In einer Sonderausstellung im Motorradmuseum auf Schloss Augustusburg werden derzeit Motorräder der Marke Eigenbau präsentiert. In der Bildmitte ist ein strahlgetriebenes Zweirad von 1995 zu sehen. In einer Sonderausstellung im Motorradmuseum auf Schloss Augustusburg werden derzeit Motorräder der Marke Eigenbau präsentiert. In der Bildmitte ist ein strahlgetriebenes Zweirad von 1995 zu sehen.

Foto: Toni Söll

Motorräder der Marke Eigenbau auf Schloss Augustusburg

"Motorräder sind normalerweise Großserienprodukte und werden zu Tausenden ohne größere technische und optische Unterschiede produziert", erklärt Uwe Meinig, Leiter der Museen der Schlossbetriebe gGmbH. "Es gibt aber immer wieder begeisterte Motorradfahrer, die sich damit nicht zufriedengeben und sich ein eigenes Motorrad nach ganz individuellen Vorstellungen konstruieren", ergänzt der Museumsleiter. Dabei entstehen Unikate, die das Herz eines jeden Motorradfans höherschlagen lassen. Sieben dieser Kunstwerke sind derzeit im Rahmen einer Sonderausstellung im Motorradmuseum auf Schloss Augustusburg zu sehen. Präsentiert werden Eigenbau-Motorräder, die zwischen 1928 und 1998 entstanden sind.

Einblick in außergewöhnliche Motorradtechnik

Zu der außergewöhnlichen Motorradtechnik, die in Europas bedeutendstem Motorradmuseum zu bewundern ist, zählt beispielsweise eine Horex Imperator mit Honda-Motor und vielen MZ-Teilen. Konstruiert und erbaut wurde das imposante Fahrzeug von Peter Franke im damaligen Karl-Marx-Stadt ab 1975. Fünf Jahre benötigte der "Edelbastler" unter den schwierigen Bedingungen zu DDR-Zeiten, um alle Einzelteile zu besorgen. Allein das Beschaffen des Honda-Motors war zur damaligen Zeit eine gefährliche und abenteuerliche Angelegenheit. Staunenswert ist auch die Bison 900V4 von Axel Frey, der gleich mit zwei Konstruktionen in der Ausstellung vertreten ist. Uwe Meinig: "Bei der Bison handelt es sich um ein Eigenbau-Motorrad aus MZ-Teilen und einem Pkw-Motor des sowjetischen Typs Saporoshez. Das Fahrzeug entstand zwischen 1977 und 1983 und sollte den Ansprüchen an ein robustes Reisemotorrad gerecht werden." Bei einer Gesamtmasse von 234 kg und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde wurde dieses Motorrad bisher 82.718 Kilometer durch Europa bewegt, davon 14.629 Kilometer mit Anhänger. Auf Treffen der einschlägigen Edelbastler-Szene erhielt es zahlreiche Preise.

Das sowohl vom optischen Eindruck als auch von der technischen Konstruktionsweise wohl ungewöhnlichste Exponat ist das Wasserdampf- Druckstrahl-Zweirad von Siegfried Roßberg aus Luckenwalde. Dieses Gefährt arbeitet mit einer Betriebstemperatur von 250 Grad Celsius und einem Betriebsdruck von 40 Bar. Mit 15 Litern Wasser als Tankinhalt reicht es bei 120 Kilopond Schub zu einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometer Pro Stunde allerdings nur für vier bis fünf Sekunden. Komplettiert wird die Ausstellung von einem DKW-Holzrahmen Fahrzeug aus dem Jahr 1928, zwei Sportfahrzeugen (einem Trial- und einem Straßenrenn-Motorrad) aus den 1980er Jahren sowie einer MZ ZM 650 mit dem Triebwerk einer Moto Guzzi aus dem Jahr 1996. "Für solche Eigenbauten ist viel technisches Verständnis, handwerkliches Können und großer finanzieller und persönlicher Einsatz nötig", sagt der Museumsleiter und Kurator der Ausstellung. "Die Konstruktionen, die wir im Schloss Augustusburg zeigen, beeindrucken allesamt durch einen fast unbegrenzten Einfallsreichtum und das handwerkliche Geschick ihrer Erbauer."

Service

Die Sonderausstellung " Eigenbauten von Edelbastlern" ist im Motorradmuseum im Schloss Augustusburg täglich 9.30 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 6 Euro (ermäßigt 5 Euro), eine Familienkarte 16 Euro.

 
erschienen am 13.08.2013 ( Von Verena Toth )
 
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