J√ľrgen Bock hatte die Idee zu dieser Gemeinschaftsarbeit des Schnitz- und Krippenvereins Ehrenfriedersdorf. S√§mtliche Handwerkszweige, die im Erzgebirge zu Hause waren, sind dargestellt.

Foto: Dirk Trautmann

Schnitzer in Ehrenfriedersdorf gehen bei Material und Gestalt ungewohnte Wege

Ehrenfriedersdorf. Es ist kein Weihnachtsberg und auch keine Pyramide. Den H√∂hepunkt der derzeitigen Schnitz- und Kl√∂ppelausstellung in Ehrenfriedersdorf bildete eine eher untypische Schnitzarbeit: 21 Figuren, die an einem Relief angeordnet sind. Bei dem am Wochenende enth√ľllten Werk sind alte Berufe dargestellt, wie sie im Erzgebirge fr√ľher ausge√ľbt wurden. Vom Bergmann √ľber den Nachtw√§chter bis hin zu Schmied, M√§nnelmacher und F√§rber. Doch nicht aus Lindenholz sind die Figuren gearbeitet worden, sondern aus Zirbelkiefer.

"Mit dem Holz der Zirbelkiefer arbeiten viele Schnitzer in S√ľdtirol. Ich dachte, das w√§re auch mal etwas f√ľr uns", erz√§hlte J√ľrgen Bock. Der Ehrenfriedersdorfer hat die Konzeption f√ľr die Gemeinschaftsarbeit entworfen, ohne dass die einzelnen Berufe von Anfang an feststanden. "Die Figuren auf einem Tisch auszustellen, fand ich langweilig. Wir haben sie an einer Wand aus Zirbelkiefer seitlich und in der H√∂he gestaffelt. Das Ergebnis finde ich einfach sch√∂n", sagte der 72-J√§hrige nach der Pr√§sentation. 675 Jahre Ehrenfriedersdorf steht auf einer gro√üen Plakette, eingerahmt von den Jahreszahlen 1339 und 2014, wiederum geschnitzt aus Zirbelkiefer.

"Das Holz ist weicher als Linde, es fasert schnell aus. Die Eisen m√ľssen richtig scharf sein, man muss grober arbeiten als mit Lindenholz. Und das Holz der Zirbelkiefer bricht schneller aus als Linde", verwies Wilfried Pietsch auf die Schwierigkeiten, denen sich die Ehrenfriedersdorfer Schnitzer gegen√ľber sahen. Der 58-J√§hrige aus Thum hat gleich zwei Figuren gearbeitet: einen Lehrer, der mit hoch erhobenem Zeigefinger scheinbar vor seiner Klasse doziert und einen Holzmacher. Die einzelnen Z√§hne einer gro√üen Schrots√§ge sind sehr gut zu erkennen. "Die Figur und die S√§ge sind aus einem Holzst√ľck geschnitzt, nur die Axt habe ich extra geschnitzt", erz√§hlte Wilfried Pietsch.

Der eigene Stil jedes eigenen Schnitzers kommt hervorragend zur Geltung. Auch die einzelnen Gesichter unterscheiden sich. "Ich habe nicht zu viel versprochen", sagte Rainer Lorenz, Erster Vorsitzender des Schnitz- und Krippenvereins Ehrenfriedersdorf, der in der vergangenen Woche mit seinen Worten - "das haben Sie noch nicht gesehen" - keinesfalls zu viel versprochen hatte. Gegen dieses gro√üe Werk der Schnitzer wirkt die Gemeinschaftsarbeiten der Frauen des Kl√∂ppelvereins Ehrenfriedersdorf auf den ersten Blick fast unscheinbar. Aber nur fast. Eine kleine Buche haben die Kl√∂pplerinnen mit etwa 250 gekl√∂ppelten Bl√§ttern geschm√ľckt, im Ge√§st tummeln sich Meisen, Goldammer, Amsel und Pirol. In einem Holzrahmen sind insgesamt 32 Gr√ľnde zu sehen, die Grundform des Kl√∂ppelns, zu sehen. Dazu kommen wieder unz√§hlige Schnitzereien, Tiere, althergebrachte Figuren wie Bergm√§nner und auch etwas ganz Au√üergew√∂hnliches. Stefan Klein hat Don Quijote nebst dessen Schildknappen Sancho Pansa meisterhaft aus dem Lindenholz heraus geholt. Das Pferd des "Ritters von der traurigen Gestalt" ist eine echte Schindm√§hre, die Rosinante eben. Und Sancho Pansa auf seinem Esel, dem "Grauen", ist nicht nur viel beleibter als der Ritter, sondern auch dem Wein sehr zugeneigt. Die Jubil√§umsschau der Ehrenfriedersdorfer Schnitzer und Kl√∂pplerinnen ist eine echte Schau - f√ľr Fachleute ebenso wie f√ľr Laien, die einfach nur Staunen wollen.

Die Schnitz- und Klöppelausstellung des Schnitz- und Krippenvereins Ehrenfriedersdorf sowie des Klöppelvereins ist bis zum 26. Januar im Haus des Gastes Ehrenfriedersdorf zu sehen. Geöffnet ist an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr sowie wochentags von 13 bis 18 Uhr.

 
erschienen am 14.01.2014 ( Von Dirk Trautmann )
 
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