Noch bis Ende Oktober ist im Seiffener Spielzeugmuseum die Jubiläumsausstellung zu sehen. Noch bis Ende Oktober ist im Seiffener Spielzeugmuseum die Jubiläumsausstellung zu sehen.

Foto: Spielzeugmuseum Seiffen

Spielzeugmuseum in Seiffen lädt zum Staunen und Stöbern ein

Klaus Merten, der 76-jährige Seiffener mit dem Kaiser-Wilhelm-Bart, hat zum Spielzeugmuseum im Dorf eine besondere Beziehung. Nicht nur weil er dort ab 1959 ein reichliches Vierteljahrhundert als Restaurator arbeitete. Er hat auch dem heutigen russischen Staatschef Wladimir Putin das Museum erklärt, ohne dass dieser je dort war.

Spielzeug, Nussknacker, Räuchermänner & Co.

Es war Mitte der 1980er-Jahre, als es hieß, der in Dresden stationierte KGB-Mann wolle das Erzgebirge und das Museum kennenlernen. "Seine Zeit war so knapp bemessen, dass wir ihm im Gasthof ,Goldene Sonne' in Ansprung einige Exponate vorführen sollten. Da der Museumsleiter Urlaub hatte, musste ich ran", erinnert sich Merten. "Ich packte also allerlei schöne Sachen ins Auto - Reifentiere, Spielzeug, Nussknacker, Räuchermänner - und kam mit Putin beim Abendbrot ins Gespräch. Er war sehr interessiert, wir haben uns gut unterhalten. Ich wusste ja damals nicht, was aus dem noch werden würde."

Obwohl sich Merten 1985 mit einem Männelmacher-Betrieb selbstständig machte, hat er im Museum bis heute einen festen Platz. Das Haus erwarb 1960 sein Meisterstück: eine Spielzeugtruhe mit 109 gedrechselten und geschnitzten Tieren, Figuren, Häusern, Bäumen, Kirche und allem, was zum dörflichen Leben gehört. Die Truhe wird derzeit im Dachgeschoss in einer Sonderausstellung präsentiert - als eines von 60 Objekten, die für 60 Jahre Museumsgeschichte stehen: Denn am 5. Juli 1953 wurde das Spielzeugmuseum eröffnet, 20 Jahre später auch das ihm angeschlossene Freilichtmuseum, für das bis heute 13 historische Gebäudekomplexe umgesetzt und neu aufgebaut wurden.

Sonderausstellungen und Spielzeugschau

Die Geschichten vom schwierigen Start kennt Museumsleiter Konrad Auerbach nur aus Erzählungen seines engagierten Vorgängers Helmut Bilz und seines Vaters. Der Spielzeugmacher Manfred Auerbach gehörte zu einer Gruppe von zehn jungen Meistern, die sich besonders für den Auf- und Ausbau der Einrichtung engagierten, in ihrer Freizeit immer neue Exponate herstellten, um die Schau zu erweitern und jedes Jahr zu Weihnachten Sonderausstellungen zu gestalten. Dass sich das Museum bis heute in einer denkmalgeschützten Strumpffabrik befindet, hat einen einfachen Grund: Schon 1936 wurde hier eine Spielzeugschau eröffnet, mit der die Seiffener in jenen wirtschaftlich schwierigen Jahren Werbung für die heimische Spielwarenbranche machen wollten.

Wegen des Krieges wurde die Ausstellung zwar 1943 geschlossen. Ein Großteil der 400 Exponate konnte aber 1953 in das neue Museum übernommen werden. Darunter die sieben Meter hohe Pyramide im Foyer, für deren Präsentation schon 1936 die Decke zwischen erster und zweiter Etage herausgebrochen worden war. Auch der große Seiffener Winterberg und die "Spielzeugmacherstube" stammen aus dieser Anfangszeit.

Günter Leichsenring, heute 82 Jahre alt, gehörte in den 1950er-Jahren zu jenen "jungen Wilden", die von der Idee besessen waren, der Branche zu neuem Schwung zu verhelfen. "Unser Elan war grenzenlos. Jede Woche haben wir uns abends getroffen, zusammengebaut und bemalt, was wir zuvor in unseren Werkstätten gedrechselt hatten. Weil es keine Vitrinen gab, wurden die Dinge auf Tischen aus Spanplatten präsentiert. Ich kann mich an eine Serie von Räuchermännchen erinnern, die alle von Besuchern geklaut wurden", schmunzelt Leichsenring heute.

9,5 Millionen Besucher hatte das Museum mit 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf drei Etagen in den sechs Jahrzehnten. "Wir waren trotz unserer Lage weitab von großen Städten und Kulturzentren immer stark frequentiert, sind bis heute Spiegelbild der Spielzeugmacherbranche der gesamten Region", erzählt Museumsleiter Auerbach. Am meisten überrascht habe ihn der Ansturm bis Mitte der 1990er-Jahre. "Da kamen bis zu 235.000 Schaulustige pro Jahr. Wir haben von dem großen Nachholbedarf der Kulturinteressierten im Westen profitiert."

Das Jahr 2008 erinnert an den japanischen Industriedesigner Aquio Nishida. Er weilte in den 1990er-Jahren im Erzgebirge, beschäftigte sich mit beweglichem Spielzeug und gestaltete schließlich in Seiffen eine große Ausstellung. Nach seinem Tod bekam das Museum vieles aus seinem Nachlasses, darunter jene zwei Füchse, die mittels Handkurbel in Bewegung kommen und unermüdlich an einem Stamm sägen.

Die fünfjährige Mia, die mit ihren Großeltern aus Chemnitz ins Museum gekommen ist, hat es gar nicht bis in diesen Ausstellungsbereich geschafft. Neben der Kasse zieht sie jener hölzerne Fadenläufer in den Bann, der über ihrem Kopf in drei Metern Höhe über ein Seil balanciert. Mia musste nur auf den Knopf "Benutze mich" drücken. Auch an der großen Holz-Uhr, deren Zeiger Reiter, Storch, Wippe, Hund und Clowns in Aktion versetzen, versucht sie, das Funktionsprinzip zu erklären. Für den promovierten Kulturwissenschaftler Auerbach der beste Beweis, dass er heute ein Museum führt, das mehr als eine Entdeckungsreise durch die Welt des erzgebirgischen Spielzeugs bietet.

Service

Das Spielzeugmuseum ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Museumsgeburtstag wird am 6. Juli ab 12 Uhr mit einem bunten Programm gefeiert. Es gibt diverse Vorführungen und stündlich bis 18 Uhr Führungen durch die Schau. Diese ist noch bis Ende Oktober zu sehen. Mehr Infos unter: www.spielzeugmuseum-seiffen.de

 
erschienen am 03.07.2013 (Von Gabi Thieme)
 
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