Christine Mirecki aus Leezen war mit ihren farbenfrohen geklöppelten Schals und Hüten nach Annaberg-Buchholz gekommen. Christine Mirecki aus Leezen war mit ihren farbenfrohen geklöppelten Schals und Hüten nach Annaberg-Buchholz gekommen.

Foto: Bernd März

Spitzenkunst lockt mehr als 4100 Gäste nach Annaberg-Buchholz

Annaberg-Buchholz. Klöppelspitze oder Kunst? Vor dieser Frage stehen die Betrachter einer scheinbar aus Bändern gefalteten Schale, die auf einer Vitrine in der Stadtbibliothek steht. Was das ungewöhnliche Objekt mit traditioneller Klöppeltechnik zu tun hat, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Und doch bezieht sich die 1969 in Annaberg-Buchholz geborene Designerin Ines Schwotzer in ihren preisgekrönten Objekten und Schmuckstücken ganz auf das klassische Kunsthandwerk. Neu sind allerdings Material und Gestaltung, mit der die Absolventin des Schneeberger Fachbereiches für angewandte Kunst ihre Spitzen in Form bringt.

Klöppeln zwischen Tradition und Moderne - so lässt sich auch das Programm des 30. Deutschen Klöppelspitzen-Kongresses überschreiben: Ausstellungen, Seminare und Vorträge widmeten sich an drei Tagen Historie und Weiterentwicklung der Spitzenwerke. Mehr als 4100 Besucherinnen und Besucher aus Deutschland, der Schweiz, aus Finnland, den USA und sogar aus Australien holten sich beim deutschlandweit größten Treffen der Klöpplerinnen und Klöppler neue Anregungen, vertieften ihre Fertigkeiten, kauften Zubehör und nutzten die Gelegenheit zum Fachsimpeln.

"Der Kongress ist der jährliche Höhepunkt des Deutschen Klöppelverbandes. Für unsere mehr als 3000 Mitglieder ist es Familientreffen und Erfahrungsaustausch. Manche nehmen ihren Jahresurlaub dafür", weiß die stellvertretende Vorsitzende Sonnhild Grämer aus Burkhardtsdorf.

Inga Bens aus Oldenburg beispielsweise weilte bereits seit Mittwoch im Erzgebirge. Sie hatte ein Seminar belegt, bei dem die historische Duchesse-Spitze zeitgemäß interpretiert wurde. "Es war spannend zu sehen, was man mit der alten Technik machen kann", erzählte die 67-Jährige, die mit Vorliebe in Accessoires gestaltet und ihre neu gewonnenen Kenntnisse gleich zu Hause umsetzen will.

Stände, Präsentationen, Führungen: Vor allem im Haus des Gastes Erzhammer mit seinen vielen Angeboten drängten sich die Besucher an den drei Tagen, war Schweizerdeutsch neben Niederländisch zu hören, zoomten unentwegt die Fotohandys. "Wahnsinn", kommentierte Brigitte Roscher nach ihrem Rundgang kurz, aber prägnant das Gesehene: "Es ist für mich nicht umsetzbar, aber beeindruckend", sagte die Oberwiesenthalerin, die seit 50 Jahren klöppelt und für die der Kongressbesuch "ein Muss" war. Besonders interessierte sie die Ausstellung mit zum Teil historischen Klöppeln: "Das hat mir unheimlich gut gefallen, da ich mich sehr für alte Techniken interessiere."

Kostbare Spitzen aus vergangenen Zeiten standen im Mittelpunkt der Hauptausstellung "Duchesse-Spitze" im Erzgebirgsmuseum. Diese Spitze - benannt nach der Duchesse de Brabant, der späteren Königin Marie Henriette von Belgien - schmückte einst Stolen und Kragen der Damenwelt. Für die Exposition wurden unter anderem alte Motive zum Nacharbeiten rekonstruiert, aber auch neue Entwürfe gestaltet. Auch Margit Kleinsteuber aus der Nähe von Stuttgart bewunderte die bis zu 160 Jahre alten Schätze aus der Sammlung des Klöppelverbandes: "Das Klöppeln geht in Richtung modernes Klöppeln. Das ist auch wichtig, um neue Interessenten anzuziehen. Trotzdem müssen wir die Traditionen bewahren", argumentierte sie. Fächer, Schals und Tücher aus dieser ursprünglich belgischen Spitze wurden in aufwändiger Technik gefertigt: geklöppelte Einzelteile wie Blumen, Blätter und Zweige zu großen Stücken zusammengesetzt. Das Ergebnis: Klöppelkunst von herausragender Eleganz.

Präsentation: Die Ausstellung zur Duchesse-Spitze ist im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz noch bis zum 19. September zu sehen.

 
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erschienen am 15.04.2012 (Von Jeannine Helbig)
 
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