Neunerlei Karl-Heinz Buschmann serviert das Neinerlaa im gleichnamigen Annaberg-Buchholzer Ratskeller. Der Gast bekommt dabei von der Linsensuppe bis zur Gänsekeule alles auf einem Teller kredenzt und wird mit sämtlichen Hintergründen zur Bedeutung der Speisen versorgt.

Foto: Brigitte Streek

Original Erzgebirge: Das Neunerlei

Neinerlaa - so heißt seit Generationen das traditionelle Heiligabend-Essen im Erzgebirge. Aber was ist das eigentlich, wo kommt es her und was gehört dazu? Einen ersten Anhaltspunkt liefert das Heilig-Ohmd-Lied, das am Heiligabend mit Sicherheit in vielen Stuben des Erzgebirges zu hören sein wird. Darin heißt es: "Mir hom aah Neinerlaa gekocht, a Worscht un Sauerkraut. Mei Mutter hot sich oh geploocht, die alte gute Haut." Zu Papier gebracht hat diese Zeilen die 1784 in Annaberg geborene Johanne Amalie von Elterlein.

Also: Wurst - meist Bratwurst - und Sauerkraut sind schon einmal zwei Bestandteile. Doch es gibt noch viele mehr. Welche das sind, ist wiederum von Region zu Region unterschiedlich. Typisch für Seiffen ist zum Beispiel die Hagebuttensuppe, sagt Sven Krallert vom dortigen Landhotel zu Heidelberg. Sie gehört im Spielzeugdorf einfach zum Neinerlaa dazu. Weitere Bestandteile sind Linsensuppe, Bratwurst, Herings- und Selleriesalat, Kartoffeln, Sauerkraut, Schweine- oder Kasslerbraten, Kartoffelsalat sowie Blut- und Leberwurst püriert.

Im Hotel Blauer Engel in Aue wird am Mittwochabend, 18 Uhr für die rund 80 Gäste aus nah und fern als erstes Buttermilch serviert. Danach gibt es Nudeleintopf mit Geflügelklein und anschließend Hirsebrei, rote Beete sowie Ölhering, "um den Magen zu beruhigen", sagt Inhaber Tilo Unger. Die weitere Speisenfolge sieht als Salat zubereitete saure Linsen vor, grüne Frotzen mit Pilzsoße, Gänse- beziehungsweise Kaninchenbraten mit Sauer- oder Rotkraut, Klöße, Sellerie und Kirschkompott. Wichtig dabei: "Wer etwas übrig lässt, findet nicht sein Glück", verweist Unger.

Wenn von Neinerlaa die Rede ist, kommt man - zumindest in Annaberg-Buchholz - nicht um selbiges herum. Die Rede ist vom Ratskeller "Zum Neinerlaa". Bis zur Lichtmess am 2. Februar tischt das Team um Inhaber Karl-Heinz Buschmann dort täglich die kulinarische Köstlichkeit auf. Das Besondere daran: Alles wird auf einem großen Teller serviert. Dieser enthält: Semmelmilch mit Nüssen, Linsensuppe, Bratwurst, grüne Klöße mit Pilzsoße, Schweinebraten, Sauerkraut, Selleriesalat, Rote-Beete-Salat und Bratapfel in Vanillesoße.

Ähnlich sieht das Neinerlaa in der Schwarzenberger Ecke aus - zumindest nach Version des Landgasthofes Neitsch. Die Unterschiede dort: Statt Semmelmilch gibt es Semmelauflauf mit Vanillesoße und statt Bratapfel hausgemachtes Heidelbeer- und Bratapfeleis. Und vorweg steht Heringshäckerle mit Apfel-Rote-Rübensalat auf der Speisekarte.

Die fünfte unter die "Lupe" genommene Region - Zwönitz und Umgebung - liefert auch die fünfte Variation des erzgebirgischen Heiligabend-Gerichtes. Neben Brot-Salz wird der Gaumen zum Beispiel im Hotel Ross zunächst mit Heringssalat verwöhnt, dem Hirse mit gegrillter Bratwurst folgt. Den Höhepunkt stellt laut Chefkoch Udo Zieger die Entenkeule mit Kloß und Rotkraut dar. Als Dessert kreiert er einen Heidelbeer-Buttermilch-Getzen.

Diese Beispiele belegen die Worte von Manfred Blechschmidt, Kenner des erzgebirgischen Brauchtums: "Das typische Neinerlaa oder das Original gibt es nicht. Was im Erzgebirge an Heiligabend aufgetischt wird, geht meist auf eine lange Tradition in den Familien zurück." Eines wird aber versucht überall einzuhalten: Neun Speisen gehören auf den Tisch, dreimal drei ist neun, und die Zahl drei war schon immer eine Glückszahl.

 
 
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