Räucherfigur August der Starke Heide Eibicht (im Hintergrund) zog die Räucherfigur August der Starke an. Die Puppengestalterin hat auch die Kleidung für die rauchende Olsenbande und das Schokoladenmädchen entworfen.

Foto: Toni Söll

Lichtenwalder Puppenklinik zieht August an

Fast ein wenig ins Schwärmen kommt Heide Eibicht: "August der Starke war wirklich ein schöner Mann, dem die Frauen seinerzeit nur so nachliefen. Er sah einfach stattlich aus und war immer gut gekleidet."

In der Version der Puppenmacherin aus Lichtenwalde wird der einstige polnische König von Sachsens Glanz und Preußens Gloria erst einmal schrumpfen müssen. So an die 30 Zentimeter wird er hoch sein, mit fein geschnitztem Gesicht, mächtig qualmend, wenn sie ihn in Samt und Seide kleidet. August der Starke ist das neueste, bereits auf der Leipziger Messe Cadeaux gefeierte Räuchermann-Exemplar aus der Neuhausener Holzkunstfirma von Armin Braun.

Hart umkämpftes Gewerbe

Mit einer pfiffigen Geschäftsidee ist dem Kunsthandwerker ein mächtiger Coup gelandet: In den vergangenen Jahren kamen bereits das Dresdner Schokoladenmädchen und das dänische Erfolgstrio Olsenbande in handgenähten Klamotten und als prominente Qualmer in Form von Räuchermännern und -frauen daher und beglückten ganz viele Kunden. Der sächsische Kurfürst geht als nächster in die Runde im hart umkämpften Gewerbe.

Für all die Mini-Kleidung, die jede Menge kreative Ideen, Fingerspitzengefühl und eine sichere Hand erfordert, liefert Heide Eibicht die Schnitte. Die Lichtenwalderin, die im Ort eine Puppenklinik hat und bekannt ist als "Frau Puppendoktor", erscheint den Brauns als ein zuverlässiger und guter Partner. Bei dem Dresdner Schokoladenmädchen etwa, bei dem der Qualm aus der Tasse dampft, hat sie lange überlegt, wo sie die hellblaue schmale Spitze fürs Häubchen herbekommt. Die Lösung fand die Puppenfrau, als sie durch die fein gezackte Spitze ein blaues Fädchen zog. Mehr als 1000 Häubchen und Tüchelchen werden es in der Zwischenzeit sein, die nach ihrem Muster in einer Markkleeberger Firma genäht wurden. Den dänischen Hobby-Ganoven der Olsenbande hat sie jedem seinen Look gegeben: Egon die Zigarre, Benny die karierte Jacke, Kjeld die flache Mütze.

Und Yvonne hat sogar ihren Hut bekommen, eigens von einer Hutmacherin angefertigt. Nun aber: König August. "Das war eine Herausforderung für mich, eine anspruchsvolle Aufgabe, das barocke Minigewand so nachzugestalten, dass es authentisch ist, auch ausländische Besucher eine Vorstellung bekommen", sagt die Fachfrau. Mit vielen Fragen ging sie dabei "schwanger": Wie legt man ein Mini-Wams so in Falten, dass es aussieht wie ein richtig stattliches Wams? Wie sind die "Overknees" zu gestalten? Wie die blaue Königsschärpe samt Adler? "Die Manschetten, die aus dem Ärmel ragten, mussten zum Beispiel langfasrig sein", erklärt die Gestalterin. Spitzen-Anregung habe sie sich unter anderem im berühmten schweizerischen Textil-Museum in St. Gallen geholt, das sie eigens besuchte.

Puppenfreunde holen Hilfe

Als eine der wenigen Handwerker in Sachsen betreibt sie eine Puppenklinik und -werkstatt. "Solch ein Handwerk wird weder gelehrt noch gut bezahlt", sagt sie. Seit zehn Jahren suchen aus dem Freistaat und darüber hinaus die Puppen- und Teddyfreunde den Rat der Lichtenwalderin, wenn es darum geht, Köpfe wieder zu kleben, Arme anzubringen, Finger zu leimen, kurz, den Kindheitsgefährten wieder neues Leben einzuhauchen.

Ein Leben ohne Puppen kann sie sich nicht vorstellen. Mit Puppen seien sie und ihre drei Schwestern aufgewachsen. "Auf den meisten Fotos, die es von uns gibt, waren unsere Puppen mit darauf." Weil, das macht sie deutlich: "Eine gute Puppe weckt immer den Beschützerinstinkt des Kindes. Sie wird sein Wegbegleiter, an ihm probiert sie den Alltag und seine Pflichten und Freuden und Fürsorge aus."

Deshalb hatte sich die Mutter zweier erwachsener Kinder erst nach dem Berufsleben eine eigene Puppenwerkstatt, in der sie sogar eigene Exemplare kreiert, ausgebaut. Die gebürtige Bernburgerin, die seit 34 Jahren in Lichtenwalde lebt ("Ein wunderschöner Ort mit vielen Sehenswürdigkeiten") besuchte Kurse der Volkskunstschule Oederan, war bei Fachleuten vor Ort. Lohnt der Aufwand? "Wenn Leute sich freuen, auf jeden Fall."

www.puppenklinik-sachsen.de

 
erschienen am 05.07.2012 (Von Eveline Rössler)
 
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