Rund 30 Jahre lang verkörperte Matthias Brade den Kurfürsten auf unvergessliche Weise beim traditionellen Silvesterblasen im Schlosshof oder bei Sonderführungen.

Foto: ©ASL Schlossbetriebe gGmbH

Samt, Pelz und Gold: Besonderes Kostüm im Schlossmuseum Augustusburg

Der sächsische Kurfürst August (1526-1586) liebte Glanz und Gloria. Seine Kostüme sind ein Feuerwerk edler Materialien. Auf dem Altarbild von Lucas Cranach d. J. (1571) in der Augustusburger Schlosskirche trägt er ein Wams und eine Samthose mit breiten Samtbändern, beides mit Goldstickereien, eine Mühlsteinkrause mit Spitzenrand und einen Mantel mit Nerzkragen. Die originalen Kleidungsstücke haben sich nicht erhalten. Doch vor einigen Jahren entstand das Gewand als Nachschöpfung für den Musiker und Schauspieler Matthias Brade neu. Nun ist das Kostüm als Dauerleihgabe im Schlossmuseum Augustusburg zu sehen.

Bei aller Nähe zum Original der Renaissance vereinigt das Kostüm DDR und BRD auf besonders elegante Weise. Die beflockten roten Samtknöpfe stammen aus der Produktion des Knopfgroßhandels Apolda, mutmaßt Undine Rösner-Ehrlich. Sie war lange Jahre Gewandmeisterin des Theaters Junge Generation (Dresden) und für die Nachschöpfung des Kostüms verantwortlich. Sie vermutet sogar, dass die Knöpfe die letzten ihrer Art gewesen sein könnten, die zu DDR-Zeiten hergestellt wurden. Die Lederstiefel stammen dagegen von der Firma Harr aus dem oberschwäbischen Ravensburg. Die Figurine übrigens, auf der das Kostüm in der Ausstellung gezeigt wird, ist eine Stiftung des Förderkreises Schlössergemeinschaft Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde e.V.

"Das Kostüm ist eine ausgezeichnete Ergänzung unserer Ausstellung zur Jagd und Hofhaltung", so die Geschäftsführerin der ASL-Schlossbetriebe gGmbH, Patrizia Meyn. Ob der Kurfürst das Gewand, wie Cranach es auf dem Altarbild darstellte, je in Augustusburg getragen hat, ist freilich nicht überliefert. Urkundlich belegt ist jedoch, dass der Auftrag zum Bau des Jagdschlosses von ihm stammte. Vielleicht war er sogar der Urheber des ersten Entwurfs. Auch der Altar der Schlosskirche, auf dem der Kurfürst und seine Familie unter dem Kreuz dargestellt sind, war ein Auftrag Augusts.

Rund 30 Jahre lang verkörperte Matthias Brade den Kurfürsten auf unvergessliche Weise beim traditionellen Silvesterblasen im Schlosshof oder bei Sonderführungen. Am 9. August 2018 verstarb Brade im Alter von 68 Jahren ganz unerwartet. "Ich wollte das Kostüm auf keinen Fall verkaufen", sagt Undine Rösner-Ehrlich. Sie hat nicht nur das Kostüm inklusive Hut angefertigt, sondern sie ist auch die Schwester von Matthias Brade. "Die Dauerleihgabe für Augustusburg sehe ich auch als Gedenken für meinen verstorbenen Bruder."

Öffungszeiten
Schlossmuseum (Kutschenmuseum, Ausstellung zur Jagd und Hofhaltung, Jagdtier- und Vogelkundemuseum), Motorradmuseum: täglich 9.30-18 Uhr (April-Oktober), 10-17 Uhr (November-März

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- Cranach-Altar_2015(c)Rainer Weisflog

 
erschienen am 09.09.2019
 
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