August Horch (links) mit Rudolf Stöss auf dem Zwickauer Hindenburgplatz (heute Platz der Völkerfreundschaft).

Foto: Ralph Koehler/propicture

Endlich Antworten auf die Frage: Wer war dieser Horch?

Zwickau. Nur 24 Jahre hatte August Horch mit dem Automobilbau zu tun. Er starb 1951 als 82-Jähriger. Was war es, was den Gründer der Horch- und Audi-Werke zu einem Ingenieur der ersten Stunde machte? Wie hat er erfahren, dass es Kutschen mit Verbrennungsmotoren gibt? Was war dieser Horch überhaupt für ein Mensch? Alles Fragen, vor denen André Meyer, Kurator der neuen Sonderausstellung im August-Horch-Museum, vor Monaten stand. Jetzt präsentiert er an sieben Stationen einer Sonderausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von August Horch die Antworten. Und Meyer stieß bei seinen Recherchen auf Informationen, die selbst ihn überraschten.

Laut Museumschef Thomas Stebich war der Aufwand für diese Ausstellung, die gemeinsam mit der Zwickauer Agentur Ö-Konzept entwickelt wurde, weitaus größer als der der Trabi-Ausstellung. "Einfach nur 20 schöne Horchs zeigen, das war nicht unser Ansinnen." Doch Horch war kein großer Briefeschreiber. Und ein großer Bestand an Akten gilt als verschollen. Kurator Meyer suchte in Archiven, Büchern, den wenigen Briefen und in Erzählungen der Enkelin. Dennoch sei das Bild der Person, die das Produkt erschaffen hat, nicht vollständig. Und natürlich ist auch das Produkt zu sehen, etwa ein Benz Velo (1898) und ein Phaeton (1900). An der Rennsportstation sieht man zudem schwere Renntrophäen, darunter eine Neuanschaffung des Museums: das tanzende Ehepaar, ein Pokal des Wiener Automobilclubs für eine Alpenfahrt 1914.

Bis Bulgarien, heißt es in der Ausstellung, ist der junge Horch gewandert, als er wie viele seiner Zeitgenossen damals auf der Walz war. Sein Antrieb war die Neugier, er bezeichnete sich selbst als "gierig nach neuen Arbeiten". Er studierte in Mittweida, arbeitete als Konstrukteur in Rostock, Leipzig und bei Carl Benz in Mannheim, eröffnete 1899 in einem Kölner Pferdestall seine erste Firma, fand jedoch erst in Zwickau einen Investor, der das Potenzial in seinen Entwicklungen erkannte. Anfang des 20. Jahrhunderts begründete er die Zwickauer Automobilbautradition.

1937 wollte er allerdings "fort von Zwickau ... an die Quelle", nach Berlin. Dort fielen viele Entscheidungen. Auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, heißt es in der Ausstellung, hatte er weder mit Begeisterung noch Widerstand reagiert. Ehrungen durch die neuen Machthaber sei er nicht abgeneigt gewesen. Nach dem Krieg floh Horch nach Oberfranken. Die Auto-Union war enteignet, auch sein Konto beschlagnahmt worden. Horch verdiente sich als Publizist und Berater seine Brötchen. 1951 starb er mittellos, "Tisch, Stuhl, Mantel und Jacke waren ihm geblieben", sagt Stebich.

Die Sonderausstellung ist bis zum 27. Januar 2019 im August-Horch-Museum, Audistraße 7, zu sehen. Sie befindet sich in einem separaten Raum ganz im hinteren Teil, gleich rechts neben den duftenden Westpaketen.

 
erschienen am 19.10.2018 ( Von Uta Pasler )
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Artikel weiter empfehlen
 
 
 
 
 
 
Kur- & Wellnessurlaub in Sachsen
wellnesshotel24.dewellnesshotel24.de

Eines der führenden Portale im Bereich Wellnessurlaub, wellnesshotel24.de bietet eine große Auswahl an Wellnesshotels, Spa- und Beauty Resorts und Verwöhnhotels im Erzgebirge und ganz Deutschland...

weiterlesen