau. Danach kam der Bau ins Stocken. Für die Fortführung der bis Werdau ebenen Strecke mussten fortan tiefere Täler überwunden werden. Dazu war der Bau von größeren Brücken notwendig. Das Viadukt über das Leubnitztal war das erste große Bauwerk entlang der Strecke.

Für den Bau wurden Unmengen an Ziegeln benötigt. Dabei profitierte die Eisenbahngesellschaft von den Lehmvorkommen, die bei Vermessungsarbeiten in der Region entdeckt wurden. Rund um Leubnitz entstanden innerhalb von zwei Jahren mehrere Großziegeleien. In diesen waren die Brennöfen Tag und Nacht in Betrieb, um den Bedarf an Ziegeln für den Bau der 172 Meter langen und 23,50 Meter hohen Bogenbrücke über das Leubnitztal zu sichern. Im Frühjahr 1844 begannen die Arbeiten an der bis zu jenem Zeitpunkt größten ingenieurtechnischen Herausforderung entlang der geplanten Bahnstrecke in Richtung Bayern.

Das Viadukt, im Sommer 1845 fertig gestellt, war jedoch nur der Anfang von weiteren Bauwerken und galt als Vorbild für die Göltzschtalbrücke. Mit deren Bau wurde ein Jahr später begonnen. Dabei stellte die Brücke, die das Tal der Göltzsch zwischen den Orten Mylau und Netzschkau überspannt, das Leubnitzer Viadukt in den Schatten. Mit einer Länge von 574 Metern ist die Göltzschtalbrücke dreimal länger als die bei Werdau. Die Ziegel für das monströse Bauwerk - insgesamt 26 Millionen Stück - wurden größtenteils in Werdauer Ziegeleien gebrannt. Diese hatten nach Beendigung des Baus der Brücke über das Leubnitztal freie Kapazitäten.

Der Entwurf für beide Viadukte stammt von Oberingenieur Robert Wilke (1804 - 1889). Die Arbeiten leitete er von Werdau aus. Sein Büro hatte Wilke in einem kleinen Gartenhaus, das unterhalb des Werdauer Bahnhofes stand, eingerichtet.

Noch heute, 165 Jahre nach der Inbetriebnahme des Leubnitztal-Viaduktes, rollen über das markante Bauwerk die Züge von Sachsen in Richtung Bayern. Allerdings hat im Laufe der zurückliegenden Jahre der Schienenstrang an Bedeutung verloren. Verkehrten zu DDR-Zeiten auf der Strecke noch internationale Express-Züge wie der legendäre Karlex (Berlin-Karlsbad) oder Karola (Leipzig-Karlsbad), so beschränkt sich der Verkehr heute fast ausschließlich auf Nahverkehrsverbindungen zwischen Leipzig und Zwickau oder Plauen.

 
(Von Uwe Mühlhausen)
 
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