Konzentriert: Bei seinem Vater hat Robert Weigel das Handwerk erlernt. Mit 13 Jahren stand er erstmals an der Drechselbank.

Foto: Benno Bastian/Photoron

Erzgebirgische Volkskunst in ihrer Ursprünglichkeit

Jöhstadt. Die Worte Erzgebirgische Volkskunst und Holzmänneln werden gern in einen Topf geworfen. Das ist nicht falsch, aber auch nicht richtig. Denn gerade in den Anfangsjahren, die eng mit dem Niedergang des Bergbaus in der Region verbunden waren, spielte Teig neben dem Holz eine wichtige Rolle bei der Herstellung der Männel. So wurden etwa früher Bergmänner und Engel auch aus Brotteig geformt. Daran knüpft Robert Weigel an. Der Jöhstädter hat sich der Volkskunst verschrieben, wie sie im 19. Jahrhundert im Raum Annaberg üblich war. Und dazu gehört nun einmal Teig, wenn es auch heute nicht mehr unbedingt Brotteig ist.

"Ich verwende eine Art Tonmasse. Die lässt sich gut formen, schleifen und beschnitzen", sagt der Kunsthandwerker. Natürlich sind seine Produkte nicht mehr komplett aus Teig. "Hier habe ich den Schnurrbart, die Füße sowie die Feder am Hut aus Teig gefertigt", erklärt Robert Weigel und zeigt auf einen Räuchermann. Diese 29 Zentimeter große Figur ist nicht irgendein Räuchermann. Sie ist quasi sein Meisterwerk. Mit dem Nachtwächter - Ähnlichkeiten mit den Annaberg-Buchholzer Originalen sind durchaus gewollt - errang der Jöhstädter den Nachwuchspreis des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Eine renommierte Auszeichnung in der Branche. "Das ist beruflich mein bisher größter Erfolg", schätzt er ein. Dabei ist Robert Weigel gerade einmal 29 Jahre alt, aber schon seit sieben Jahren Firmenchef.

Damals, 2011, übernahm er die "Drechslerei am Schwarzwasser" - so der Name des Betriebes - von seinem Vater Wolfgang, der weiter mit in der Firma tätig ist. Er hatte sie 1994 gegründet und er war auch der Lehrmeister für seinen Sohn. "Ich habe mit 13 Jahren das erste Mal an einer Drechselbank gestanden. Nicht, weil ich es musste, sondern weil ich es wollte. Und es hat mir einfach Spaß gemacht", blickt der 29-Jährige zurück.

Inzwischen ist er in dem Zwei-Mann-Betrieb Firmenchef, Vertriebsleiter, Pressesprecher und Designer in Personalunion. Auch den prämierten Nachtwächter hat er selbst entworfen beziehungsweise entwickelt. Die Schritte seien dabei zumeist die gleichen. "Als erstes fertige ich eine Skizze an, wobei ich eigentlich gar nicht so gut zeichnen kann", gesteht Robert Weigel. Er entwickelt deshalb lieber direkt an der Drechselbank. "Dort sehe ich relativ schnell, ob es passt oder nicht."

Bis der Nachtwächter so aussah, wie sich das Robert Weigel vorgestellt hatte, entstanden rund zehn dieser Figuren. Entsprechend seines Anspruches handelt es sich dabei nicht ausschließlich um gedrechselte Stücke. Neben den Teilen aus Teig, verfügt der Räuchermann wie früher auch über verschiedene handgeschnitzte Komponenten wie etwa Arme, Hände und das Horn des Nachtwächters. Auch das macht Robert Weigel selbst. Und noch etwas: "Wir stellen zum Teil sogar die Farbe selber her, weil es manche einfach so nicht zu kaufen gibt", verrät der 29-Jährige, der damals nicht lange gezögert habe, als ihm sein Vater die Übernahme des Betriebes anbot. Klar, das Geschäft sei nicht einfach, mache aber noch immer großen Spaß. Allerdings bedauert der Jöhstädter, dass die Volkskunst momentan sehr modern gehalten sei, immer mehr Hersteller auch auf diesen Zug aufspringen.

Robert Weigel will sich davon jedoch nicht beirren lassen und seinen eingeschlagenen Weg der ursprünglichen erzgebirgischen Volkskunst weitergehen. Das heißt Fertigung von hochwertigen Pyramiden, Leuchterspinnen, Tafelleuchtern, hölzernen Christbaumschmuck und natürlich "Männeln" wie Engel, Bergmann und Räuchermännchen wie im 19. Jahrhundert.

 
erschienen am 19.10.2018 ( Von Thomas Wittig )
 
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